Honig im Test: Labor stößt auf Dreck und bienengiftige Stoffe

In Honig darf nichts rein außer Honig. So die Theorie. In der Praxis sieht das anders aus: Bei zwei Marken im Test ist Zuckersirup im Spiel, das von uns beauftragte Labor stößt auf bienengiftige Pestizide – und der Langnese Flotte Biene Bio-Blütenhonig enthält Verunreinigungen.

  • Im Test: vor allem Bio-Blütenhonige, einige davon sind konkrete Sortenhonige wie Akazienhonig oder Rapshonig. Gab es von einer bekannten Marke keine Bio-Variante, wählten wir die konventionelle.
  • Gegen ein Löffelchen Honig aufs Brot spricht hier nichts: Acht Honige im Test haben eine tadellose Qualität und kommen ohne Schmutz- oder Pestizidrückstände aus.
  • Zuckersirup im Honig ist verboten – und doch sind wir darauf gestoßen.

Dreck? Genau. Alles Mögliche haben wir erwartet, als wir die Honiggläser in die Speziallabore schickten. Nur das nicht: Der Langnese Flotte Biene Bio-Blütenhonig enthalte „starke Verunreinigungen“, schreibt das Labor. Unter dem Mikroskop hatte sich ein „bräunlicher Untergrund“ gezeigt.

Honig im Test: Nicht immer ein reines Naturprodukt

Honig – ein reines Naturprodukt? Leider ist das nicht garantiert, wie auch die übrigen Ergebnisse zeigen: Wir haben Zuckersirup gefunden, Pestizidrückstände und genveränderte Pollen. Aber auch viele Honige, in denen wirklich nichts anderes drin ist als Honig. Von 19 getesteten Produkten sind acht „sehr gut“.

Sechs Honige fallen aber mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch, auch darunter welche mit Bio-Siegel.

Schmutz in Langnese-Honig nachgewiesen

Aber noch mal zurück zum Dreck. Dass im Honig Pflanzenfasern und Bienenhaare drin sind, ist normal. Schließlich geht es hoch her im Bienenstock, wenn die Stockbienen den entstehenden Honig mehrfach über ihren Rüssel aufsaugen, wieder ablassen oder mit ihren Flügeln für schnelleres Eindicken sorgen.

Unser Labor fand im Produkt von Langnese aber Mengen an Schmutz, die das gewöhnliche Maß deutlich übersteigen. Langnese schreibt uns, dass die Lieferanten oftmals keine aufwendigen Einrichtungen zum Sieben des Honigs hätten, und verweist auf die begrenzten Maschengrößen, die man für das Sieben einsetzen dürfe.

Doch aus unserer Sicht ist völlig unklar, an welcher Stelle in der Produktion der Dreck in den Honig gelangt. Klar ist: Es geht besser. Die übrigen Honige im Test sind sauberer.

Zuckersirup ist in Honig verboten

Kommen wir zu weiteren Inhaltsstoffen, die nicht in einen Honig gehören. Laut Gesetz dürfen Imker und Produzenten dem Honig weder Zusatzstoffe noch andere Zutaten zusetzen. Also natürlich auch keinen stinknormalen Zucker. Oder Zuckersirup. Genau den hat das beauftragte Labor aber in zwei Honigen gefunden. Ein Bio-Honig und ein „echtes“ deutsches Qualitätsprodukt mit Zuckersirup? Ärgerlich.

Wir haben alle Produkte im Test auf Fremdzucker prüfen lassen, weil Honig zu den meistgefälschten Lebensmitteln überhaupt gehört. Honig ist teuer, Zuckersirup ist billig. Fälschungen sind ein Riesengeschäft.

So kommt man Honig-Fälschern auf die Spur

Fälschungen im Honig nachzuweisen, ist nicht einfach. Schließlich besteht Honig selbst zu knapp drei Vierteln aus den Einfachzuckern Glukose und Fruktose, die auch im Zuckersirup drin sind. Zwischen Fälschern und Laboren ist es ein Spiel wie zwischen Katz und Maus.

Die Labore entwickeln ständig neue Analysemethoden, um den Fälschern auf die Spur zu kommen. Und die Fälscher finden neue Tricks, diese zu umgehen. Wir haben das große Besteck herausgeholt und die wichtigsten und aktuellsten Methoden zur Authentizitätsprüfung anwenden lassen.

