Coronavirus in Bayern – das schürt Ängste und wirft viele Fragen auf: Wie gefährlich ist das Virus? Kann man sich schützen? Was sind die Symptome? Wird es auch über Pakete aus China übertragen? Was Sie jetzt wissen sollten.

 

Auch wenn es einen ersten Fall von einer Coronavirus-Infektion im Landkreis Starnberg gegeben hat, wird das Risiko für eine Ausbreitung in Deutschland nach wie vor für gering gehalten. “Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht. Der Fall aus Bayern zeigt aber, dass wir gut darauf vorbereitet sind”, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. “Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) weiterhin gering.”
BR24live: Das Coronavirus hat Bayern erreicht. Was Sie dazu wissen sollten – hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

Trotzdem haben viele Menschen Angst vor dem unbekannten Erreger. Fragen und Antworten zum Coronavirus:

Wie wird das Coronavirus übertragen?

Das Coronavirus wird vermutlich von Tier zu Mensch übertragen: Als Ausgangspunkt gilt ein Tiermarkt in Wuhan, auf dem Wildtiere wie Schlangen verkauft und verspeist werden. Was für die Verbreitung aber noch viel wichtiger ist: Das Coronavirus kann offensichtlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.
 

Übertragung durch Tröpfcheninfektion

Das Virus kann via Tröpfcheninfektion – zum Beispiel durch Husten – bei direktem Kontakt mit Infizierten verbreitet werden. Sitzt das Virus in den oberen Atemwegen, ist eine Ansteckung wahrscheinlicher.
Häufiger aber siedelt es sich eher in den unteren Lungenbereichen an. Dann ist das Ansteckungspotenzial geringer, da der Weg von Lunge zu Lunge weiter ist als etwa von Nase zu Nase, meint der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM).
 

Inkubationszeit des Virus

Die Nationale Gesundheitskommission in China teilte mit, dass eine Ansteckung mit dem Coronavirus auch möglich sei, wenn der Träger des Virus noch keine Symptome zeigt. Die Inkubationszeit – die Zeit von der Ansteckung bis sich die ersten Symptome zeigen – liegt laut der Kommission bei bisherigen Fällen zwischen einem und 14 Tagen, im Allgemeinen geht man von 10 bis 12 Tagen aus.
Wie lange man dann krank ist – das weiß man schlicht noch nicht. Deshalb schaut man sich den Verlauf der aktuellen Fälle derzeit sehr genau an.
 

Wie ansteckend ist das Coronavirus?

Nach bisherigen Einschätzungen von Experten ist das Coronavirus kaum ansteckend. “Vielfach geht das Virus höchstens auf einen weiteren Menschen über, dann läuft sich die Infektion tot”, erklärte der Virologe Schmidt-Chanasit. Lange Übertragungsketten von einem zum nächsten wie bei Sars gebe es bei dem neuen Virus bislang nicht oder höchstens ganz vereinzelt. “Es kann mal ein Erkrankter dabei sein, der viele andere ansteckt, überwiegend wird das Virus aber gar nicht oder an nur eine weitere Person weitergegeben.”
Anders als bei Grippe oder Masern, wo ein Kranker eine Vielzahl von Menschen gleichzeitig anstecken könne, gehe man bislang davon aus, dass es nicht zu längeren Ansteckungsketten kommen könne, meint auch Martin Hoch, Leiter der Taskforce Infektiologie beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Auch nach WHO-Informationen haben sich Menschen bislang nur bei engem Kontakt mit Infizierten angesteckt, in der Familie oder in Praxen und Gesundheitszentren.
Experten sprechen von einem Ansteckungsrisiko etwa bei einer mindestens zehnminütigen Gesprächssituation, bei der man einem infizierten Menschen direkt gegenübersteht. Deshalb wird im Moment auch nicht jeder Weg und jeder Kontakt der Chinesin, die den Mann aus dem Landkreis Landsberg angesteckt hat, zurückverfolgt.
 

Sollte ich jetzt auf irgendeine Weise mein Verhalten ändern?

Nein, an sollte sich nicht anders verhalten als sonst auch. Wir ändern unser Verhalten ja auch nicht drastisch, nur weil wir mitten in einer Grippewelle sind – und die haben wir jedes Jahr und jeden Winter und auch im Moment gerade. Gut, gegen Grippe kann man sich impfen und gegen eine Infektion mit dem Coronavirus nicht, aber wir haben im Moment auch erst gerade mal einen einzigen Fall hierzulande. Man kann also eigentlich ganz entspannt sein. Eine aufmerksame Gelassenheit sei der richtige Weg, wie der Bundesgesundheitsminister sagt.
 

