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[Angepinnt] IDD-Richtlinie  

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(@proexpert24)
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25/04/2018 5:39 pm  

„Die Branche wird professioneller, aber Einzelkämpfer zunehmend chancenlos“

Seit dem 23. Februar 2018 ist die Vertriebsrichtlinie IDD in Kraft, es fehlen aber noch wichtige Details. Was müssen Versicherungsvermittler in dieser Situation beachten? Rechtsanwalt Norman Wirth weist auf Haftungsfallen hin und erläutert Auswirkungen auf Vergütungsmodelle.

Pfefferminzia: Geben Sie uns doch bitte ein Update, was gilt aktuell in Sachen IDD und was fehlt noch?

Norman Wirth: Die Umsetzung der IDD steht auf mehreren Säulen. Da ist einmal das Umsetzungsgesetz, das bei uns überwiegend zum 23. Februar 2018 in Kraft gesetzt wurde. Darin haben wir Änderungen in der Gewerbeordnung, im Versicherungsaufsichtsgesetz und im Versicherungsvertragsgesetz. Zweitens ist da die neue Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV), die die Anwendung des Gesetzes erläutert. Hier gibt es einen teilweise umstrittenen Entwurf, der auch aufgrund des langen Regierungsvakuums noch nicht verabschiedet wurde und wo wir ganz klar noch mit Änderungen rechnen. Das wird wohl nun kurzfristig geschehen.

Wie kurzfristig?

Die finale Verordnung muss das Kabinett passieren, sie muss durch den Bundestag und durch den Bundesrat. Das dürfte sich mindestens bis in den Mai hineinziehen, wenn nicht noch länger. Doch die Verordnung ist für die Vertriebs- und Beratungspraxis nicht allzu relevant. Dort liegt der Schwerpunkt bei den Änderungen in der Frage der Weiterbildungspflicht, hier wird es absehbar zu einer Einführung einer Lernkontrolle zumindest für Online-Weiterbildungen kommen. Für Vermittler auch wichtig ist die dritte Säule, auf der die IDD steht.

Das wären dann die delegierten Rechtsakte, die direkt aus Brüssel kommen?

Richtig, diese Verordnungen kommen direkt von der Europäischen Kommission und entfalten ihre unmittelbare Wirkung in allen EU-Ländern. Da hat der deutsche Gesetzgeber nichts mehr zu verändern. Die Anwendung dieser Verordnungen ist jedoch grundsätzlich gekoppelt an die EU-weite IDD-Verschiebung. Es geht hierbei um zwei Rechtsverordnungen: Die eine betrifft die Versicherungsanlageprodukte, also in erster Linie die fondsgebundenen Versicherungen, die andere betrifft Fragen zum Zielmarkt und zum Vertrieb.

Bis dato fehlen also noch konkretisierende Bestimmungen aus der Vermittlerverordnung. Kann sich der Vermittler noch zurücklehnen?

Nein, aber Panik ist auch nicht angesagt. Für die Vermittler gibt es aktuell eine ganz entscheidende Änderung, und das ist die Frage der Beratung und Vermittlung zu Versicherungsanlageprodukten. Diese bleiben zwar weiter reine Versicherungsprodukte und können weiterhin unter dem Paragrafen 34d der Gewerbeordnung vertrieben werden, müssen aber im Prinzip nach den Vorgaben für die Vermittlung von Finanzanlageprodukten beraten werden.

Was heißt das konkret?

Im Beratungsgespräch beim Kunden muss der Vermittler hier eine Geeignetheitserklärung einholen und eine Angemessenheitsprüfung machen, also genau das, was ein 34f-Vermittler bei der Vermittlung eines Finanzanlagenprodukts leisten soll. Dazu gehören Fragen nach Risikoneigung, Erfahrung und Verlusttragfähigkeit. Der Versicherungsvermittler muss sicherstellen, dass das konkrete Produkt zum Kunden passt und dem Kundenwunsch auch entspricht. All das muss er entsprechend korrekt dokumentieren.

Das übliche Beratungsprotokoll reicht hier nicht mehr aus?

Keinesfalls. 34d-Vermittler benötigen vernünftige Vorlagen, Muster und Support. Und zwar schon seit dem 23. Februar. Ein Nur-Versicherungsvermittler kann sich das nicht alleine erarbeiten. Die einschlägigen Softwareanbieter, Maklerpools und Verbünde habe aber bereits entsprechende Vorlagen in die Beratungsstrecken eingearbeitet. Auf dem Markt gibt es derzeit zudem viele kostenlose Musterbögen, doch nicht alle davon sind gut. Eine unverbindliche Empfehlung wäre ein beschreibbares PDF einer Geeignetheitserklärung als White-Label-Muster, was der Volkswohl Bund erarbeitet und kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Viele Anbieter fügen Muster auch gleich den Anträgen ihrer Versicherungsanlageprodukte bei.

