Wattestäbchen im Test: Warum die Corona-Krise für Probleme sorgt

Wattestäbchen mit einem Stiel aus Plastik – das war gestern. Denn in der EU ist Plastik in Wegwerfartikeln ist seit 2021 verboten. Setzen die Hersteller nun auf Alternativen und sind die Wattestäbchen frei von Schadstoffen? Wir haben 25 Produkte getestet.

  • Im Test: 25 Wattestäbchen aus Drogerien, Discountern, Supermärkten und Bio-Märkten. Vier Produkte sind als Sicherheitswattestäbchen für Babys- und Kinder ausgelobt.
  • In vier Produkten fand das Labor halogenorganische Verbindungen. Viele Stoffe aus dieser Gruppe gelten als allergieauslösend.
  • Problem für Wattestäbchenhersteller: Die aktuelle Krise erschwert die Beschaffung von Papier.

Seit Sommer 2021 gilt für Wegwerfprodukte ein Plastikverbot in der EU. Also müssen die Stiele der Wattestäbchen aus Papier sein. Damit sind wir beim Thema Engpass auf dem Papiermarkt. Was bedeutet der für die Hersteller von Wattestäbchen?

Sorge um Papierknappheit durch Corona und Krieg

Das EU-Verbot für Plastik in Wegwerfartikeln fiel mitten in die Corona-Krise. Wegen des Lockdowns gerieten weltweit die Lieferketten für Alltagsprodukte stark unter Druck. Das galt und gilt insbesondere auch für Hygienepapier- und Zellstoffprodukte.

Für die Hersteller hieß es: kreativ werden. Ein Wattestäbchenhersteller, dessen Produkte wir aktuell getestet haben, teilte uns beispielsweise mit, dass er Papierstiele bei seinen Wattestäbchen verwendet, die sonst bei Lollis zum Einsatz kommen.

Jetzt kommt zu der ohnehin angespannten Lage auf dem Papiermarkt der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine hinzu. Die aktuell explodierenden Gas- und Strompreise könnten dafür sorgen, dass sich der Papiermangel zu einer Versorgungskrise auswachse, warnt der Branchenverband Die Papierindustrie.

Sortiment an plastikfreien Wattestäbchen ist groß

Die gute Nachricht: Bisher scheinen die Hersteller von Wattestäbchen die Umstellung auf Papier offensichtlich gut hinbekommen zu haben. Das Sortiment an plastikfreien Produkten in den Ladenregalen ist groß. Zurückgegriffen wird, wie unser Test zeigt, auf Papier aus Brasilien, Skandinavien und Deutschland.

Auffällig ist allerdings, dass nur vier der getesteten Wattestäbchen Anteile von Recyclingpapier enthalten – das ist eine sehr schwache Quote. Die Erklärung: „Lieferengpässe auf dem Rohstoffmarkt bei der Beschaffung von Recyclingfasern erschweren einzelnen Herstellern derzeit die Herstellung von Recyclingpapier“, teilt der auf nachhaltige Forstwirtschaft ausgerichtete Zertifizierer Forest Stewardship Council (FSC) mit.

Keine Minuspunkte für schlechte Recycling-Quote

Das Umweltbundesamt schreibt uns auf Anfrage: „Derzeit ist die Lage auf dem Altpapiermarkt angespannt. Es ist schwer, überhaupt genügend Altpapier zu vertretbaren Preisen für die Produktionen zu bekommen.“

Die Schwierigkeit der Rohstoffbeschaffung und die Anfangsprobleme bei der Umstellung auf plastikfrei sind auch die Gründe, warum wir anders als bei unseren jüngsten Tests von Hygieneartikeln wie Toilettenpapier oder Papiertaschentüchern diesmal keine Noten für den fehlenden Einsatz von Recyclingpapier abziehen.

Woher stammt das recycelte Papier?

Bei den vier Produkten in unserem Test, die Recyclingpapier enthalten, stammen die Papierfasern nicht aus der häuslichen Altpapiersammlung (Post-Consumer-Recycling), sondern es handelt sich um Post-Industrial-Recyclingpapier.

Was genau ist das? Es handelt sich um recycelte Industriereste. Recycelte Industriereste Post-Industrial-Recylingpapier (PIR) stammt vollständig oder anteilig aus Altpapier, das in der Papierverarbeitung von Druckereien, Buchbindereien oder Verpackungsfabriken anfällt – etwa Stanzreste.

Ausgangsmaterialien können aber auch nicht verkaufte Zeitungen und Zeitschriften aus dem Kioskhandel sein. Für die weiterverarbeitende Industrie hat PIR den Vorteil, dass es ohne die aus der Altpapiertonne bekannten Störstoffe (Fehlwürfe) vorliegt. Eine passende Recyclingpapierfabrik kann es direkt verwerten, Stanzabfälle eines Wellpappenkistenherstellers zum Beispiel eignen sich für die Wellpappenrohpapierproduktion.

Mögliche Rückstände aus Bleiche in Wattestäbchen

Was Schadstoffe angeht, gibt es an den Wattestäbchen im Test nicht viel zu meckern. In vier Produkten werten wir halogenorganische Verbindungen ab. Allgemein gelten viele der zumeist chlorhaltigen Stoffe als allergieauslösend, manche reichern sich in der Umwelt an. Aussagen über ganz konkrete Verbindungen lässt das Analysenverfahren jedoch nicht zu.

Bei den analysierten Verbindungen kann es sich um Rückstände aus der Chlorbleiche handeln. Die Anbieter Kaufland und Rossmann gaben uns beispielsweise die Rückmeldung, dass zwar die Baumwolle der Watte chlorfrei gebleicht sei, nicht aber das Stäbchen. Dessen Papier sei mit dem Verfahren ECF (elementar- Chlorfrei) gebleicht. Das schließt zwar den Einsatz von Chlorgas aus, nicht aber den von Chlorverbindungen.

Hersteller Pandoo antwortete, Bambus und Baumwolle seien ungebleicht; Outdoor Freakz machte keine Angaben zum konkreten Bleichverfahren.

Wattestäbchen im Gebrauch: Tipps für die Anwendung

  • Wattestäbchen besser nicht in den Gehörgang stecken. Grund: Mit einem Stäbchen drückt man Ohrenschmalz nur noch fester und tiefer ins Ohr. Beinahe alle Produkte tragen einen entsprechenden Warnhinweis.
  • Babywattestäbchen müssen nicht sein. Die äußere Ohrmuschel lässt sich auch mit einem Waschlappen oder einem herkömmlichen Stäbchen reinigen.

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