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FAQ

Baufinanzierung

Fehler bei der Baufinanzierung kosten viele Tausend Euro. Finanztest zeigt elf häufige Fallen und gibt Tipps, wie Bauherren und Wohnungs­käufer Fehler sicher vermeiden.

Elf teure Fehler – und wie Sie diese vermeiden

Manche Finanzierungs­pläne sind schon von Anfang an löch­rig, weil nicht alle mit dem Bau oder Kauf der Immobilien verbundenen Kosten enthalten sind.

Mit dem reinen Kauf­preis ist es längst nicht getan. Dazu kommt die Grund­erwerb­steuer von je nach Bundes­land 3,5 bis 6,5 Prozent des Kauf­preises. Mit rund 1,5 bis 2 Prozent schlagen Notar- und Grund­buch­kosten zu Buche. Hat ein Makler Haus oder Wohnung vermittelt, kommt eine orts­übliche Provision von 3,57 bis 7,14 Prozent dazu. Allein diese Stan­dard­neben­kosten machen bis zu 15 Prozent des Kauf­preises aus.

Tipp: Denken Sie auch an zusätzliche Kosten, zum Beispiel, wenn Sie vor dem Einzug reno­vieren müssen oder eine Einbauküche anschaffen wollen, weil die alte nicht in die neue Küche passt. Auch der Umzug kostet einige Tausend Euro.

Bauherren müssen besonders aufpassen, um die Kosten der Immobilie richtig einzuschätzen. Nach einer Unter­suchung des Bauherren-Schutz­bundes haben Bau- und Leistungs­beschreibungen oft eklatante Mängel. Häufiges Problem: Im „Fest­preis“ sind nicht alle Leistungen enthalten, die für die Fertigstellung nötig sind.

Oft fehlen die Kosten für die Erschließung des Baugrund­stücks. Für das Einrichten der Baustelle, für Boden­gut­achten, für Haus­anschlüsse, Baustrom und Außen­anlagen müssen viele Bauherren extra zahlen. Im Vertrags­text ist das für Laien häufig schwer erkenn­bar. Werden solche Ausgaben nicht in den Kostenplan einkalkuliert, sind teure Nach­finanzierungen programmiert.

Die Achillesferse vieler Baufinanzierungen: Es mangelt an Eigen­kapital. Mitunter reicht das Geld nicht einmal aus, um die Grund­erwerb­steuer zu zahlen. Eine derart auf Kante genähte Finanzierung ist auf Dauer viel zu riskant.

Wegen des hohen Kredits ist die Monats­belastung dann oft deutlich höher als für eine vergleich­bare Miet­wohnung. Banken verlangen von Kunden mit wenig Eigen­kapital satte Zins­aufschläge. Für eine Voll­finanzierung des Kauf­preises erhöht sich der Zins­satz im Vergleich zu einer 80-Prozent-Finanzierung um 0,5 bis 1 Prozent­punkte. Und es darf bei der Finanzierung nichts schief­gehen. Muss das Haus nach einigen Jahren verkauft werden, ist das Risiko groß, dass der Erlös nicht zur Schuldtilgung reicht. Dann ist das Haus weg, aber ein Teil der Schuld noch da.

Um sich den Traum vom Eigenheim erfüllen zu können, sind viele bereit, an ihre Grenzen zu gehen. Das kann ins Auge gehen, wenn sie die Ausgaben für den Lebens­unterhalt und das künftige Eigenheim unterschätzen.

Viele Banken verlangen für ihre Kredite eine Mindest­tilgung von nur 1 Prozent der Kreditsumme im Jahr. Die Monats­rate ist dann besonders nied­rig – und verlockt dazu, hohe Kredite aufzunehmen. So können sich auch Durch­schnitts­verdiener die hohen Kauf­preise in den Groß­städten scheinbar leisten.

