• Betroffenheit in Branche, aber kaum Liquiditätsengpässe
  • Commerzbank hat Branche mit 1,3 Mrd. Euro Corona-Krediten unterstützt
  • Stärken in Krise: technologische Marktführerschaft, gutes Liquiditätsmanagement und Digitalisierung
  • Nachholbedarf bei preiswerteren Mid-Tech-Angeboten
  • Erholung der Branche von 2022 an erwartet

Deutsche Maschinen- und Anlagenbauer kommen verhältnismäßig gut durch die Corona-Krise. Das ist die Kernaussage der Commerzbank-Branchenexperten. Robert Schindler, Firmenkunden-Bereichsvorstand Süd, und Thomas Enck, Branchen-Head Maschinen- und Anlagenbau, stellten die Auswirkungen von Corona auf die Branche im Rahmen eines Pressegesprächs vor. Zwar ist der überwiegende Anteil der Unternehmen von erheblichen Auftrags- und Produktionsrückgängen betroffen (minus 14 Prozent in der Produktion), jedoch trifft die Krise die Maschinen- und Anlagenbauer nicht unvorbereitet.

Finanzierung in der Krise
Rund 30 Prozent der Commerzbank-Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau – überwiegend kleinere Unternehmen – haben seit Beginn der Corona-Krise Hilfskredite beantragt. Insgesamt hat die Bank der Branche bisher 1,3 Mrd. Euro an Corona-Hilfen zur Verfügung gestellt. „Die Branche hat die Krise trotz des starken Produktionsrückgangs verhältnismäßig gut bewältigt“, so Firmenkunden-Bereichsvorstand Schindler. „Wir sehen zwar Betroffenheit, aber nur sehr wenige tatsächliche Liquiditätsengpässe.“ Viele Unternehmen der mittelständisch geprägten Branche haben die vergangenen erfolgreichen Jahre genutzt, um ihre Kapital- und Liquiditätsbasis zu stärken. Das hat sich in der Krise bezahlt gemacht“, so Schindlers Einschätzung.

Gut aufgestellt
Auch in heutigen Zeiten kann der deutsche Maschinen- und Anlagebau von seinen ausgewiesenen Stärken profitieren. Innovationsfähigkeit und die hohe Qualität ihrer anspruchsvollen Speziallösungen machen die Branche im internationalen Wettbewerb erfolgreich. „Die noch aus vor dem ersten Lockdown im März 2020 stammende gute Auftragslage gab den Unternehmen den nötigen zeitlichen Spielraum für Anpassungen der Kapazitäten und des Geschäftsmodells,“ sagte Bereichsvorstand Schindler. Dabei half der Blick zurück, denn schon in der Finanzkrise 2008/2009 hatten viele Unternehmen gelernt, wie wichtig Flexibilität in der Produktion und Sortimentsgestaltung ist.

Anschluss verpasst. Flexibilität vor Wachstum stellen
Neben den Stärken der Branche wie dem guten Liquiditätsmanagement, der hohen Innovationskraft im High-End-Bereich und dem Ausbau der Vorreiterrolle bei der Digitalisierung, warf Commerzbank-Experte Enck auch einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Maschinen- und Anlagenbauer. „Die deutsche Maschinenbaubranche bleibt schon seit einigen Jahren hinter der globalen Wirtschaftsentwicklung zurück. Das liegt vor allem daran, dass die Branche sich stark auf das vergleichsweise kleine High-End-Segment fokussiert“, so Enck. Nun gilt es aufzuholen, denn die weltweite Nachfrage im bislang nur wenig bedienten Mid-Tech-Segment ist wesentlich größer und wächst schneller. „Für die Unternehmen wird es immer wichtiger, neben ihren High-End-Produkten noch mehr preiswertere Mid-Tech-Angebote mit höherer Standardisierung auf den Markt zu bringen“, lautet der Rat von Branchen-Head Enck. Zudem sollte die Branche angesichts der auch schon vor der Pandemie immer stärkeren Schwankungen in der globalen Wirtschaft noch stärker Flexibilität vor Wachstum stellen.

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Langsame Rückkehr zur Normalität
Für das Corona-Jahr 2020 gehen die Commerzbank-Experten von einem Produktionsrückgang von 14 Prozent aus, was einem Umsatz von bestenfalls 200 Mrd. Euro entsprechen würde. Zum Vergleich: Vor der Krise – also im Jahr 2019 – betrug der Umsatz der Branche noch 229 Mrd. Euro. Bis Ende 2021 ist nur mit einer langsamen Entspannung zu rechnen. „Trotz leichter Erholung um die 4 Prozent im Jahr 2021 erwarten wir erst ab dem Jahr 2022 eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau“, schätzte Schindler die Situation ein.

Über die Branche
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist mit mehr als 1 Million Arbeitnehmern größter Arbeitgeber in Deutschland. Die Branche zeichnet sich mit einer Exportquote von 80 Prozent durch eine starke internationale Geschäftstätigkeit aus. Wichtigste Handelspartner sind der EU-27-Raum, die USA und China. Die sehr heterogen geprägte Branche bietet Produkte auf höchstem technischem Level. Häufig sind die Unternehmen auch technologische Weltmarktführer („Hidden Champions“). Der Anteil der Maschinen- und Anlagenbaukunden am Commerzbank-Inlandsportfolio liegt bei 11 Prozent.

Branchenkompetenz der Commerzbank
Aufgrund ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit rund 70.000 Unternehmen im In – und Ausland verfügt die Commerzbank über eine starke Branchenkompetenz in allen Wirtschaftsbereichen. Sie gibt regelmäßig Branchenreports heraus und bietet Veranstaltungen zu Schwerpunktthemen an. In der Corona-Krise hat sie ihre Kunden zum einen mit Krediten versorgt, gleichzeitig stand sie im intensiven Austausch mit ihren Firmenkunden über alle Aspekte der Krisenbewältigung.

Bewertung Commerzbank-Branchen-Insight: deutsche Maschinen- und Anlagenbauer kommen verhältnismäßig gut durch Corona-Krise.

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