Rosen zum Valentinstag: Discounter-Billigstrauß wird Testsieger

Schnell noch ein paar Rosen für die Liebste? Lieber nicht. Die meisten Sträuße strotzen nur so vor Pestiziden. Trauriger Spitzenreiter in Sachen Chemiecocktail: Fleurop. Ganze 21 Pestizide verschickt der Onlineanbieter mit seinen Fairtrade-Rosen. Am besten schneidet der Billigstrauß von Aldi Süd ab.

  • Im Test: 21 Rosensträuße – darunter sechs mit deklariertem Fairtrade-Label. Die Preisspanne reicht von 1,99 Euro für zwölf Rosen bis hin zu 39,95 Euro für acht Rosen.
  • Die Mehrheit der Rosensträuße fällt durch den Test. Nur der Strauß von Aldi Süd ist mit „gut“ empfehlenswert.
  • Kritik gibt es unter anderem für Pestizide und intransparente Lieferketten.

Rosen sind die Blumen der Liebe – zumindest wenn es nach der Floristikbranche geht. Zum Valentinstag vermarktet sie die Rose als scheinbar alternativloses Geschenk für jeden, der ein Herz im Leib hat.

Pünktlich zum 14. Februar fahren die Fluggesellschaften ihre Kapazitäten hoch, um Hunderte von Tonnen gekühlter Rosen per Frachtflieger aus Südamerika und Ostafrika nach Deutschland zu bringen. Mit an Bord: Jede Menge Spritzgifte – auch solche, deren Anwendung in der EU längst verboten ist, wie unser Test zeigt.

Rosen mit Pestiziden: Es gibt schönere Liebesbeweise

Wir haben 21 Rosensträuße in verschiedenen Farben und Preislagen getestet und darin insgesamt 54 verschiedene Pestizide gefunden. Es gibt sicher schönere Liebesbeweise: Mehr als drei Viertel der Rosen fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch, darunter auch die teuren Sträuße der Blumenversender Fleurop und Euroflorist.

Nur ein einziger Strauß im Test schneidet „gut“ ab – der Fairtrade Rosen, weiß-rosa-rot-Mix von Aldi Süd für 2,99 Euro.

Rosen kommen oft aus Kenia, Äthiopien und Uganda

Die Lieblingsblume der Deutschen wird das ganze Jahr über von anderen Kontinenten nach Deutschland eingeflogen, aber insbesondere im Februar gibt es im Handel wenig Alternativen zur „Flug-Rose“. Auch die Sträuße in unserem Test, für die uns Informationen zur Herkunft vorliegen, kommen vorwiegend aus Kenia, Äthiopien und Uganda.

Dort wachsen sie in riesigen Monokulturen und schlucken jede Menge Wasser. Auch der Einsatz von Pestiziden gegen Schädlinge und Krankheiten ist immens, und leider scheint sich in der Hinsicht nicht viel getan zu haben seit unserem ÖKO-TEST Rosen aus dem Jahr 2017.

Spuren von 21 Pestiziden in Fleurop-Rosenstrauß 

Das ist bitter: Kein einziger Strauß im Test kommt ohne Pestizidcocktail daher, jeder dritte enthält sogar eine zweistellige Anzahl Spritzmittel. Der Fleurop Rosenstrauß Colorful Roses toppt dabei alle: Das Labor fand darin Rückstände von 21 verschiedenen Pestiziden. Bei zehn Spritzgiften handelt es sich sogar um solche, die wir als besonders bedenklich einordnen.

In dieser Problemgruppe landen etwa Verbindungen, die laut aktueller Studienlage sicher oder wahrscheinlich krebserregend, erbgutverändernd, fortpflanzungsschädigend oder bienentoxisch sind

In EU verbotene Spritzgifte auf vielen Rosen 

Doch der eigentliche Skandal kommt noch: Auf drei Vierteln der Rosensträuße im Test kleben Spritzmittel, deren Anwendung in Europa verboten ist. Zum Beispiel das laut Europäischer Chemikalienagentur (ECHA) vermutlich krebserregende Insektizid Thiacloprid oder das Fungizid Carbendazim, das im Verdacht steht, genetische Defekte zu verursachen.

Beide können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen. Ihre Anwendung auf europäischen Feldern ist aus sehr gutem Grund tabu. Obwohl die Risiken vieler Stoffe längst bekannt sind, produzieren europäische Chemiekonzerne in der EU verbotene Wirkstoffe ungerührt weiter und verkaufen sie in Länder mit laxeren gesetzlichen Vorschriften – in unseren Augen eine Riesensauerei.

Weiter zu den getesteten Produkten

Keine Grenzwerte für Pestizidreste auf Blumen

Das ist legal. Denn zum einen ist es grundsätzlich erlaubt, Produkte in die EU einzuführen, die mit Pestiziden belastet sind, deren Anwendung in der EU verboten ist. Zum anderen gelten für Pestizidrückstände auf Blumen in der EU – anders als bei Obst und Gemüse – keine gesetzlichen Grenzwerte.