1 000 Euro Monats­rate reichen zum Beispiel aus, um 500 000 Euro Kredit mit zehn Jahren Zins­bindung zu einem Zins­satz von 1,4 Prozent und einer Tilgung von 1 Prozent aufzunehmen. Doch so eine Finanzierung ist hoch­riskant. Mit der Minitilgung dauert es mehr als sechzig Jahre, bis die Schulden getilgt sind – wenn der Kunde Glück hat und für den in zehn Jahren nötigen Anschluss­kredit keinen höheren Zins­satz zahlen muss.

Steigt der Zins­satz, droht der Ratenschock. Weil er seine Schulden nur im Schne­ckentempo abbaut, braucht der Kreditnehmer nach zehn Jahren einen Anschluss­kredit für eine Rest­schuld von fast 450 000 Euro. Ein Zins­anstieg auf 5 Prozent würde die Monats­rate auf mindestens 2 230 Euro katapultieren. Das wäre wohl das Aus für das Eigenheim.

Je kürzer die Zins­bindung, desto nied­riger ist der Zins­satz. So zahlen Kreditnehmer für einen Kredit mit zehn Jahren Zins­bindung derzeit etwa 0,7 Prozent weniger Zinsen im Jahr als für einen Kredit mit 20 Jahren Zins­bindung. Anfangs lässt sich mit einer kurzen Zins­bindung Geld sparen. Doch niemand sollte sich darauf verlassen, dass er den Anschluss­kredit in fünf oder zehn Jahren noch zu so güns­tigen Zinsen bekommt wie heute.

Brandgefähr­lich ist vor allem die Kombination einer kurzen Zins­bindung mit einer nied­rigen Tilgung. Je weniger Schulden der Kreditnehmer bis zum Ende der Zins­bindung tilgt, desto höher ist das Risiko, dass er nach einer Zins­erhöhung die Raten nicht mehr zahlen kann. Wer seine Schulden nur lang­sam abbauen kann, sollte deshalb besser 15 oder 20 Jahre statt 10 Jahre Zins­bindung wählen.

Güns­tige Kredit­angebote haben mitunter einen Haken: Der Kreditnehmer darf die Rate während der Zins­bindung weder erhöhen noch senken. Sondertilgungen sind frühestens zehn­einhalb Jahre nach der Kredit­auszahlung möglich.

Für viele Immobilienkäufer sind solche Kredite unge­eignet. Denn oft ist es schon heute absehbar, dass die starre Anfangs­rate nach wenigen Jahren nicht mehr passt. Das gilt zum Beispiel für junge Paare, die sich Kinder wünschen. Nach der Geburt eines Kindes möchte ein Partner vielleicht eine Zeit lang mit der Arbeit aussetzen oder nur noch in Teil­zeit arbeiten. Die Kreditrate, die das Paar anfangs bequem zahlen konnte, kann dann zum ernsten Problem werden.

Ähnliches gilt für Selbst­ständige mit schwankenden Einkünften. Für sie ist es wichtig, ihre festen Kredit­verpflichtungen eher nied­rig zu halten und sich jeder­zeit Sonderzah­lungen vorzubehalten. So können sie die Raten auch in mageren Geschäfts­jahren noch bezahlen und erfolg­reiche Jahre sofort für eine schnelle Schuldentilgung nutzen.

Bauherren rufen ihren Kredit üblicher­weise in Etappen nach dem Baufort­schritt ab – zu den Zeit­punkten, an denen die Zahlungen an die Baufirmen fällig werden. Dann kassiert die Bank gleich zweimal: Auf die ausgezahlte Kreditsumme verlangt sie die normalen Vertrags­zinsen. Zusätzlich nimmt sie Bereit­stellungs­zinsen auf den Kredit­anteil, den der Kunde noch nicht abge­rufen hat. Hierfür berechnen die meisten Banken derzeit viel mehr Zinsen als für das ausgezahlte Darlehen.

