Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten das Eisenbahnnetz flächendeckend ausgebaut wurde und immer mehr Städte miteinander verband, etablierten sich zugleich die ersten Ratingagenturen auf dem Markt.

Ihr Ziel: Mehr Transparenz bei den Investitionsentscheidungen von Anlegern zu schaffen. Noch heute sind einige von ihnen aktiv, doch liegt der Fokus nicht mehr allein auf der Schiene: So werden die Kreditwürdigkeiten von Unternehmen und Banken oder auch ganzer Staaten beurteilt. Jedoch wird der Ratingmarkt weltweit fast vollständig unter drei amerikanischen Agenturen aufgeteilt. Die Creditreform Rating AG hat in Europa einen Marktanteil von 0,5 % und langfristig das Ziel, sich als europäisches Gegengewicht zu etablieren und den Wettbewerb zu beleben. Auf dem Weg dahin gilt es eine große Hürde zu überwinden: Die Aufnahme in das EZB-Rahmenwerk zur Begrenzung finanzieller Risiken bei den geldpolitischen Geschäften – dem so genannten Eurosystem Credit Assessment Framework (ECAF).

Die ersten Ratingagenturen in den USA sammelten Informationen über Unternehmen, deren Finanzen sowie über das Management und bewerteten anhand dessen die Bonität. Für die Investoren waren diese Ratings ein wichtiges Hilfsmittel bei ihren Investitionsentscheidungen – und sind es bis heute. Zu diesen Agenturen gehörten Standard & Poors (gegründet 1860), Moody’s (1909) und Fitch (1913), die sogenannten „Big Three“, welche gegenwärtig über 90 % des gesamten Ratingmarktes – sowohl weltweit als auch in Europa – unter sich aufteilen. Mit der Creditreform Rating AG steht eine Agentur in den Startlöchern, diesen nahezu oligopolen Markt aufzubrechen und zu den amerikanischen Agenturen aufzuschließen.

Seit über 20 Jahren Erfahrung bei der Einschätzung von Ausfallrisiken

Die Creditreform Rating AG wurde im Jahr 2000 in Neuss gegründet. Heute verfügt sie über rund 100 Mitarbeiter aus mehr als 15 Ländern und gilt als eine der führenden europäischen Ratingagenturen. Sie ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Creditreform AG und somit Teil der Creditreform Gruppe. Anders als die Muttergesellschaft, einer der größten Wirtschaftsauskunfteien Europas, stellt die Creditreform Rating keine Daten über Unternehmen in Deutschland und Europa anhand eines Scorings zur Verfügung. Stattdessen analysiert sie die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken, strukturierten Finanzprodukten sowie Ländern und bewertet das Ausfallrisiko auf der internationalen Ratingskala von AAA bis D. Zudem werden Finanzinstrumente in den Asset-Klassen Infrastruktur, Immobilien, erneuerbare Energien, Logistik, Aviation und strukturierte Finanzierungen beurteilt. „Wir sind spezialisiert auf die Einschätzung von Kreditrisiken und bieten unseren international agierenden Kunden neben Ratingdienstleistungen auch Kreditservices und Marktanalysen“, erklärt Vorstand Dr. Michael Munsch und ergänzt: „Unternehmen sehen unsere Ratings als eine anerkannte und transparente Finanzmarktinformation für die Ansprache von potenziellen Investoren an. Darüber hinaus suchen vor allem institutionelle Investoren nach geeigneten Möglichkeiten der Kapitalanlage. Hierfür benötigen sie verlässliche, effiziente und transparente Bonitätsbeurteilungen zur Absicherung ihrer Anlageentscheidungen. Mit einem Rating von uns sichern sich Emittenten das Vertrauen von Investoren und Banken.“

