– 2-Grad Klimaziel auch ökonomisch effizient
– Klimaforscher Levermann im Gespräch mit PrismaLife
– Workshop zur Nachhaltigkeit beim Finance Forum Liechtenstein
 
Die PrismaLife AG hat ihre Unternehmensstrategie konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Doch inwieweit tragen nachhaltige Kapitalanlagen zum Klimaschutz bei und wie sollten Ökonomie und Ökologie zusammenrücken? Dies diskutieren der Potsdamer Klimaforscher Professor Anders Levermann und PrismaLife-CEO Holger Beitz anlässlich des Finance Forums Liechtenstein am 1. September 2020. Vorab ist der Versicherungsmanager Beitz mit dem Wissenschaftler Levermann im Gespräch.
Holger Beitz: Herr Professor Levermann, Sie haben in einer Studie gezeigt, dass aus ökonomischer Sicht eine Begrenzung der maximalen Erderwärmung um 2° Celsius den besten Ausgleich zwischen Klimaschutzkosten und Schäden durch den Klimawandel bringt. Was bedeutet das?
Anders Levermann: In unserer Studie haben wir ein Wachstumsmodell des Nobelpreisträgers William Nordhaus kombiniert mit Erkenntnissen einer US-amerikanischen Forschergruppe um den Klimaforscher Marshall Burke. Nordhaus hat eine Simulation entwickelt, die prüft, wie Kosten des Klimaschutzes einerseits und Klimaschäden andererseits das Wirtschaftswachstum direkt und indirekt beeinflussen. Versucht man den Ausgleich zwischen Schadenminimierung und Wachstumsmaximierung, gelangen wir relativ stabil zu einer Tolerierung von maximal 2° Celsius Temperaturanstieg.
Holger Beitz: Also gibt es eine ökonomische Lösung für den Klimawandel, die uns wegbringt von den teilweise ideologisch geführten Diskussionen und der Wirtschaft Verantwortung zuweist.
Anders Levermann: Unsere Studie zeigt, dass auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus ökologisches Verhalten sinnvoll ist. Entscheidend ist, dass langfristig gedacht wird, denn Wetterextreme beeinträchtigen annähernd alle Sektoren der Wirtschaft. Sie betreffen unter anderem das Transportwesen, zerstören Infrastrukturen oder beeinträchtigen den Bausektor. Von der Landwirtschaft ganz zu schweigen.
Holger Beitz: Dass nachhaltiges Verhalten langfristig die richtige Strategie ist, treibt auch unser Geschäftsmodell an. Als Versicherer prüfen wir sehr genau, wo die entscheidenden Hebel sind, um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. In der Finanzwirtschaft ist dieser Hebel die Kapitalanlage. Durch die Umstellung unserer Anlagen nach ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) reduzieren wir den CO2-Impact je 100.000 Euro Investment gegenüber dem bisherigen Anlageportfolio um rund 2.5 Tonnen. Damit liegt er rund 25 Prozent unter den Emissionen des Benchmark-Portfolios MSCI World. Unseren Kunden ermöglichen wir durch ein breites Angebot an nachhaltigen Fonds eine ökologisch und sozial verträgliche Geldanlage. Die damit erzielten Effekte sind größer als die, die der Einzelne im Alltag erreichen kann.
Anders Levermann: Es ist wichtig, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam am Klimaschutz arbeiten. Der oder die Einzelne ist damit überfordert, auch wenn es natürlich sinnvoll ist, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern. Und wer Verantwortung über Entscheidungen bei der Geldanlage oder Versicherung wahrnehmen kann, sollte das tun. Aber noch wichtiger ist die Forderung aller an Politik und Wirtschaft, Klimaschutz zu fördern und umzusetzen.
Holger Beitz: Unser Nachhaltigkeitskonzept wird maßgeblich auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen. Unsere Sustainability-Strategie umfasst neben der Kapitalanlage auch unsere Dienstreisen sowie beispielsweise den Papierverbrauch oder die Seife, die wir im Büro nutzen. Unternehmerische Verantwortung heißt für uns darüber hinaus auch, dass wir uns für gesellschaftliche Themen an unserem Standort engagieren. Leider fühlt man sich trotzdem häufig ohnmächtig angesichts der Tatsache, wie wenig der Einzelne zur Einhaltung der Klimaziele beizutragen vermag.
Anders Levermann: Die Verantwortung für den Klimaschutz darf nicht dem Gewissen des Einzelnen überlassen bleiben. Die Politik ist in der Verantwortung – und die Wirtschaft muss die Umsetzung vorantreiben. Am besten, indem sie ihre Kunden und Mitarbeiter dabei mitnimmt. Die Verantwortung des Einzelnen besteht darin, die politische Umsetzung zu fordern und dann mitzumachen.
Holger Beitz: Das ökonomische «Optimum» von 2° Celsius, das Sie ermittelt haben, entspricht ja dem Pariser Klimaabkommen. Nun hat die EU-Kommission inzwischen auch einen Aktionsplan für eine umweltfreundlichere Wirtschaft aufgestellt, der neben Umweltthemen auch die Bereiche Soziales und Governance beinhaltet. Welche Rolle spielen diese Faktoren in Ihrem Modell?
Anders Levermann: Klimaschutz erfordert weltweit einen Strukturwandel. Dabei können wir von Menschen und Unternehmen in Entwicklungsländern nicht das Gleiche fordern wie von Menschen und Unternehmen in Industrienationen. Hier geht es um Gerechtigkeitsfragen und einen Ausgleich, den wir erzielen müssen, um weltweit gemeinsam gegen den Klimawandel anzugehen. Die Kriterien ESG sind untrennbar miteinander verbunden.
Professor Anders Levermann ist Klimawissenschaftler am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und dem Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York. Er ist Professor für die Dynamik des Klimasystems am Institut für Physik der Universität Potsdam. Die Studie «Paris Climate Agreement passes the cost-benefit test» ist in Nature communications 11/2020 erschienen (https://www.nature.com/articles/s41467-019-13961-1).
Levermann ist Gastredner beim digitalen Workshop der PrismaLife AG zum Thema «Nachhaltige Kapitalanlage» auf dem Finance Forum Liechtenstein in Vaduz. Zum kostenfreien Workshop am 1. September 2020 von 11:00 bis 12:30 Uhr sind noch Anmeldungen möglich. Bitte registrieren Sie sich unter PrismaLife@instinctif.com.

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