Der Bereit­stellungs­zins­satz beträgt meist einheitlich 3 Prozent im Jahr oder 0,25 Prozent im Monat. Wie teuer die Bauzeit wird, ist dennoch sehr unterschiedlich. Manche Banken berechnen die Zinsen schon ab dem zweiten oder dritten Monat nach der Kredit­zusage, andere erst nach sechs oder zwölf Monaten. Im Beispiel in der Grafik, machen die Unterschiede bis zu 5 250 Euro aus.

Nirgends sonst gibt es so güns­tiges Baugeld wie vom Staat. Die bundes­eigene KfW-Bank vergibt zum Beispiel für den Bau energieeffizienter Häuser und Wohnungen güns­tige Kredite und Tilgungs­zuschüsse. Die Bundes­länder unterstützen vor allem Familien mit Kindern mit zins­verbilligten oder sogar zins­losen Darlehen.

Voraus­setzungen und Konditionen sind je nach Programm sehr unterschiedlich. Doch wer an die Fördertöpfe heran­kommt, spart fast immer viele Tausend Euro. Trotzdem bleiben Chancen oft ungenutzt. Viele kennen die Programme gar nicht oder glauben irrtümlich, sie kämen aufgrund ihres Einkommens gar nicht zum Zug. Und Banken weisen oft nicht auf die Förderung hin, weil sie lieber ihre eigenen, teureren Darlehen verkaufen.

Am meisten Geld verschenken Bauherren und Kreditnehmer, wenn sie bei der Finanzierung nur auf die Haus­bank vertrauen und keine Angebote anderer Banken einholen.

Ein Kredit­vergleich lohnt sich fast immer. Denn selbst scheinbar kleine Zins­unterschiede summieren sich bei hohen Kreditsummen und langen Lauf­zeiten zu enormen Beträgen. Schon zwei zehntel Prozent­punkte machen bei einem 200 000-Euro-Kredit mit 20 Jahren Zins­bindung und einer Monats­rate von 800 Euro einen Betrag zwischen 6 700 und 8 200 Euro aus. Wer durch den Vergleich ein halbes Prozent Zinsen im Jahr weniger zahlen muss, spart sogar bis zu 20 000 Euro. Tatsäch­lich ist das Spar­potenzial noch höher: In den Zins­vergleichen von Finanztest klaffen güns­tige und teure Kredit­angebote oft um mehr als einen vollen Prozent­punkt auseinander.

Wer selbst mit anpackt, kann beim Bau seines Hauses viel Geld sparen – allerdings längst nicht so viel, wie manche Bauherren glauben. Viele über­schätzen die mögliche Ersparnis und unterschätzen den Aufwand. Im schlimmsten Fall scheitert der Traum vom Eigenheim schon vor dem Einzug, weil der Bauherr die Arbeiten beim besten Willen nicht schafft.

Der Verband privater Bauherren (VPB) hat am Beispiel eines 140 Quadrat­meter großen Reihen­hauses im Groß­raum München berechnet, wie viel Bauherren mit hand­werk­lichem Geschick sparen können. Bei reinen Baukosten von 254 000 Euro sind danach Einsparungen bis zu 19 000 Euro drin, wenn der Bauherr den Garten selbst anlegt, malert und tapeziert, Bodenbeläge und Fliesen verlegt, Dach­schrägen dämmt und verkleidet und außerdem die Zimmertüren selbst einsetzt.

Doch Vorsicht: Um das Spar­potenzial auszuschöpfen, muss der Bauherr 476 Stunden auf der Baustelle schuften, warnt der VPB. Das entspricht etwa einem dreimonatigen Voll­zeitjob. Für die meisten dürfte das neben dem Beruf gar nicht zu schaffen sein.

Bauherren sollten deshalb vorher mit einem Bausach­verständigen klären, welche Eigen­leistungen realistisch sind. Damit es hinterher keinen Ärger gibt, müssen die Arbeiten in den Bauablauf passen und im Bauvertrag detailliert fest­gelegt werden.