Partner für institutionelle Investoren

Derzeit verfügen europaweit mehr als 100 Unternehmen über ein Rating der Creditreform Rating AG. Seit ihrer Gründung wurden Unternehmensverbindlichkeiten mit einem beachtlichen Volumen von rund 425 Mrd. Euro beurteilt. Doch die Bewertung von kleineren und mittelständischen Unternehmen macht nur noch einen geringen Teil der Aktivitäten aus. Denn im Jahre 2011 konnte der erste Meilenstein auf dem Weg zur führenden europäischen Ratingagentur gesetzt werden: Durch die Registrierung bei der Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) sind die Ratings der Creditreform Rating AG für regulatorische Zwecke nutzbar. „Wir konnten uns somit als erfahrener Partner für institutionelle Investoren im Markt etablieren. Dazu gehören beispielsweise Versorgungswerke, Pensionskassen und kleinere Versicherungen, die der Anlageverordnung unterliegen. Aber auch große und durch die Solvency II-Verordnung regulierte Versicherungen zählen zu unseren Kunden“, sagt Dr. Munsch und fügt hinzu: „Die hohe Anzahl an Ratings im Bereich Institutional Investor Debt spiegelt unser gegenwärtiges Unternehmensmodell wider – sie haben die Summe der Unternehmensratings bei weitem überschritten.“ Aktuell betreut die europäische Ratingagentur über 360 Ratingprojekte für Unternehmen unterschiedlichster Branchen, die rund 5500 gültige Anleihen aus den Bereichen Corporate Issues, Bank Issues, Bank Covered Bonds, Institutional Investor Debt als auch Structured Finance umfassen. Unter anderem vertrauen Unternehmen wie die SIGNA Holding und Zeppelin GmbH auf die Bewertungen der Ratingagentur. Darüber hinaus führt die Agentur Länderratings (Sovereign Ratings) durch. Neben der Bonität der Staaten als Kreditnehmer werden dabei auch Schuldtitel oder finanzielle Verbindlichkeiten, die von einem Staat in Landes- oder Fremdwährung emittiert werden, bewertet.

Die Großen unter den Kleinen

Das Unternehmen ist eine der größten Ratingagenturen in Europa, dabei beträgt ihr Marktanteil gerade einmal 0,53 % – was wiederum die Dominanz der „Big Three“, welche einen Marktanteil von 91,07 %² besitzen, veranschaulicht. Die ungleiche Marktverteilung hat auf der einen Seite einen historischen Hintergrund. Die Nachfrage nach alternativen Kapitalmarktinstrumenten wie Schuldscheindarlehen, Anleihen und weiteren Finanzierungsquellen wie Leasing-Modellen, existiert im angelsächsischen Raum bereits verhältnismäßig lang und ausgeprägt. Denn anders als das kontinentaleuropäische und insbesondere das deutsche Wirtschaftssystem, das traditionell banken- und kreditfokussiert ist, stützt man sich im Vereinigten Königreich und den USA seit jeher stark auf die Finanzierung über die Kapitalmärkte. Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung der Finanzströme im 21. Jahrhundert hat die Bedeutung der Kapitalmärkte für die Unternehmensfinanzierung in Europa eine zunehmend größere Rolle gespielt. Auch aus diesem Grund gründete sich die Creditreform Rating über ein Jahrhundert nach dem Erscheinen der ersten amerikanischen Agenturen.

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EZB-Akkreditierung: Auf dem Weg zu einer europäischen Institution?

Auf der anderen Seite werden die Einflusssphären der „kleineren“ Agenturen auf dem europäischen Markt durch das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten der Europäischen Zentralbank (EZB) beschränkt. Hiernach gelten nur solche Papiere als notenbankfähig, die über ein Rating von zwei Agenturen verfügen, welche im Rahmen des ECAF als externe Bonitätsbeurteilungsinstitute (External Credit Assessment Institutions) zugelassen sind. Und hier liegt die Krux: Bisher gehören nur Standard & Poors, Moody’s und Fitch sowie die kanadische Agentur DBRS zu den Auserwählten, was ihre dominierende Marktstellung zusätzlich untermauert. Denn die großen, auf den Kapitalmärkten aktiven Unternehmen und Organisationen wollen, dass ihre Schuldverschreibungen von der Europäischen Zentralbank bei deren Operationen berücksichtigt werden. Für die kleineren Agenturen bleiben somit nur die „Krümel des Kuchens“. Doch das soll sich aus Sicht der Creditreform Rating und vieler Unternehmen, die einen faireren Wettbewerb und damit weniger Abhängigkeiten fordern, möglichst bald ändern.

