Auf 4,1 Prozent taxierte das Statistische Bundesamt vorläufig die Inflation im September im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allmählich macht sich die Sorge breit, dass diese Entwicklung nicht nur vorübergehend ist.

Mit dem Anstieg im September erreichte die Inflation den höchsten Stand seit 1993. Damals, kurz nach der Wiedervereinigung mit dem damit verbundenen Wirtschaftsboom in den alten Bundesländern, betrug die Teuerungsrate 4,3 Prozent.

Seitdem lag die Inflation immer unter vier Prozent, in der jüngeren Vergangenheit war sie sogar deutlich niedriger, zum Teil sogar negativ. Der heftige Anstieg in den letzten Monaten lässt die Experten nach Erklärungen suchen. Das Statistische Bundesamt verweist in seiner Mitteilung zur Inflation auf mehrere Gründe. Da gebe es zum Beispiel einige sogenannte Basiseffekte. Die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer führt dazu, dass derzeit Preise mit unterschiedlichen Steuersätzen verglichen werden. Im zweiten Halbjahr 2020 galt eine Umsatzsteuer von 16 Prozent. Außerdem fielen im vergangenen Jahr wegen der Pandemie die Ölpreise. Nach der starken Erholung der Weltwirtschaft zogen diese Preise wieder spürbar an.

Umsatzsteuereffekt verschwindet 2022 wieder

Hinzu kommen, so die Statistiker, neben den üblichen Marktentwicklungen die Einführung der CO2-Bepreisung seit Januar 2021 und Preisanstiege in den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Wegen der Basiseffekte meinen nicht wenige Experten, dass sich die Inflation wieder zurückbildet. Der Mehrwertsteuereffekt zum Beispiel verschwindet im Januar 2022. Dann werden wieder Preise mit dem gleichen Steuersatz verglichen. Auch Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), mühte sich, die Befürchtungen etwas zu entschärfen. Die Inflation sei für die Notenbank zwar eine Herausforderung, aber man dürfe jetzt nicht überreagieren. Übersetzt hieß das: Zinsanhebungen kommen derzeit noch nicht als Reaktion auf die höhere Inflation in Frage.

Droht eine Lohn-Preis-Spirale?

Es wurden aber auch gegenteilige Stimmen laut. Zum Beispiel mahnt Fondsmanager Klaus Kaldemorgen. Seiner Meinung nach verliert der Anstieg der Verbraucherpreise so schnell nichts von seiner Dynamik. Mit Sorge schaue er zum Beispiel auf die Entwicklung der Gaspreise. Er schließt auch nicht aus, dass sich eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnte, weil die Gewerkschaften auf die gestiegenen Preise reagieren und mit höheren Lohnforderungen in die Tarifverhandlungen gehen. Mit jedem weiteren Monat, in dem die Inflation auf dem gegenwärtigen Niveau verharrt, werde der Druck steigen, warnt Kaldemorgen.

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Mehrheit der Deutschen skeptischer als die Experten

Ähnlich sieht es übrigens auch eine Mehrheit der Deutschen. Dem jüngsten DIA-Deutschland-Trend zufolge geht ein Drittel der Befragten davon aus, dass die Inflationsrate in den kommenden Jahren in der Höhe von drei bis vier Prozent, wie es derzeit der Fall ist, bleiben wird. Fast ebenso viele (31 Prozent) rechnen sogar damit, dass die Inflation weiter zunimmt und Steigerungen von mehr als fünf Prozent möglich sind. Die Bürger scheinen in diesem Punkt also deutlich skeptischer als viele Experten zu sein.

Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH

 

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Bewertung Inflation auf dem Wege zum Sorgenkind.

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