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Service Questions

Damit nicht genug. Kreditsach­verständiger Torsten Rentel, Bank­kontakt AG in Berlin, hat den EasyCredit-Vertrag anhand der Kredit­konto­auszüge und der Vertrags­unterlagen genau nachgerechnet. Sein Ergebnis: Tatsäch­lich liegt die Verzinsung wegen kundenunfreundlicher Berechnung und Verbuchung der Zahlungen und Zahlungs­pflichten noch viel höher: Mit insgesamt 14,3 Prozent Zinsen wollte das Unternehmen seine beiden Kreditnehmer zur Kasse bitten. Unter dem Strich hätte die Bank im Laufe von sieben Jahren knapp 40 000 Euro einge­nommen und – bei 50 Prozent Provision vom Rest­schuld­versicherer – knapp 26 000 Euro ausgegeben. Gewinn in diesem Fall: 13 874,24 Euro.

So jedenfalls der Plan. Daraus wird aber wohl nichts. Die beiden Kunden haben den Vertrag widerrufen. Rechts­anwalt Ditmar Thielmann aus Wetzlar ist opti­mistisch: Allenfalls einen kleinen Teil der horrenden Zinsen werden sie am Ende zahlen müssen.

Der Targo­bank-Kredit aus unserem Beispiel ist bereits gestoppt. Rechts­anwältin Danja Rimmele aus Tett­nang setzte durch: Die beiden Kreditnehme­rinnen durften den Kredit auch Jahre nach Vertrags­schluss noch widerrufen. Es ist für Verbraucher unklar, wann Vertrags­schluss ist und damit die Widerrufs­frist beginnt, wenn der Verbraucher darauf verzichtet, dass ihm die Annahme­erklärung der Bank zugeht, urteilte das Land­gericht Ravens­burg.

Besonders nieder­trächtig: Gern vergeben Raten­kredit­banken ihren Kunden mit zusätzlichem Finanzbedarf einen höheren neuen Kredit. Ein Teil des neuen Kredits wird dann verwendet, um den alten Vertrag abzu­lösen. Dabei verschwinden die oft horrenden Alt-Zinsen in der Einmalzahlung zur Ablösung des Altkredits. Die ist als Teil der Kreditsumme im Rahmen des Neukredits jedoch auch wieder von den Kreditnehmern zu verzinsen. Auf diese Weise waren auch bei der von der Targo­bank verklagten Frau aus Hamburg reichlich Extrazinsen aufgelaufen.

Selbst Kunden von Immobilien­krediten, bei denen Banken und Sparkassen über das Grund­buch abge­sichert sind, können sich nicht auf faire Behand­lung verlassen. Das erlebte eine Frau aus dem Raum Hamburg: 9,33 Prozent Zinsen forderte die Von Essen-Bank von ihr, als die Journalistin im Jahr 2014 zur Finanzierung eines Hauskaufs Kredit brauchte. Hinzu kamen noch die Kosten für eine Rest­schuld­versicherung. Bei anderen Banken kostete ein solcher Kredit seiner­zeit durch­schnitt­lich 2,11 Prozent Zinsen.

Später über­nahm BNP Paribas die Bank. Als die Frau 2018 schwer erkrankte und kein Gehalt mehr bekam, fragte sie bei BNP nach, ob nun die Versicherung einspringe. Nein, hieß es dort, obwohl die Versicherung tatsäch­lich hätte zahlen müssen.