Viele Hürden bis zum Ziel

Als eine der ersten europäischen Ratingagenturen möchte sie für das ECAF akkreditiert werden. „Wir planen 2022 die Bewerbung für die Anerkennung bei der EZB einzureichen. Bereits heute befinden wir uns auf einem vielversprechenden Weg und sind zuversichtlich, die an uns gestellten Anforderungen zu erfüllen“, sagt Dr. Benjamin Mohr, Head of Sovereign Ratings and Economic Research bei der Creditreform Rating AG, und ergänzt: „Durch eine Akkreditierung erhoffen wir uns, den Ratingmarkt fairer und transparenter zu gestalten und uns als europäisches Gegengewicht zu den amerikanischen Agenturen langfristig zu etablieren. Doch der Legitimationsprozess dauert an und es gibt noch einige Hürden zu überwinden“. Um das erste Hindernis auf dem Weg zur Bewerbung zu überwinden, verpflichtet sich die Ratingagentur, über drei Jahre diversen Anforderungen gerecht zu werden. So schreibt das Rahmenwerk für Bonitätsbeurteilungen ECAF vor, dass eine Ratingagentur für zwei Drittel der Länder des Euroraums mindestens drei von vier Vermögenskategorien (ungedeckte Bankschuldverschreibungen, Unternehmensanleihen, gedeckte Schuldverschreibungen und Asset-Backed Securities) bewertet. In jeder Anlageklasse müssen Ratings für mindestens 10 % der notenbankfähigen Vermögenswerte und Emittenten sowie für mindestens 20 % der ausstehenden Nominalbeträge bereitgestellt werden. „Die im September 2020 veröffentlichte Klarstellung zur eingehenden Due Diligence zielt darauf ab, kleinere Ratingagenturen zu unterstützen, indem sie mehr Details zum Antragsprozess und zum Annahmeverfahren liefert“, erklärt Dr. Mohr. „Wie der weitere Prozess nach dem Überspringen der ersten Hürde genau aussieht, bleibt allerdings abzuwarten, denn bisher hat noch keine europäische Ratingagentur diese Stufe überschritten.“

Für die Creditreform Rating AG ist die Anerkennung durch die EZB ein Silberstreif am Horizont. Sie würde viele neue Türen öffnen und den Analysten aus Neuss einen enormen Bedeutungsschub auf dem europäischen Markt verleihen. „Unser Ziel ist es, ‚diese eine‘ europäische Ratingagentur zu werden und mehr Transparenz auf dem europäischen Finanzmarkt zu schaffen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre erhoffen wir uns, unseren globalen Marktanteil auf rund 3 % zu steigern“, erklärt Dr. Munsch abschließend.

Über Creditreform Rating

Als eine der führenden europäischen Ratingagentur bietet die Creditreform Rating AG Investoren ein breites Spektrum an Ratings. Dazu zählen sowohl Asset Based Finance Ratings mit den Asset-Klassen Infrastruktur, Immobilien, erneuerbare Energien, Logistik und Aviation als auch Ratings strukturierter Finanzierungen sowie Ratings von Unternehmen, Banken- und Sovereigns in Form von Issuer- und Issue-Ratings. Wir führen Ratings international insbesondere in Europa, den USA, Kanada, Russland und Asien durch.
Die Creditreform Rating AG ist gemäß der EU-Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 registriert. Sie ist Partner für Banken, institutionelle Anleger und Unternehmen in ganz Europa.

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Bewertung Creditreform Rating: Europäische Ratingagentur in Startposition.

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