Mit fünf Hebeln das Klima schonen

 
Bis 2050 soll der Gebäudebestand in Deutschland nahezu klimaneutral sein. Um dieses Ziel
zu erreichen, muss im Neubau und im Gebäudebestand noch viel unternommen werden. Was
aber kann jeder Einzelne schon heute tun, um CO2 in den eigenen vier Wänden einzusparen?
Mithilfe des CO2-Rechners des Umweltbundesamtes hat Annkathrin Bernritter von der Bausparkasse
Schwäbisch Hall ausgerechnet, wo CO2-Einsparpotenzial für umweltbewusste Hausbewohner
liegt.
 
Hebel 1: Die Ölheizung austauschen: Minus 10 Tonnen CO2 durch Holzpellets
„Die Ölheizung verursacht am meisten CO2 im Haushalt – es lohnt sich also, in die Heizanlage
zu investieren“, sagt Schwäbisch Hall-Expertin Annkathrin Bernritter. In einem durchschnittlichen
Haushalt – laut statistischem Bundesamt vier Personen, Einfamilienhaus gebaut nach
1980, 131 Quadratmeter Wohnfläche, Ölheizung ab 1980 – erzeugt die ältere Ölheizung laut
Rechner des Umweltbundesamtes pro Jahr 11,2 Tonnen CO2. Setzen Eigentümer dagegen auf
eine Holzpelletheizung, sind es nur noch 1,1 Tonnen CO2 im Jahr und damit mehr als 10 Tonnen
weniger gegenüber der Ölheizung. Die 1,1 Tonnen CO2 fallen bei der Holzpelletheizung maßgeblich
durch Produktion und Transport von Heizung und Pellets an, die der Rechner des Umweltbundesamtes
einkalkuliert. Holzpellets aus nachhaltiger Forstwirtschaft können Verbraucher
darüber hinaus zum Beispiel am PEFC-Siegel erkennen. Extra-Tipp der Expertin: „Noch
besser fällt die CO2-Bilanz aus, wenn Hausbesitzer zusätzlich in eine Solarthermie-Anlage zur
Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung
investieren.“ Wie viel CO2 Hausbesitzer mit
Solarthermie, Wärmepumpe oder anderen Heizungsarten einsparen können, lässt sich mit dem
CO2-Rechner prüfen.
 
Hebel 2: Zu Ökostrom wechseln: Minus 1,4 Tonnen CO2
Mit einem zertifizierten Ökostrom-Tarif können Stromkunden ein Angebot wählen, das einen
nachweisbaren Beitrag zur Energiewende leistet. „Kunden sollten auf Gütesiegel achten und
sich über den Anbieter informieren“, empfiehlt Bernritter. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch
von 3.000 kWh bei einem Vier-Personen-Haushalt liegt das Sparpotenzial bei über
1,4 Tonnen CO2.
 
Hebel 3: Die Raumtemperatur absenken: Minus 1 Tonne CO2
„Die Faustregel beim Heizen: Ein Grad weniger spart rund sechs Prozent Energie ein“, weiß die
Schwäbisch Hall-Expertin. Runterdrehen lohnt sich für die Beispielfamilie: Mit ihrer Ölheizung
bringt jedes Grad weniger bei 131 Quadratmetern Wohnfläche laut Rechner des Umweltbundesamtes
pro Jahr rechnerisch gut eine Tonne weniger CO2.
 
Hebel 4: Auf die Fenster achten: Minus 900 Kilo CO2
Wie effizient Heizwärme eingesetzt wird, entscheidet sich oft am Fenster. Es gilt: Je geringer
die Zimmertemperatur, umso häufiger muss gelüftet werden, um die Feuchtigkeit zu verringern.
Stoßlüften ist sparender und gleichzeitig wirksamer als die Dauer-Kipp-Stellung. Wenn
der Heizkörper währenddessen konsequent runtergedreht ist, entstehen laut Rechner des
Umweltbundesamtes insgesamt knapp 900 Kilogramm CO2 weniger. Tipp der Expertin: „Auch
durch undichte Fenster geht viel Energie verloren – und sie können für unangenehme Zugluft
sorgen. Schnelle Abhilfe schaffen Schaum- oder Gummidichtungen aus dem Baumarkt.“ Auch
Rollläden, Vorhänge und Jalousien helfen, die Wärme im Inneren zu halten: Ein geschlossener
Rollladen verringert den Wärmeverlust laut Umweltbundesamt bereits um etwa 20 Prozent.
 
Hebel 5: Warmwasser sparen: Minus 400 Kilo CO2
Hausbewohner können ihren Warmwasserverbrauch auch durch den Einbau von Sparduschköpfen
senken. „Diese mischen Luft ins warme Wasser und können so den Warmwasserverbrauch
halbieren“, erläutert Bernritter. Heizt die Familie mit der Ölheizung auch das Warmwasser,
kann sie durch die reduzierte Wassermenge bis zu 400 Kilo CO2 einsparen.
 
Extra-Tipp: Auf langlebige Haushaltsgeräte setzen
Das Öko-Institut nimmt auch den Herstellungsaufwand bei Haushaltsgeräten in den Blick: „Die
Maxime lautet: Es ist ökologisch sinnvoll, Haushaltsgeräte so lange wie möglich zu nutzen“,
erklärt Bernritter. Das Öko-Institut hat berechnet: Wer vor zwanzig Jahren eine damals energieeffiziente
Maschine gekauft hat, spart innerhalb dieser 20 Jahre über eine Tonne CO2 gegenüber
einem Haushalt ein, der die Waschmaschine im gleichen Zeitraum dreimal ersetzt
hat – trotz niedrigerer Verbrauchswerte, denn auch bei der Herstellung von Haushaltsgeräten
entsteht CO2. „Wer ein altes Elektrogerät ersetzt, sollte zudem darauf achten, dass das Neugerät
optimal zum Nutzungsverhalten passt“, rät die Expertin. „Sind die Kinder aus dem Haus,
reicht vielleicht auch die kleinere Waschmaschine.“ Den Energieaufwand bei der Herstellung
mit einberechnet, empfiehlt das Öko-Institut den Austausch von Geräten ab Klasse B abwärts
durch ein Gerät ab Klasse A++.
 
Am meisten CO2-Sparpotenzial bietet
der Umstieg von der Öl- auf eine
umweltfreundlichere Heizung. (Grafik:
Bausparkasse Schwäbisch Hall)

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