Die Journalistin über­zog ihr Konto und zahlte die Raten weiter. Als sich das Ende der Zins­bindung näherte, bot BNP eine Verlängerung des Kredits an. Der Zins­satz sollte dann bei 8,16 Prozent liegen. Und das bei einem Durch­schnitts­zins von gerade mal noch 1,14 Prozent. Und tatsäch­lich: Die örtliche Sparkasse vermittelte ihr ein passendes Angebot zu 1,17 Prozent Zinsen. Also kündigte sie den alten Kredit­vertrag. Selbst das klappte nicht. BNP meldete sich nicht. Also fragte die Kreditnehmerin nach. Die Bestätigung dauere etwas, erfuhr sie nur. Als die Umschuldung anstand, hieß es: Die Kündigung sei nicht ange­kommen und der Vertrag hätte sich auto­matisch verlängert. Es bleibe bei dem Kredit und seinen hohen Zinsen.

Die Frau schaltete nun die Rechts­anwalts­kanzlei Juest + Oprecht ein. Die Bank lenkte ein und entließ die Frau aus dem Vertrag. Rechts­anwalt Achim Tiffe will nun aber mehr. Der Vertrag sei wegen sittenwid­rig über­höhter Zinsen nichtig und die Bank wegen der falschen Auskunft zur Rest­schuld­versicherung schaden­ersatz­pflichtig, erklärt er seine Sicht der Rechts­lage. Außerdem sei die Vertrags­klausel unwirk­sam, wonach sich ein Vertrag nach Ende der Zins­bindung auto­matisch verlängere. Die Bank erklärte auf Anfrage: Die Kundin habe auto­matisiert ein Angebot für die Verlängerung des Kredits erhalten und sich nicht recht­zeitig zurück­gemeldet. Sie habe sie aus dem Vertrag entlassen, bevor sich Rechts­anwalt Tiffe bei ihr gemeldet habe. Über die Erkrankung 2018 habe das Unternehmen keine Informationen. Die Kreditnehmerin könne aber den Schaden nach­träglich melden. Im übrigen handele es sich nicht um einen Stan­dard-Immobilien­kredit, sondern um eine Misch­finanzierung mit Beleihung jenseits des Immobilien­werts und hohem Ausfall­risiko.

Das Institut für Finanz­dienst­leistungen (iff) und die Verbraucherzentralen Hamburg und Sachsen haben im Januar das „Bündnis gegen Wucher“ aus der Taufe gehoben. Die Verbraucherschützer wollen eine Verschärfung der Bewertung von Kredit­verträgen erreichen. Die Gerichte berück­sichtigen Extras wie die Rest­schuld­versicherung bisher nicht, wenn sie prüfen, ob ein Kredit sittenwid­rig über­teuert ist. Sie vergleichen allein die Zins­sätze. Das Bündnis will den Wucherpara­graphen auch wegen Rest­schuld­versicherungen und unter Berück­sichtigung von Provisionen zur Geltung bringen. „Die Gerichte sehen inzwischen wohl­wollend auf diese Kampagne“, berichtet Rechts­anwalt Udo Reifner. Danach wären insbesondere viele Kredite der Targo­bank und der Santander Consumer Bank wegen Wuchers nichtig.

Kredit­wucher

Die Rettung für eine Frührentnerin, die in den neunziger Jahren an Kinder­lähmung erkrankt und tief in die Schuldenfalle getappt war: Das Land­gericht Hamburg wies eine Klage der Targo­bank gegen sie ab. Über 22 000 Euro wollte die Bank von der Frau, die von 1997 an insgesamt acht Kredite bei der Citi­bank – später Targo­bank – aufgenommen hatte. Ein Groß­teil der neuen Kredite diente dazu, die alten abzu­lösen. Das vertiefte die Finanz­probleme aber nur: Jedes Mal waren neue Gebühren und Kosten für eine neue Rest­schuld­versicherung fällig. Für Banken ist das ein gutes Geschäft: Bis über 50 Prozent des Versicherungs­beitrags kassieren sie bei Abschluss von Rest­schuld­versicherungs­verträgen als Provision. So berichtet es die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht Bafin.

