Puder-Test: Blei, Arsen und Nickel verschlechtern Testergebnisse

Kompaktpuder soll die Haut schöner erscheinen lassen. Unschön, wenn dabei Arsen, Blei und Nickel im Spiel sind. Mit diesen Stoffen sind die Puder in unserem Test reihenweise belastet. Mit „sehr gut“ schneiden nur vier der getesteten Produkte ab.

  • Die Kompaktpuder im Test sind zum Teil mit Schwermetallen wie Blei, Arsen oder Antimon belastet.
  • In jedem zweiten Produkt steckt das Kontaktallergen Nickel.
  • Fast ein Drittel der Puder fällt mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Immerhin vier bekommen die Bestnote „sehr gut“.

Kompaktpuder ist praktisch. Es lässt sich wunderbar in der Handtasche verstauen, mattiert zwischendurch schnell die glänzende Nase, frischt das Make-up auf und macht einen ebenmäßigen Teint. Die Kompaktpuder in unserem Test hinterlassen aber nicht nur einen schönen Schimmer auf der Haut, sondern auch Blei, Arsen oder Nickel. Wir haben 20 Produkte im Labor auf ihre Inhaltsstoffe prüfen lassen.

Puder im Test: Schwermetall auf der Haut

Gesichtspuder enthalten viele natürliche Bestandteile aus unterirdischen Vorkommen. Mineralien wie Talkum, Kaolin oder Siliziumdioxid etwa, die Fett und Feuchtigkeit adsorbieren können. Oder auch ein Gemisch an Eisenoxiden und Mica, die für den Farbton und Glimmereffekte sorgen.

Diese Bestandteile bringen Schwermetalle ins Puder – denn auch Blei, Arsen oder Antimon kommen natürlicherweise in unserer Erdkruste vor.

Der bewusste Einsatz dieser Elemente ist in Kosmetik verboten, aber ein nicht beabsichtigter Eintrag dieser Schwermetalle ist kaum vermeidbar. Die Menge jedoch lässt sich technisch etwas regulieren.

Für diesen nicht beabsichtigten Eintrag bei den Pudern hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Richtwerte festgelegt, oberhalb derer es die Einträge als technisch vermeidbar ansieht. Punktabzug gab es nur dann, wenn diese Werte überschritten waren.

In sieben von 20 getesteten Pudern fand das von uns beauftragte Labor giftige Schwermetalle in einer Höhe, die wir aufgrund dieser Richtwerte kritisieren.

Was ist Problem mit Blei, Arsen und Antimon?

Auch wenn diese Stoffe natürlicherweise in der Erde vorkommen, sind sie auf der Haut noch lange nicht willkommen.

  • Arsen ist, vor allem in seiner anorganischen Form, hochgiftig und krebserregend.
  • Blei reichert sich im Körper an, besitzt in den Knochen eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren und kann auf Dauer zu Vergiftungen führen.
  • Antimon steht in seiner anorganischen Form im Verdacht, beim Menschen Krebs zu erzeugen und reizt überdies die Haut.

Sind diese Stoffe in Puder schlimm?

Wohlgemerkt: Die vom Labor nachgewiesenen Gehalte bewegen sich alle noch in Bereichen, wo keine akute Gesundheitsgefahr besteht.

Bedenklich werden aber alle kanzerogenen Substanzen durch die Aufnahme über einen längeren Zeitraum. Dabei stehen heute Rohstoffqualitäten zur Verfügung, mit denen sich hohe Schwermetallgehalte vermeiden lassen. So liegen einige Puder im Test unter unseren Abwertegrenzen. Komplett frei von einer Schwermetallbelastung war allerdings kein Produkt.

Naturkosmetik ebenfalls betroffen

Bei dem Eintragsweg der Schwermetalle über die Rohstoffe, überrascht es wenig, dass die Kompaktpuder mit Naturkosmetik-Siegel kaum besser abschneiden als die konventionellen. Schließlich ist der Anteil an natürlichen Inhaltsstoffen dort noch höher.

Gleich alle drei Schwermetalle, Blei, Arsen und Antimon, finden sich in einem Naturkosmetikprodukt. Vor allem der hohe Gehalt an Antimon fällt auf. Das überraschte auch den Hersteller. Er schrieb uns, dass bereits eine interne Klärung des möglichen Ursprungs veranlasst worden sei. Laut Anbietergutachten wurde in chargengleichem Produkt kein Antimon nachgewiesen.

Puder im Test: Kritik auch an Nickel

Zu den gefundenen Stoffen Arsen, Blei und Antimon kommt noch das Kontaktallergen Nickel, das ebenfalls ein Schwermetall ist. Nickel gehört zu den häufigsten Auslösern einer Kontaktallergie. Das beauftragte Labor stellte Nickel in jedem zweiten Puder fest.

Zu einer Obergrenze für Nickel gibt es eine entsprechende Empfehlung der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährung. Auch hier gilt: Zu Abwertungen kam es nur, wenn der Wert überschritten wurde.

Weitere Problemstoffe in Puder: Parabene und Plastik

Abseits der Naturkosmetik kommen bei den konventionellen Pudern zu der Schwermetall-Belastung noch weitere Problemstoffe hinzu.

  • Propylparaben etwa, das im Verdacht steht, wie ein Östrogen zu wirken und deshalb in der EU streng reglementiert ist.
  • Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen auch krebserregende Verbindungen sein können.
  • Ökologisch problematische Silikone oder synthetische Polymere enthält die Hälfte der konventionellen Puder. Unter diesen Stoffen kann sich auch festes Mikroplastik befinden. Der freiwillige Selbstverzicht der Kosmetikindustrie auf Mikroplastik greift bei Schminke nicht.

Was ist der Unterschied zwischen losem und gepresstem Puder?

Die Partikel von losem Puder sind in der Regel etwas feiner vermahlen als beim Kompaktpuder, dadurch verteilt er sich gleichmäßiger. Er wird am besten mit einem großen Pinsel auf den Teint gestäubt. Loser Puder ist ideal für fettige Haut und Mischhaut.

Heißt der lose Puder Transparentpuder, mattiert er farblos. Ist von Mineralpuder die Rede, besteht er hauptsächlich aus vermahlenen Mineralien.

Kompaktpuder ist die gepresste Form des losen Puders. Die Grenzen zu einer Foundation sind fließend: Einige sind primär dazu gedacht, die Make-up-Grundlage zu fixieren, andere enthalten einen höheren Anteil öliger und deckender Bestandteile und eignen sich als Foundation-Ersatz.

  • Bronzing Powder bräunt stärker und kommt nur auf bestimmte Gesichtspartien.
  • Puderkugeln liefern kleine Kügelchen verschiedener Farbnuancen in einer Dose.
  • Puder-Make-up sieht aus wie Kompaktpuder, ist aber eine Foundation ohne Wasser und wird mit einem feuchten Schwämmchen aufgetragen.

Bild und Textquelle: ÖKO – Test

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