Werden Viren über Pakete oder Briefe übertragen?

Hier muss man sich keine Sorgen machen: Ein Virus kann auf unbelebten Flächen nicht lange leben, es benötigt die Mundschleimhaut seines Trägers oder eines Empfängers. Daher ist eine Infektion nur durch direkten Kontakt oder Tröpfchen, durch Anhusten oder Anniesen möglich.
Eine der wichtigsten Hygienevorschriften ist also die, die auch bei Erkältungen, grippalen Infekten und der echten Influenza gilt: in den Ärmel husten oder niesen.
Viren, die auf Papier oder Paketen landen und mehre Tage mit der Post unterwegs sind, sterben ab. Eine Infektion über den Postweg ist daher so unwahrscheinlich, das sie derzeit eigentlich als ausschließbar gilt.
 

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

80 Prozent aller Infektionskrankheiten werden über die Hände verbreitet. Das wird ihnen häufig auch leicht gemacht. Denn wir fassen uns im Schnitt – häufig mit ungewaschenen Händen – alle vier Minuten ins Gesicht. Da hilft nur: Hände gründlich – und öfter – waschen. Und zwar mindestens 20 Sekunden lang. Der Trick, den man den Kindern früher beibrachte, zweimal im Kopf “Happy Birthday” zu singen, macht durchaus Sinn.
Und man kann sich auch etwas von den Ärzten abschauen und andere Menschen lieber mit einem Lächeln grüßen – und das auch genau so sagen – anstatt die Hand zu geben.
Außerdem sollte man den direkten Kontakt zu erkrankten Personen sowie Menschenmengen nach Möglichkeit meiden und sich nicht anhusten lassen, erläutert der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit im BR-Interview. Lässt sich ein Kontakt nicht vermeiden, sind Hygienemaßnahmen doppelt wichtig, auch intensives Raumlüften ist sinnvoll. Das schützt auch vor allen anderen Infektionen wie Erkältungen oder der Grippe. Sich damit anzustecken, ist deutlich wahrscheinlicher. Wer aber große Sorge vor einer Ansteckung hat, kann natürlich auch öffentliche Verkehrsmittel meiden.
Trotzdem gilt: Stand heute muss man sich keine allzu großen Sorgen machen, sich mit dem Coronavirus anzustecken, wenn man keinen Kontakt zu Personen aus China hatte. Und auch hier sagen die Experten: Als Kontakt, der zu einer Infektion führen kann, gilt eine Face-to-Face-Situation, also man muss sich schon zehn Minuten oder eine Viertelstunde gegenüberstehen und ein Gespräch führen.
 

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Soll man einen Mundschutz gegen das Coronavirus tragen?

Kaum wurden die ersten Corona-Fälle in Europa bekannt, gab es bereits erste Meldungen, dass die Nachfrage nach Atemschutzmasken steige. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg, hält das Tragen eines Mundschutzes “im Augenblick für vollkommen unsinnig”. Diese Gesichtsmasken seien nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht. Es mache aber durchaus Sinn, als Grippekranker eine Maske zum Schutz anderer Menschen zu tragen. “Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit”, sagte Salzberger.
Wer sich trotzdem einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) zulegen möchte, sollte darauf achten, nicht nur eine einlagige Papiermaske zu tragen, sondern mindestens eine FFP2-Maske (face filtering piece) zu kaufen. Was heißt das genau? Zur Vermeidung einer Tröpfcheninfektion wird ein Mund-Nasen-Schutz je nach Filterdurchlass in drei Klassen unterteilt: FFP1, FFP2 und FFP3. Wobei FFP3 am besten schützt. Die Masken der FFP-Schutzklassen können Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometer auffangen, was einen Schutz gegen Bakterien bietet. Viren dagegen sind deutlich kleiner.
 

Wer ist durch das Coronavirus gefährdet?

Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen sehr unterschiedlich – das hängt stark vom Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Bei vielen nimmt eine Infektion einen eher harmlosen Verlauf, andere erkranken schwer daran oder sterben sogar. Es kommt ganz darauf an, wie fit, wie gesund der Patient vor der Ansteckung war und welches Alter er hat.
Gefährdet sind vor allem geschwächte Menschen mit Vorerkrankungen: “Insbesondere ältere Personen sind betroffen. Nach allen Daten, die uns vorliegen, sind es Kinder weniger,” sagt Virologe Schmidt-Chanasit.
 