Die höchste Menge eines Einzelstoffs enthält der Gut & Günstig Moosrosenstrauß, dunkelrot von Edeka, in dem das Labor ganze 45,1 Milligramm pro Kilogramm des Fungizids Spiroxamin gemessen hat. Spiroxamin zählen wir zu den besonders bedenklichen Pestiziden, es steht im Verdacht, die Organe und das Kind im Mutterleib schädigen zu können.

Jährlich erleiden 385 Mio. Menschen eine Pestizidvergiftung

Für die mit Rosen überschüttete Liebste mag sich solch ein Geschenk dezent vergiftet anfühlen. Ein wirkliches gesundheitliches Problem ist der massenweise Einsatz der Chemikalien aber vor allem für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Blumenfarmen.

Denn viele Beschäftigte spritzen die Pestizide noch immer ohne geeignete Schutzausrüstung, wie uns die Agrarwissenschaftlerin Catherine Kunyanga von der Universität Nairobi für das weltweit größte Rosenexportland Kenia bestätigte.

Auch die Zeitspanne zwischen dem Versprühen und dem erneuten Betreten des Gewächshauses sei vielfach zu kurz. Immer wieder berichteten Farmangestellte über gesundheitliche Beeinträchtigungen. Laut Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) erleiden jährlich 385 Millionen Menschen eine Pestizidvergiftung, 11.000 sterben daran.

Übernehmen die Rosen-Anbieter Verantwortung?

Wir wollten deshalb auch von den Herstellern in unserem Test wissen, ob sie Verantwortung für ihre Lieferkette und die Arbeitsbedingungen auf dem Blumenfeld übernehmen. Etliche Anbieter verweigerten uns leider jede Angabe dazu oder lieferten keine Belege.

So lautet das Testergebnis Transparenz für acht Sträuße „ungenügend“. Auch Fleurop zieht sich für einen seiner Sträuße aus der Affäre und verweist auf seine Rolle als bloßer Lieferdienst. Immerhin zwei Drittel der Unternehmen haben uns ihre Lieferkette komplett oder teilweise offengelegt.

Existenzsichernde Löhne weiterhin ein Problem

Zehn Sträuße im Test loben überdies Zertifizierungen aus, die für ökologische und soziale Verbesserungen stehen. Fairtrade ist darunter das bekannteste Siegel und gleichzeitig das mit den höchsten Ansprüchen.

Der Blumenstandard steht unter anderem dafür, dass Beschäftigte auf den Farmen zur richtigen Anwendung von Spritzgiften geschult und mit Schutzausrüstungen ausgestattet werden, dass sie sich gewerkschaftlich organisieren dürfen oder den gesetzlichem Mindestlohn erhalten.

Das sind selbst in Kenia, wo die gesetzlichen Standards höher als in Uganda oder Äthiopien sind, keine Selbstverständlichkeiten. Löhne auf existenzsicherndem Niveau konnte auch Fairtrade für die Blumenfarmen bisher nicht rausschlagen.

Fairtrade-Prämie wird nicht immer gezahlt

Umso wichtiger für die Beschäftigten ist die Fairtrade-Prämie – zehn Prozent des Exportpreises, die sie direkt in Gemeinschaftsprojekte wie Krankenstationen oder Kinderkrippen stecken können. Allerdings: Acht Anbieter im Test beziehen ihre Rosen zwar von einer Fairtrade-Farm, loben das Siegel jedoch nicht aus. So müssen sie auch keine Fairtrade-Prämie zahlen.

Die Blumenstandards haben sich übrigens auch auf die Fahnen geschrieben, den Einsatz von Pestiziden zu drosseln: Fairtrade verbietet 207 besonders gefährliche Pestizide, MPS (Milieu Programma Sierteelt, zu deutsch: „Umweltprogramm Zierpflanzen“) immerhin 105 Wirkstoffe. Uns reicht das nicht. Auch Fairtrade-Sträuße enthalten noch zu viele in unseren Augen gefährliche Spritzmittel.

Tipps zum Kauf von Rosen

Das rät ÖKO-TEST:

  • Wählen Sie Blumen mit einem Fairtrade-Siegel auf der Verpackung: Es steht etwa dafür, dass Arbeiterinnen und Arbeiter eine Fairtrade-Prämie erhalten und beim Spritzen von Pestiziden Schutzkleidung tragen müssen.
  • Wer gerne Rosen verschenkt, sollte das lieber im Sommerhalbjahr tun – denn von Juni bis August wachsen sie hierzulande sogar im Freiland.
  • Übrigens: Rosen aus den Niederlanden sind zur aktuellen Jahreszeit ökologisch gesehen keine Alternative. Dort verbrauchen die Rosen zwar deutlich weniger Wasser als in trockenen Anbauländern wie Kenia oder Äthopien, wachsen dafür aber in beheizten Gewächshäusern. Die verursachten Emissionen sind dadurch insgesamt deutlich höher als etwa bei kenianischen Rosen.

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