Wer sein Wohn­eigentum selbst nutzt und in klimafreundliche Heiz­technik oder Wärmedämmung investiert, kann Geld vom Staat bekommen. Entweder als Steuerbonus vom Finanz­amt oder über die neue Bundes­förderung für effiziente Gebäude (BEG). Die BEG soll nach und nach die bisherige Förderung durch KfW-Bank und Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle (Bafa) ersetzen. test.de erklärt, unter welchen Voraus­setzungen es Geld gibt und welche Fördervariante sich für wen lohnt. Außerdem machten wir den Praxistest: Wie schwer ist es für Sanierungs­willige, einen Förderkredit der KfW zu bekommen?

Ein neues Förderprogramm für energieeffizientes Bauen und Sanieren

Anfang 2021 ist die neue Bundes­förderung für effiziente Gebäude (BEG) an den Start gegangen. Sie fasst das CO2-Gebäudesanierungs­programm der KfW-Förderbank und die bisherigen Förderungen des Bundes­amtes für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle (Bafa) zusammen. Voraus­setzungen und Höhe der Förderungen bleiben weit­gehend gleich. Bereits zum zum Jahres­wechsel 2019/2020 hatte die Bundes­regierung eine Steuer­förderung für die Gebäudesanierung einge­führt und die Fördermittel der KfW und des Bafa deutlich aufgestockt. Die neue BEG wird schrittweise eingeführt.

Das Wichtigste in Kürze – Förderung für Haus und Heizung

Zeit. Es gibt keinen Grund mehr, mit einer Haussanierung ­weiter zu warten. Sie haben jetzt die Wahl zwischen Steuerermäßigung und gut gefüllten Förder­töpfen. Über­schlagen muss sich ­jedoch niemand: Die Steuerermäßigung gibt es zehn Jahre lang.

Beraten. Holen Sie sich bei einem ­un­abhängigen Experten Rat zu Umfang und Reihen­folge der Maßnahmen, auch wenn das nicht Pflicht ist. Eine Einschät­zung für ­wenig Geld bringt ein Termin vor Ort mit der Energieberatung der Verbraucherzentrale.

Entscheiden. Über­legen Sie vor Beginn der Arbeiten, ob Sie die Kosten beim Finanz­amt geltend machen oder Fördermittel bean­tragen wollen. Ist die Sanierung ­einmal im Gang, bleibt nur der Steuer­abzug. Er ist bei größeren Maßnahmen meist weniger ­attraktiv als die Zuschüsse.

Vor Beginn der Sanierungs­arbeiten entscheiden

Eigentümer von selbst genutztem Wohn­eigentum haben die Wahl. Für Investitionen in klimafreundliche Heiz­technik oder Wärmedämmung des Hauses können sie entweder einen Steuerbonus vom Finanz­amt oder Fördermittel in Form von zins­vergüns­tigten Krediten oder Zuschüssen bekommen. Welche Variante sie wählen, müssen sie entscheiden, bevor die Arbeiten losgehen. Denn während sie die Steuerermäßigung im Nach­hinein mit der Einkommensteuer­erklärung geltend machen können, müssen sie Fördermittel beantragen, bevor die Hand­werker anrü­cken.

Unsere Beispielrechnungen zeigen: Bei größeren Sanierungen sind die staatlichen Fördertöpfe attraktiver als der Steuer­abzug. Wer nur einzelne Maßnahmen durch­führt, etwa die Fenster austauscht oder Dach beziehungs­weise Wand dämmt, bekommt auf beiden Förderwegen gleich viel. Damit ist die Steuer­förderung oft eine echte Alternative.