Ganz ähnlich der Fall eines Arbeiters aus dem Raum Freiburg: Er hatte im Jahr 2003 einen ersten Kredit der Noris­bank AG aufgenommen. Es folgten zahlreiche weitere Verträge. Immer wenn das Geld knapp wurde, bekam der Verbraucher von der Team­bank AG, wie das Unternehmen inzwischen heißt, einen höheren neuen Kredit. Ein Teil des Geldes diente zur Ablösung des alten Kredits, der andere Teil stopfte die Löcher in der Kasse des Mannes. Am Ende stand er bei der Bank mit über 20 000 Euro in der Kreide. Allein die Rest­schuld­versicherung für den letzten Vertrag kostete fast 5 000 Euro. Als diese Versicherung sich weigerte, wie versprochen die Raten über­nehmen, als ihr Kredit­kunde arbeitslos wurde, schaltete der Mayer & Mayer Rechts­anwälte in Freiburg ein. Die widerriefen den Kredit­vertrag. Der Widerruf ist wegen Fehlern im Vertrag auch Jahre nach seinem Abschluss noch wirk­sam, urteilte das Land­gericht Freiburg schließ­lich. Erfreuliche Folge: Die Schulden des Arbeiters sind jetzt halbiert. Das Urteil ist jetzt rechts­kräftig. Die Bank hatte zunächst Berufung einge­legt, nahm die aber wieder zurück, nachdem das Ober­landes­gerichts Karls­ruhe signalisiert hatte: Das Urteil aus Freiburg ist korrekt.

Das Land­gericht Hamburg begründete sein verbraucherfreundliches Urteils so: Die Forderung auf Rück­zahlung des Kredits sei verjährt. Während der Lauf­zeit des Kredits ist die Verjährung der Forderungen zwar für bis zu 10 Jahre gehemmt. Die Targo­bank hatte den Kredit­vertrag aber gekündigt, als die Kundin 2011 ihre Raten nicht mehr zahlen konnte.

Die Richter erklärten: Die Forderung auf Rück­zahlung des Kredits nach Kündigung verjähre wie jede andere Forderung auch drei Jahre nach Ende des Jahres ihrer Entstehung. Die Targo­bank war zunächst nur wegen eines Teil­betrags gegen die Kundin vorgegangen. Erst 2016 erhob sie wegen des Rests Klage. Bisher gingen Sparkassen und Banken immer davon aus: Nicht nur die Raten, sondern auch die Forderung auf Rück­zahlung des Kredits nach Kündigung verjährt frühestens nach zehn Jahren.

Ihre Kollegen in Freiburg meinten: Der Kredit­vertrag war auch Jahre nach Vertrags­schluss noch widerruf­bar, weil Pflicht­angaben nicht korrekt waren. Die Markenbezeichnung „EasyCredit®“ in den Vertrags­urkunden der Team­bank erfülle nicht die gesetzlichen Anforderungen an die Bezeichnung der Art des Darlehens. Mehr noch: Nach einem Urteil des Europäischen Gerichts­hofs (vom 16.03.2020, Aktenzeichen: C-66/19) sind alle von 14. Juni 2010 an geschlossenen Verträge fehler­haft und können auch heute noch widerrufen werden, sofern sie nicht voll­ständig getilgt und abge­wickelt sind.

Nach dem Widerruf können Verbraucher zum Gegen­angriff übergehen: Die Bank muss nach dem Widerruf nämlich nicht nur den Vertrag rück­abwickeln. Sie muss auch heraus­geben, was sie mit dem Geld der Kunden erwirt­schaftet hat. Dabei ist laut Bundes­gerichts­hof von Zinsen in Höhe von fünf Punkten über dem Basiszins­satz auszugehen. Wie sehr sich das lohnt, zeigt ein Fall aus Berlin: Ein Ehepaar hatte sich im Jahr 2009 von der Credit Euro Bank 6 000 Euro geliehen. 12 Raten und ein Jahr später war der Kredit getilgt. Im Jahr 2014 widerrufen sie den grob fehler­haften Vertrag. Urteil des Amts­gerichts Frank­furt am Main im Jahr 2017: Die Bank hat den Eheleuten für die Nutzung der Kreditraten fast 1 600 Euro zu zahlen – zuzüglich Zinsen in Höhe von fünf Punkten über dem Basiszins­satz. So werden selbst teure Wucher­kredite für Banken zum Verlust­geschäft.

