Hanföl, Hanfsamen & Tee: Viele Hanfprodukte im Test rauschen durch

Zu viel THC, Mineralöl und krebserregende PAK: Unser Test von Lebensmitteln mit Hanf hat überraschende Ergebnisse geliefert. Viele Hanfprodukte rauschen durch – der Vergleich bringt aber auch Testsieger hervor.

  • Lebensmittel mit Hanf im Test: Wir haben zehn Hanf-Salatöle, acht Hanfsamen und zwei Tees mit Hanfgranulat eingekauft.
  • Der Test zeigt: Hanföle sind häufig mit Mineralöl und krebserregenden PAK verunreinigt. Zudem enthalten viele zu viel THC.
  • Auch in Hanfsamen ist das von uns beauftragte Labor auf Mineralöl gestoßen.
  • Insgesamt fallen zehn Hanfprodukte durch den Test, fünf sind „sehr gut“.

Die Nutzhanflobby und der deutsche Rechtsstaat, Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Vor drei Jahren noch waren die Regale deutscher Geschäfte voll mit Hanftees, Blüten, Blätter, es gab alles. Dann kam das Landgericht Braunschweig und zack, verschwanden die Produkte schneller als sie gekommen waren.

Denn: Das Landgericht hatte die Inhaber eines Hanfgeschäfts wegen ihres Verkaufs von Hanftees zu Bewährungsstrafen verurteilt – und der Bundesgerichtshof bestätigte zumindest den Teil des Urteils, der besagt, dass die Tees unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Hanftees fallen unter das Betäubungsmittelgesetz

In Deutschland dürften sie nur verkauft werden, wenn ein Missbrauch ausgeschlossen werden könne. Denn sie enthalten zwar häufig erhöhte THC-Gehalte, THC (Tetrahydrocannabinol) ist aber wenig wasserlöslich. Vom Tee wird man also nicht high.

Nur: Ein Hinweis auf der Verpackung, dass man die Tees nicht backen solle, könnte ja auch im Gegenteil als Rezeptidee verstanden werden. Deswegen ist der Ausschluss von Missbrauch ein eher schwieriger Auftrag.

Hanfprodukte-Test: Tees mit Granulat, Öle & Samen

Hanftees aus Blättern und Blüten sucht man in den Regalen deutscher Supermärkte deswegen inzwischen vergebens. Aber einige Anbieter aus Holland und Österreich etwa, wo der Verkauf legal ist, bieten tatsächlich auch an, die Tees nach Deutschland zu verschicken. Das dürfte allerdings mindestens mal nur so semilegal sein.

Was es aber noch gibt: Tees mit Hanfölgranulat, Hanf-Salatöle und Hanfsamen. Ob die Produkte uns in einen Rausch versetzen können? Wir haben sie weder gebacken noch geraucht, aber ins Labor geschickt. Und wollten wissen: Wie viel THC enthalten sie? Stecken andere Verunreinigungen oder Schadstoffe in ihnen?

Hohe Gehalte von THC in getesteten Hanfölen

Eine nussige Note versprechen viele Hanföle auf den Verpackungen. Was dort nicht steht: In fünf Produkten ist der THC-Gehalt deutlich höher, als man erst einmal annehmen sollte. Das Ergebnis überrascht deshalb, weil Hanfsamen, aus denen das Öl gepresst wird, eigentlich kein THC enthalten.

Es handelt sich hierbei um eine Kontamination der Samen mit THC, die zustande kommen kann, wenn die Samen während der Ernte oder der Produktion mit den Blättern oder Blüten in Berührung kommen. Die Mengen machen nicht high.

Aber ein getestetes Hanföl beispielsweise überschreitet die akute Referenzdosis (ARfD) der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA schon bei einem Verzehr von zwei Esslöffeln Öl, vier weitere Produkte schöpfen sie bei derselben geringen Menge schon zu mehr als der Hälfte aus.

Übrigens: Ganz vermeiden lässt sich eine Kontamination mit THC nicht – alle Produkte im Test enthalten mindestens Spuren. Sind die Gehalte höher, finden wir, dass Hersteller nachbessern müssen.

Was genau ist die akute Referenzdosis (ARfD)? 