Bis zu 40 000 Euro vom Finanz­amt für Haus­besitzer

Wählt der Haus­besitzer den Steuerbonus, zieht das Finanz­amt bis zu 20 Prozent der Ausgaben für eine energetische Sanierung von seiner Steuerschuld ab, pro Wohn­einheit aber insgesamt höchs­tens 40 000 Euro. Die Steuer­mäßigung gibt es über drei Jahre verteilt: In dem Jahr, in dem die Sanierung abge­schlossen wurde und im darauf­folgenden Kalender­jahr können Haussanierer jeweils bis zu 7 Prozent der Kosten geltend machen, höchs­tens jeweils 14 000 Euro. Im dritten Jahr erkennt das Finanz­amt noch bis zu 6 Prozent, höchs­tens aber 12 000 Euro an.

Steuer­abzug für Haus­besitzer – das sind die Voraus­setzungen

Voraus­setzung für den Steuer­abzug ist, dass das Haus älter als zehn Jahre ist und der Eigentümer selbst darin wohnt. Außerdem darf er für die Maßnahmen nicht bereits anderweitig Steuer­vorteile genutzt oder öffent­liche Förderung kassiert haben.

Beim Finanz­amt geltend machen können Steuerzahler Ausgaben für fast alle Maßnahmen, die den Energieverbrauch des Hauses deutlich reduzieren. Abrechnen können sie zum Beispiel ihre Ausgaben, wenn sie Dach und Wände dämmen, Fenster und Türen erneuern, eine Lüftungs­anlage einbauen oder die Heizung austauschen oder optimieren.

Keine Förderung für alte Ölhei­zung

Für die Arbeiten gelten Mindest­anfor­de­rungen. So gibt es den Steuer­abzug nicht für den Austausch einer alten ­Ölhei­zung durch eine moderne Gasbrenn­wert­anlage, sondern nur für folgende Heizungs­anlagen:

  • Solarkollektor­anlagen
  • Biomasseanlagen (Verbrennung von Pellets, Hack­schnitzeln und Scheit­holz)
  • Wärmepumpen (Sole/Wasser, Wasser/Wasser oder Luft/Wasser)
  • Gas-Brenn­wert­heizungen, die auf eine Einbindung erneuer­barer Energien vorbereitet sind („Renewable Ready“)
  • Hybrid­anlagen (Gas-Brenn­wert­heizungen, die zur Heizungs­unterstüt­zung mit einem Wärmeerzeuger mit erneuer­baren Energien kombiniert sind)
  • Brenn­stoff­zellen
  • Mini-Kraft-Wärmekopp­lung
  • Anschluss an ein Wärmenetz

Steuerbonus mit geringem bürokratischem Aufwand

Den Steuerbonus gibt es mit geringem bürokratischem Aufwand. Damit das Finanz­amt die Kosten anerkennt, muss lediglich ein Fach­unternehmen die Sanierungs­arbeiten ausführen und bescheinigen, dass es die Arbeiten gemäß den tech­nischen Anforderungen umge­setzt hat. Eine begleitende Energieberatung, wie sie in vielen anderen Förderprogrammen verlangt wird, ist für die steuerliche Förderung keine Voraus­setzung. Ausgaben für einen Energie­berater zählen aber zu den förderfähigen Kosten – und zwar nicht (wie andere Ausgaben) zu 20 Prozent, sondern sogar zu 50 Prozent.

Statt Steuer­förderung Kredite oder Zuschüsse

Alternativ zur Steuer­förderung können Haus­besitzer für ihre Sanierung zins­vergüns­tigte Kredite oder Zuschüsse bekommen. Die Kredite vergibt die KfW über die Haus­bank, Zuschüsse vergibt das Bafa. Eine Über­gangs­regelung gibt es für Voll­sanierungen. Bis 1. Juli 2021 ist bei Komplett­sanierungen noch die KfW für die Vergabe der Zuschüsse zuständig.

Wichtig: Die Förderung müssen Haus­besitzer vor Beginn der Bauarbeiten beantragen. Die Arbeiten müssen von Fachleuten ausgeführt werden und die Begleitung durch einen Energie-Effizienz-Experten ist meist zwingend. Nur bei der Modernisierung der Heizung ist die Beratung durch einen Energie­experten keine Voraus­setzung für den Zuschuss.