Besonders ärgern sich Verbraucherschützer über Rest­schuld­versicherungen. Die zahlen den Kredit zurück, wenn ein Kreditnehmer stirbt, manchmal auch, wenn er arbeits­unfähig oder arbeitslos wird. Die Kosten tragen die Kreditnehmer. Wie teuer das Kreditnehmer zu stehen kommt, hat das Institut für Finanz­dienst­leistungen (iff) anhand zahlreicher Fälle über­prüft. Danach kosten Rest­schuld­versicherungen, die bei Abschluss eines Kredit­vertrags angeboten werden, bis zu neun Mal mehr als ein vergleich­barer, separat angebotener Vertrag. Das berichtet Udo Reifner, Leiter des iff.

Beispiele: Im Rahmen eines Raten­kredit­vertrags der Targo­bank, den das Land­gericht Ravens­burg zu beur­teilen hatte, sollten die beiden Kreditnehme­rinnen 29 500 Euro Kredit erhalten und inner­halb von sechs Jahren insgesamt 59 195,69 Euro zurück­zahlen. Beitrag für die Rest­schuld­versicherung: 11 895,58 Euro, Kredit­bearbeitungs­gebühr: weitere 1 117,68 Euro. Noch ein Beispiel: Ein Easy-Credit-Vertrag von 2011. Effektivzins ohnehin schon: 9,98 Prozent. Kreditsumme: 26 629,85 Ausgezahlt wurden aber nur 25 000 Euro, der Rest ging direkt für die Rest­schuld­versicherung drauf. Effektivzins nur unter Berück­sichtigung des ausgezahlten Betrags bei plan­mäßiger Ratenzahlung: Stolze 11,7 Prozent. Zusatz­rendite für die Banken: Oft fließt mehr als die Hälfte des Versicherungs­beitrags als Provision direkt wieder in ihre Kassen. Rechnet man auch 50 Prozent des Rest­schuld­versicherungs­beitrag als Provision noch in die Easy-Credit-Verzinsung zugunsten der Bank ein, liegt sie bei fast 12,7 Prozent.

Anhand des Dr. Klein Trendindikators Baufinanzierung (DTB) berichtet Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, über aktuelle Entwicklungen bei Baufinanzierungen in Deutschland.

Immer höhere Gesamtkosten führen dazu, dass der Erwerb von Wohneigentum schwieriger wird – besonders für Leute ohne nennenswertes Eigenkapital.

Im dritten Pandemiejahr haben sich viele Deutsche auch bei der Finanzplanung individuelle Ziele gesetzt. Dabei räumen sie Sparsamkeit und Schuldentilgung Priorität ein, setzen dafür aber nur beschränkt auf professionelle Finanzberatung.

Die Preise für Wohnimmobilien steigen – und die Darlehen auch: Im Durchschnitt leihen sich Bauherren und Käufer rund doppelt so viel Geld von der Bank wie noch vor zehn Jahren.

Am 17. März 2022 feiert die Wohnungsbauprämie ihren 70. Geburtstag. Zu diesem Jubiläum zeigt Oliver Adler, Immobilien-Experte bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, warum sich Sparer das Geschenk vom Staat zum zielgerichteten Aufbau von Eigenkapital gerade jetzt nicht entgehen lassen sollten.…

Zinsen für zehnjährige Darlehen liegen laut Interhyp bei rund 1,6 Prozent. Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer mit Finanzierungsbedarf sollten jetzt die Konditionen für Anschlussfinanzierungen vergleichen.

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