Die ARfD gibt die geschätzte maximale Menge eines Stoffes an, die im Verlauf eines Tages ohne erkennbare körperliche Auswirkungen mit der Nahrung aufgenommen werden kann. Die möglichen Auswirkungen: Müdigkeit, in erster Linie.

Aber: Wir haben für die Berechnungen einen Erwachsenen von 60 Kilo angenommen. Mindestens Kinder und Schwangere sollten die Finger von den Ölen lassen – der Warnhinweis, dass Hanföle nichts für sie sind, fehlt allerdings auf zwei Produkten.

Mineralöl und krebserregende PAK in Hanfölen

Zu viel THC ist allerdings nicht der einzige Kritikpunkt in den Salatölen. Alle (!) enthalten die Mineralölbestandteile MOSH in einer Höhe, die wir als „stark erhöht“ bewerten; in einem Hanföl im Test stecken sogar die besonders bedenklichen Bestandteile MOAH. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe von Stoffen, von denen einige krebserregend sind.

MOSH reichern sich im Körper an und sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper. Was sie dort anrichten, ist bisher noch völlig unklar.

Krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in für uns abwertungsrelevanten Mengen stecken in insgesamt vier Hanfölen. PAK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung organischen Materials, etwa bei der Röstung von Ölsaaten. Sechs Hersteller schaffen es, Öle mit deutlich geringeren Gehalten an PAK herzustellen, die wir als Spuren bewerten.

Hanfsamen im Test machen bessere Figur 

Verglichen mit den Ölen schneiden die Hanfsamen besser ab. Sie gelten unter anderem wegen ihrer hohen Gehalte an Omega-3-Fettsäuren als gesund. Insgesamt drei Mal vergeben wir das Gesamturteil „sehr gut“. Ganz ohne Kritik können wir aber auch die Hanfsamen nicht entlassen.

  • Auch hier ist das von uns beauftragte Labor auf die Mineralölbestandteile MOSH gestoßen. In drei Produkten stecken Gehalte, die wir als „erhöht“ bewerten.
  • Ein Produkt enthält aus unserer Sicht zu viel THC. Die akute Referenzdosis wird schon bei 30 Gramm Samen zu mehr als der Hälfte ausgeschöpft.

Kein THC in Tees mit Hanfölgranulat 

Und wie sieht’s bei den Teemischungen aus? Die haben wir übrigens ganz legal im Geschäft gekauft, weil sie nur ein bisschen Hanfölgranulat enthalten und in erster Linie mit Hanf als Zutat werben.

THC hat das von uns beauftragte Labor nicht in den Produkten nachgewiesen – was aber auch nur wenig überraschen kann, weil sie in erster Linie aus Kräutern und/oder Gewürzen bestehen und nicht aus Hanf. Aber auch die giftigen Pflanzenstoffe Pyrrolizidinalkaloide, die in Kräutertees häufig ein Problem darstellen, konnte das Labor genauso wenig nachweisen wie Pestizide.

Ob Öle, Samen oder Tees: Legal sind alle Produkte im Test. Derzeit gibt es zwar noch keine Grenzwerte für THC in Lebensmitteln, die EU hat aber welche beschlossen. Sie gelten ab Januar – und alle Produkte im Test halten diese künftigen Grenzwerte ein.

Hanfprodukte aus der vielfältigen Pflanze

Fasern

Hanffasern werden schon seit Jahrhunderten eingesetzt – etwa für die Herstellung von Segeltuch und Tauen. Heute werden aus den Fasern auch etwa Papier, Textilien und Kunststoffe hergestellt.

Samen

Hanfsamen enthalten selbst überhaupt kein Tetrahydrocannabinol (THC), dafür viel Eiweiß, Zink, Eisen und Omega-3-Fettsäuren. Aus ihnen wird etwa Hanfmehl oder -öl hergestellt. Wenn die Endprodukte THC-haltig sind, dann handelt es sich um Kontaminationen mit Blättern oder Blüten während der Produktion oder der Ernte.

Blätter und Blüten

Das psychoaktive und berauschende THC kommt vor allem in den Blüten und den blütennahen kleinen Blättern der weiblichen Hanfpflanze vor. Nur aus ihnen kann man also Marihuana herstellen. Das Harz aus den Blüten wird gepresst zu Haschisch.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Quelle: Ökotest

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