Angeschlagen hat eine relativ neue Methode, mit der das beauftragte Labor in den besagten Produkten sogenannte Sirupmarker nachweisen konnte: Das sind Verbindungen, die nur in Sirup vorkommen, nicht aber in Honig.

Zuckersirup in Honigen im Test

Für Zuckersirup im Honig gibt es zwei mögliche Erklärungen.

  • Die eine: Es wurde gefälscht, und die Honige wurden tatsächlich mit Zuckersirup gestreckt.
  • Die andere: Es wurde geschlampt, und der Sirup stammt aus der Zufütterung der Bienen mit Zucker oder Sirup. Wenn der Imker nicht ganz sauber arbeitet, können nach der Zufütterung zumindest Spuren in den Honig gelangen.

Komplett ausschließen können wir weder Schlamperei noch Fälschung. So oder so: Unter dem Namen Honig hätte keines der beiden Produkte verkauft werden dürfen.

Zu wenig Akazie in Akazienhonig

Unstimmigkeiten gibt es auch bei einem der getesteten „Akazienhonige“: Honige dürfen sich Akazienhonig nennen, wenn mindestens 20 Prozent ihrer Pollen von der Pflanze stammen. Das ist wenig genug.

Ein Akazienhonig im Test enthält allerdings nur fünf Prozent. Das finden wir dann doch ganz schön frech. Zumal er mit 12,68 Euro pro Pfund einen hohen Preis aufruft.

Gentechnik und bienengifte Pestizide

Außerdem auffällig: Einmal hat das von uns beauftragte Labor Pollen mehrerer gentechnisch veränderter Pflanzen, darunter Soja, analysiert. Verbraucherinnen und Verbraucher, die genveränderte Bestandteile meiden möchten, haben ohne Laboranalysen keine Chance. Denn die Anbieter müssen genveränderte Inhaltsstoffe erst ab einem Gehalt von 0,9 Prozent auf der Verpackung kennzeichnen.

Spritzgifte fanden sich ebenfalls in einem Produkt. Dafür aber gleich dreifach: Das vermutlich reproduktionstoxische Spritzgift Carbendazim nur in Spuren, die Pestizide Acetamiprid und Thiacloprid jedoch in einem Gehalt, den wir als „erhöht“ einordnen.

Letztere gehören zur Gruppe der Neonicotinoide, die das Nervensystem der Bienen schädigen und ihren Orientierungssinn stören können. Thiacloprid steht laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu schädigen und ist als „vermutlich krebserregend“ eingestuft. Seit 2021 ist das Mittel in der EU nicht mehr zugelassen.

Keine Pestizide in Bio-Honigen im Test

In keinem der 16 Bio-Honige haben wir Pestizide auch nur in Spuren gefunden. Das ist erfreulich, denn: ein Bio-Imker kann seiner Biene nicht vorschreiben, nur ungespritzte Blüten anzufliegen. Bio-Imker sind allerdings angehalten, gewisse Vorkehrungen zu treffen, um ihren Bienen nur Bio-Nektar anzubieten.

Zum Beispiel sollen sie ihre Bienenstöcke so aufstellen, dass eine Distanz von drei Kilometern zu konventionell bewirtschafteten Feldern und Industriebetrieben besteht. Im eng besiedelten Deutschland und Europa eine Herausforderung. Gute Absprachen mit den Landwirten und strenge Warenkontrollen bringen zusätzlich Sicherheit.

Qualität der Honige ist in Ordnung

Positiv ist auch, dass die Qualität der Honige im Großen und Ganzen in Ordnung geht. Fünf Honige kritisieren wir wegen leichter Mängel in der Naturbelassenheit, etwa wegen eines niedrigen Gehalts des hitzeempfindlichen Enzyms Saccharase oder eines etwas höheren Wertes an Hydroxymethylfural (HMF), das bei längerer Erwärmung oder schlechter Lagerung entsteht.

In diesem Punkt überzeugt der „Echte Deutsche Honig“ dann doch: Seine Saccharaseaktivität ist die mit Abstand höchste im Test.

Quelle: Ökotest

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