Gibt es weitere Dokumente, die ein Vermittler jetzt sofort ändern muss?

Es sollte geklärt werden, ob dem Versicherungsnehmer eine regelmäßige Beurteilung der Eignung des Versicherungsanlageprodukts, das diesem Versicherungsnehmer empfohlen wird, angeboten wird. Dies kann im Maklervertrag oder in der Dokumentation erfolgen. Diese Verpflichtung kann der Vermittler auch ausschließen, muss es dem Kunden aber mitteilen. Das ist sonst eine Haftungsfalle für Vermittler.

Es gibt Veranstaltungen in der Branche, die bereits Stunden zur Anrechnung auf verpflichtende Weiterbildung geben. Ist das nicht zu früh?

Aktuell kann keiner wissen, ob das je angerechnet wird. Buchen wir das unter PR. Wir müssen erst einmal sehen, wann die Verordnung in Kraft tritt, ob und welche Regeln für eine Erfolgskontrolle vorgeschrieben werden und wie viele Stunden ab welchem Stichtag für 2018 dann überhaupt noch nötig sind. Sicher keinesfalls 15 Stunden. Dann ist immer noch die Frage, ob das, was manche Stundenanbieter jetzt machen, dann auch so akzeptiert wird. Da würde ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht drauf wetten.

Welchen Einfluss nimmt die IDD auf die bestehenden alternativen Vergütungsmodelle?

Alternative Vergütungsmodelle und Mischmodelle sind weiterhin möglich, wenn die Transparenz entsprechend gewährleistet ist – mit einer Einschränkung durch das Provisionsabgabeverbot, das die IDD-Umsetzung festgeschrieben hat. Dazu gibt es aktuell unterschiedliche Auffassungen zwischen der Bafin auf der einen Seite, und unter anderem Professor Schwintowski und mir auf der anderen Seite, wie die Ausnahmen des Provisionsabgabeverbots zu werten und anzuwenden sind.

Welches Modell ist nicht mehr möglich?

Um bestimmte alternative Vergütungsmodelle zu gestalten, mag es manchmal sinnvoll sein, mit Provisionsabgaben zu arbeiten. Also zum Beispiel dem Kunden einen Bruttotarif zu vermitteln, die Provision an ihn durchzureichen und sich dann per Honorar bezahlen zu lassen, ginge nach Auffassung der Bafin nicht. Es sei denn, die Versicherungsgesellschaft unterstützt dies aktiv. Hier müsste der Makler also um Erlaubnis beim Versicherer für sein Vergütungsmodell bitten. Das halte ich für völlig falsch und nicht dem klaren Gesetzestext und dem Willen des Gesetzgebers entsprechend.

Ergeben sich neue Chancen durch die IDD? Etwa die europaweite Vermittlung?

Dies ist sicher für international agierende Großmakler ein spanndendes Thema, nicht jedoch für das Gros der deutschen Versicherungsmakler. Einen Mehrwert für Kunden sehe ich kaum. Die Kunden werden nun mit noch mehr Informationen überhäuft, die sie sich ohnehin nicht durchlesen. Auf Grund der Vorgaben zur Zielmarktdefinition, mehr Transparenz und strukturierteren Prozessen insbesondere bei Versicherungsanlageprodukten werden hoffentlich in Zukunft noch weniger Fälle von krasser Falschberatung auftreten – auch wenn ich die neuen Regelungen teilweise für deutlich über das Ziel hinausgeschossen halte. Den wenigsten Nutzen durch die IDD sehe ich bei den Vermittlern: Durch die Weiterbildungspflicht und die Vorgaben für Betriebsstrukturen und erweiterte Beratungsprozesse wird die Branche zwar professioneller, das führt aber auch dazu, dass der Einzelkämpfer zunehmend chancenlos wird. Die kommenden Änderungen durch die Datenschutzgrundverordnung und weitere bürokratische Regulierungsprojekte tun hier auch ihren Teil. Ohne gute Netzwerke oder gute Partner, wie Pools und Verbünde kann man die vielfältigen Vorgaben schwerlich alleine stemmen.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

Von

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Das Investment, Pfefferminzia und private banking magazin.

 


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