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Wie gefährlich das Coronavirus in Bezug auf die Sterblichkeitsrate ist, ist bisher unbekannt. Wie viel Prozent der Erkrankten sterben, lässt sich nicht sagen, denn viele Patienten bleiben symptomarm, sodass sie gar nicht erfasst werden.
Salzberger ist der Ansicht, dass das Coronavirus zwar gefährlicher sei als die üblichen Grippe-Viren, aber lange nicht so verbreitet: “Ein ganz neues Virus, wo es noch keine Immunität gibt beim Menschen, ist immer gefährlicher. Nach den ersten Daten aus China haben etwa 20 Prozent der Patienten schwere Infektionen wie Lungenentzündungen. Das ist bei der Influenza nur bei ungefähr zwei Prozent der Fall”, so Salzberger.
Der Virologe Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar betont, dass beide Virus-Infektionen, Influenza und Corona, bei Menschen mit einem gesunden Immunsystem folgenlos und von alleine ausheilen könnten. “Ein relevantes Risiko, dass es zu einem schweren Verlauf kommt, besteht vor allem für Menschen, die unter Immunschwächeerkrankungen oder beispielsweise Tumorerkrankungen leiden,” erklärt der Experte.
 

Die Grippe ist die größere Gefahr

Die Influenza sei in Deutschland aber viel stärker verbreitet und daher ein viel größeres Problem, betonte Salzberger. In Deutschland würden jährlich bis zu 20.000 Menschen an Influenza sterben. Das sei bisher weder bei SARS noch bei anderen Coronaviren-Ausbrüchen in Deutschland der Fall gewesen.
Auch der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, hält die Grippe für die größere Gefahr: “Für den normalen Bürger ist die anrollende Influenza-Welle gefährlicher als das, was sich in China bisher nach unserer Perspektive darstellt.”
 

Welche Symptome verursacht das Coronavirus?

Typische Symptome ähneln denen einer Lungenentzündung oder einer Grippe. Mittlerweile gibt es aber verlässliche Tests, mit denen eine Infektion durch das Coronavirus diagnostiziert werden kann. Zu den Symptomen gehören: Fieber, Husten, Atemnot, Muskelschmerzen und Müdigkeit – mitunter auch Auswurf, Kopfschmerzen und Durchfall.
 

Sollte man jetzt mit Grippesymptomen zum Arzt?

Stand heute sollte man sich als Erstes fragen: Hatte ich näheren Kontakt zu jemandem aus China? Wenn nicht, dann muss man sich eigentlich keine Sorgen machen wegen einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus, dann hat man sich wahrscheinlich eine Erkältung, einen grippalen Infekt oder eine echte Grippe eingehandelt. Aber zum Arzt zu gehen, ist natürlich auch bei diesen Erkrankungen meist sinnvoll.
 

Gibt es eine Impfung oder Medikamente?

Nein – derzeit gibt es kein Medikament und keine Impfung gegen das Coronavirus. Zumindest die Symptome können mit bisher gängigen Medikamenten gelindert werden. Darüber hinaus ist Bettruhe, viel Flüssigkeit und unter Umständen eine Unterstützung der Atmung sinnvoll.
 

Ist Deutschland auf das Coronavirus vorbereitet?

Salzberger hält das Coronavirus für kontrollierbar. “Patienten müssen isoliert werden solange sie ansteckend sind. Das wird sicherlich auch gemacht. Man braucht dafür aber keine Hoch-Islolations-Einheit. Das kann man auch in einem ganz normalen Krankenhaus und in einem normalen Zimmer machen”, sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.
Die derzeit ergriffenen Maßnahmen sind aus Salzbergers Sicht ausreichend: “Im Augenblick gibt es keinen Grund sich große Sorgen zu machen. Es gibt einen Fall, und er ist unter Beobachtung. Da kann man sich nicht anstecken. Das ist kein Grund in Panik zu geraten.”
 

Werden Reisende, die aus China kommen, gecheckt?

Im Moment sind laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Abläufe auf den Flughäfen alle etwas verschärft: Bei Fliegern, die aus China kommen, sind die Piloten angewiesen, auf den Gesundheitszustand der Passagiere zu achten und gegebenenfalls schon vor der Landung einen Verdachtsfall zu melden.
Die Reisenden aus China müssen auch Formulare ausfüllen und angeben, wo sie erreichbar sind bis zu dreißig Tage nach der Landung – einfach, dass man gegebenenfalls Bescheid weiß, wie kann man diese Person kontaktieren. Fiebermessungen am Flughafen hält Spahn allerdings derzeit nicht für nötig.
 
Quelle:

Bayerischer Rundfunk

Anstalt des öffentlichen Rechts
Rundfunkplatz 1
80335 München

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