Rahmenbedingungen machen langfristige Zinsprognosen schwierig

Steigende Zinsen, hohe Immobilienpreise, Turbulenzen bei Materiallieferungen. Wer derzeit bauen will, muss viel abwägen. Unser Kapitalmarktexperte Dr. Rainer Eichwede wagt in unserer aktuellen Zinsmeinung einen Ausblick, der sicher auch Ihren Leserinnen und Lesern weiterhilft.

Eines ist klar: Der Gegenwind durch die anhaltend steigenden Zinsen wird der Preisentwicklung am Immobilienmarkt den Schwung nehmen, ihn aber nicht abstürzen lassen, wie manche schon vermuten. Die Immobilienpreise werden aufgrund des strukturellen Mangels an Wohnraum in den meisten Regionen vermutlich auch mittelfristig hoch bleiben, solange die Wirtschaft die verschiedenen externen Schocks weiterhin so gut verkraftet wie bislang und dadurch die Arbeitslosigkeit niedrig bleibt.

Zwar belasten steigende Energiekosten, neue Angebots- und Logistikprobleme durch Krieg und rigide Lockdowns in China die deutsche Wirtschaft. Sie hat aber starke Widerstandskräfte, um sich gegen eine drohende Rezession zu wehren: So geht die Erholung nach der Corona-Krise weiter, die meisten Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte, es gibt also bislang keine Anzeichen, dass die Arbeitslosigkeit insgesamt schnell steigen könnte. Im Ergebnis sollte damit auch der Rückgang der real verfügbaren Einkommen – ein wichtiger Indikator für die Finanzierbarkeit von Immobilien – überschaubar bleiben, zumal gleichzeitig die „Überersparnisse“ der Corona-Zeit helfen können, etwaige Engpässe zu überbrücken.

Noch passen also die wirtschaftlichen Faktoren, allerdings verschlechtern sich die geldpolitischen Rahmenbedingungen: Ein Zurückführen des Anleihekaufprogramms der EZB und das Anheben der Leitzinsen werden perspektivisch Bremsspuren in der wirtschaftlichen Entwicklung hinterlassen. Damit sind Bauherren weiterhin dem Risiko steigender Bauzinsen ausgesetzt. Einen so starken und kurzfristigen Anstieg wie in den ersten vier Monaten des Jahres wird es aber mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. Das bedeutet im Umkehrschluss aufgrund der Vielzahl an Krisenherden natürlich nicht, dass man ein solches Szenario ausschließen kann. Aber nur zur Erinnerung: Selbst mit einer 3 vor dem Komma sind wir im langjährigen Vergleich immer noch in einer Niedrigzinssituation.

Interessant wird in den nächsten Monaten sein, wie sich die Kapitalmärkte im Spannungsfeld einer strafferen Geldpolitik einerseits und steigender Rezessionssorgen andererseits positionieren werden.

Doch eines wäre jetzt völlig falsch: Wohneigentum überstürzt zu erwerben, weil die Zinsen weiter steigen könnten. Wer sicher ist, dass er mittelfristig in den eigenen vier Wänden wohnen und sich vor weiter steigenden Zinsen schützen will, sollte sein Eigenkapital zusammenhalten und zur Zinsabsicherung überlegen, einen Bausparvertrag zu verwenden.

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