Zuschüsse bis 48 000 Euro

Eigentümer, die das komplette Haus energetisch sanieren, können einen Investitions­zuschuss von bis zu 48 000 Euro bekommen. Für Einzel­maßnahmen beträgt der Investitions­zuschuss bis 12 000 Euro.

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Kredite von der KfW-Bank sind vor allem wegen der hohen Tilgungs­zuschüsse attraktiv. Der Kreditnehmer muss dann nicht den gesamten Kredit­betrag zurück­zahlen. Bei Voll­sanierungen sind bis 48 000 Euro Tilgungs­zuschuss möglich, bei Einzel­maßnahmen bis 10 000 Euro.

KfW-Kredit nur über die Haus­bank

Wollen Haus­besitzer einen Kredit von der KfW, brauchen sie ­eine Bank, die das Darlehen durch­leitet. Die ist für Sanierungs­willige nicht immer ganz einfach zu finden. Das zeigt auch unser Praxis­test. Viele Banken schränken die Vergabe nach eigenen Regeln ein. So steigen viele Institute erst ab Kredit­beträgen von 25 000 Euro oder 50 000 Euro ein oder bieten Förder­dar­lehen nur kombiniert mit einem eigenen Kredit an. Unsere Experten haben die Banken gefragt, wer zu welchen Bedingungen KfW-Kredite vergibt.

Je besser die Energiebilanz, desto höher die Förderung

Der Katalog der Energiesparmaß­nahmen, die von KfW und Bafa unterstützt werden, ist lang. Möglich sind einzelne Verbesserungen wie der Austausch von Fens­tern und Türen oder die Dämmung des Daches oder die Komplett­sanierung des ganzen Hauses. Grund­sätzlich gilt: Je besser die Energiebilanz des Hauses nach der Sanierung ist, desto üppiger die Förderung.

KfW-Effizienz­haus dient als Maßstab

Um die Energiebilanz eines Hauses einstufen zu können, hat die KfW den sogenannten KfW-Effizienzhaus-Standard entwickelt. Er gibt an, wie hoch der Energiebedarf eines Hauses im Verhältnis zu einem vergleich­baren Neubau ist. Der bei einer Sanierung höchste erreich­bare Stan­dard ist das KfW-Effizienz­haus 55. Es verbraucht 55 Prozent der Energie eines vergleich­baren Neubaus aus dem Jahr 2009. Der nied­rigste noch förderfähige Stan­dard bei einer Sanierung ist das KfW-Effizienz­haus 115.

KfW-Kredite für die Gebäudesanierung

Für die energieeffiziente Sanierung von Wohn­eigentum vergibt die KfW-Bank Kredite mit Tilgungs­zuschuss. Weitere Informationen erhalten Sie unter kfw.de.

Maßnahme Kredit
Höchst­kredit (Euro) Soll­zins­satz (Prozent) Tilgungs­zuschuss1 (Prozent)
   
     
Sanierung zum Effizienz­haus 55 120 000 0,75 40
Sanierung zum Effizienz­haus 70 120 000 0,75 35
Sanierung zum Effizienz­haus 85 120 000 0,75 30
Sanierung zum Effizienz­haus 100 120 000 0,75 27,5
Sanierung zum Effizienz­haus 115 120 000 0,75 25
Sanierung zum Effizienz­haus Denkmal 120 000 0,75 25
Sanierung Einzel­maßnahmen  50 000 0,75 20
Ergän­zungs­kredit2  50 000 0,78

Stand: 7. Januar 2021

Bis 27 000 Euro für die Heizung

Haus­besitzer, die in eine klimafreundliche Heizung investieren, haben ebenfalls die Wahl zwischen der Steuerermäßigung und Zuschüssen vom Bafa. Der Zuschuss beträgt bis zu 35 Prozent, zum Beispiel bei Biomasseanlagen und Wärmepumpen. Wird mit der Maßnahme ein Teil eines individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) umge­setzt, ist ein zusätzlicher Förderbonus von 5 Prozent möglich. Ersetzt die neue Heizung eine alte Öl­heizung, gibt es noch einmal zusätzlich 10 Prozent Prämie, also insgesamt 45 Prozent. Pro Wohn­einheit erkennt das Bafa aber nicht mehr als 60 000 Euro Kosten an.

