Konzern Versicherungskammer

Markt noch nicht reif für Telematik-Lösungen

Studie der BavariaDirekt, dem digitalen Versicherer im Konzern Versicherungskammer, weist tragfähige Ansätze aus und legt gleichzeitig Handlungsbedarf offen

München. Der Konzern Versicherungskammer zieht nach der einjährigen Testphase für das Angebot der „Drive+“-App als Teil der Kfz-Versicherung ein Zwischenfazit. „Wir haben wichtige Erkenntnisse aus unserem Telematik-Piloten gewonnen und können diese in zukünftige Entwicklungen einbringen“, sagt Barbara Schick, als Vorstandsmitglied des Konzerns Versicherungskammer verantwortlich für die Schaden- und Unfallversicherung. „Insgesamt sehen wir den Markt aber noch nicht reif genug für wirklich überzeugende Telematik-Lösungen.“

Eingebettet war der Pilot der Versicherungskammer Bayern, die bereits 2011 als einer der ersten deutschen Versicherer Telematik-Devices im Angebot hatte, in ein mehrstufiges, drei Jahre dauerndes Studiendesign ihres Internetversicherers BavariaDirekt. Dabei wurden eigene Daten zu Telematik-Anwendungen erhoben, um zu ermitteln, ob Kunden solche Lösungen wirklich möchten und wenn ja, welche der Telematik-Modelle unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für Versicherer in Deutschland in der breiten Anwendung für Privatkunden sich lohnen. 

„In sehr kurzen Produktentwicklungszyklen haben wir unter Einbezug von Kundenfeedback in einem ersten Schritt den Problem-Solution-Fit mittels Open Innovation getestet“, sagt Martin Fleischer, Vorstandsmitglied der BavariaDirekt und verantwortlich für die Studie. Im Zentrum der Untersuchung standen die Parameter generelle Akzeptanz, bevorzugte Lösung (Gerätetyp), Ausgestaltung des Telematik-Pakets (Services, Preisnachlass), tatsächliches Nutzungs- und Fahrverhalten, Einfluss auf die Schadenquote und Existenz eines positiven Business Case. Wesentliches Ergebnis: „Ja, der Kunde gibt an, ein Telematik-Angebot zu nutzen. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen“, so Fleischer. Denn 43 Prozent der Befragten würden einen Telematik Tarif abschließen und bevorzugen eine App-Lösung. Wenn sie über die Datenweitergabe frei bestimmen können, steigt die Akzeptanzquote sogar auf 61 Prozent. Auch wollten Kunden einen Preisnachlass von mindestens 50 bis 100 Euro gegenüber heute gängigen Tarifen, einen Aufschlag bei schlechter Fahrweise lehnen sie aber ab. Der Wunsch nach Zusatzservices, wie z.B. Tipps für eine bessere Fahrweise, ist eher gering.

Im nächsten Schritt wurden unterschiedliche Lösungsangebote durch einen Product-Market-Fit getestet; dabei wurden Kunden einbezogen. „Es war schnell klar, dass eine App gegenüber dem OBD2-Stecker präferiert wird, weshalb wir umgehend in die Verprobung eines Business Cases eingestiegen sind“, so Fleischer. Bis Ende September 2018 konnten 1000 Studienteilnehmer der BavariaDirekt die „Drive+“-App für ein Jahr nutzen. Von den 85 Prozent, die davon Gebrauch machten, verwendeten 49 Prozent diese täglich. Fleischer: „Da 92 Prozent der Nutzer zufrieden oder sehr zufrieden waren, hat sich der Product-Market-Fit aus Kundensicht bestätigt.“ Allerdings konnte während der Nutzung der „Drive+“ App auch keine positive Änderung des Fahrverhaltens festgestellt werden. Zudem hatte sich der Schadenaufwand nicht signifikant verändert und die Stornoquote ist sogar um 30 Prozent höher als normal. Die aus der App gewonnenen Daten lassen zwar darauf schließen, ob die Nutzer Bahn, Bus, Rad oder Auto nutzen – jedoch nicht, ob der Nutzer auch selbst fährt. Somit lässt sich die Validität der Daten nicht ausreichend prüfen.

„Das derzeit geringe Angebot an Telematik-Tarifen liegt nicht an der fehlenden Offenheit der Versicherer für Innovationen“, resümiert Versicherungskammer-Vorstand Barbara Schick. „Vielmehr würden viele Versicherer bei der bestehenden detaillierten und sehr ausgereiften Kalkulationsgrundlage in Deutschland für Kfz-Tarife bleiben müssen, solange für Telematik weder Standards noch allgemein zugängliche und valide Datenkonzepte vorliegen. Wesentliche Voraussetzungen für einen funktionierenden Telematik-Markt seien somit die Verfügbarkeit von Daten, der kompetente Umgang, deren Relevanz und Nutzungsmöglichkeit.

Weitere Hintergrundinformation zum Thema finden sich in der Zeitschrift für Versicherungswesen, Ausgabe 20/2018 vom 15.10.2018 unter dem Titel „Telematik – (k)ein Zukunftsmodell für die Kfz-Versicherung?“.

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