Zuschüsse für klimafreundliche Heizungen

Diese Zuschüsse zahlt das Bundes­amt für Wirt­schaft und Ausfuhr­kontrolle (Bafa) für Heiz­anlagen, die mit erneuer­baren Energien arbeiten. Weitere Informationen erhalten Sie unter bafa.de.

Art der Heizung Gebäude­bestand
Heizungs­erneuerung Austausch Ölhei­zung
Zuschuss (Prozent) Höchst­zuschuss (Euro) Zuschuss (Prozent) Höchst­zuschuss (Euro)
   
   
       
Biomasseanlage (z. B. Pellet) 35 21 000 45 27 000
Wärmepumpen­anlage 35 21 000 45 27 000
Solarkollektor­anlage 30 18 000 1 1
EE-Hybridhei­zung2 35 21 000 45 27 000
Gas-Hybridhei­zung3 30 18 000 40 24 000
Gasheizung „Renewable Ready“4 20 12 000

Stand: 6. Januar 2021

– = Entfällt

  • 1 Entfällt, da eine Solarkollektor­anlage nie alleine die gesamte Heizlast tragen kann.
  • 2 Kombiniert Anlagen, die ausschließ­lich erneuer­bare Energien nutzen (Solar, Biomasse oder Wärmepumpe).
  • 3 Kombiniert eine neue Gasheizung mit erneuer­baren Energien. Der Wärmeerzeuger mit erneuer­baren Energien muss mindestens 25 Prozent der Heizlast tragen.
  • 4 Ist für die Erweiterung zu einer Gas-Hybridhei­zung inner­halb von zwei Jahren vorbereitet.

Wie für den Steuerbonus gelten auch für den Bafa-Zuschuss tech­nische Mindest­anfor­de­rungen an die geförderten Heiz­anlagen. Beispiels­weise gibt es auch beim Bafa für den Einbau einer neuen Gasheizung nur Geld, wenn sie mit erneuer­baren Energien kombiniert wird.

Voraus­setzung für einen Bafa-Zuschuss ist, dass der Haus­eigentümer nicht bereits nach dem Gebäudeenergiegesetz (früher Energie­einspar­ver­ordnung) verpflichtet ist, die alte Heizung auszutauschen. Ausgeschlossen von der Förderung sind damit Stan­dard­heizkessel in Ein- und Zweifamilienhäusern, die älter als 30 Jahre sind und bei denen nach dem Jahr 2002 der Eigentümer gewechselt hat. Eigentümer von Heiz­anlagen, die von diesem Betriebs­verbot betroffen sind, können aber den Steuerbonus nutzen. Das hat das Bundesfinanzministerium in einem Schreiben im Januar 2021 eindeutig fest­gelegt.

Tipp: Beim Einbau einer neuen Heizung ist ein hydrau­lischer Abgleich wichtig. Mehr dazu lesen Sie in unserem Special Heizung richtig einstellen. Welche Heizung sich für wen rechnet, erklären wir in unserem großen Vergleich von Heizungssystemen – und beleuchten die Vor- und Nachteile von Gaskessel, Wärmepumpe und Holz­pellethei­zung.

Weitere Zuschüsse im Rahmen der BEG

In der neuen Bundes­förderung sind weitere Förderprogramme gebündelt, für die es bis Ende des Jahres 2020 gesonderte Programme gab. Dazu gehören die Förderung von

Auch bei diesen Zuschüssen ist das Bafa für die Vergabe zuständig.

Quelle: Stiftung Warentest