Abgeltungssteuer + Erbschaftsteuer: muss das sein?

Erträge von Wertpapieren unterliegen in der Regel der Abgeltungssteuer. Daran haben sich die meisten gewöhnt. Aber wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, müssen die Erben sogar auf diese Gewinnbeteiligung des Staates Erbschaftsteuer zahlen.

Wer ein Wertpapierportfolio erbt, wird von einem oft überrascht. Das Finanzamt will manchmal gleich zweimal einen Anteil. Einerseits gilt der Verkehrswert am Todestag als Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer. Andererseits müssen bei den Erträgen grundsätzlich noch mindestens 25 Prozent Abgeltungssteuer abgezogen werden.

Das heißt, im Depot steckt abzuführende Abgeltungssteuer, auf die trotzdem Erbschaftsteuer anfällt. Das folgende Beispiel zeigt, dass hier nicht unerhebliche Summen zusammenkommen können. Angenommen ein Wertpapierdepot von 500.000 Euro erwirtschaftet nach Kosten jährlich drei Prozent Rendite. Das entspricht in 20 Jahren einem Zuwachs von etwa 400.000 Euro. Hierin stecken rund 100.000 Euro Abgeltungssteuer. Erbt jetzt zum Beispiel eine Nichte das Depot, läge der Erbschaftsteuersatz bei 30 Prozent. Sie trifft damit eine zusätzliche Besteuerung von 30.000 Euro auf die Abgeltungssteuer. Klingt das für Sie nach einer verfassungswidrigen Doppelbesteuerung? Ist es nicht, urteilte erst letztes Jahr das Finanzgericht Münster. Erbschaftsteuer und Einkommensteuer sind zwei unterschiedliche Tatbestände und diese Doppelbelastung ist damit nicht unbillig.

Investmentpolice bietet eine Lösung

Wer vorausschauend reagiert, muss das jedoch nicht hinnehmen. Manche Experten empfehlen, die Abgeltungssteuer vor dem Erbfall rechtzeitig zu realisieren oder das Vermögen möglichst schon zu Lebzeiten zu verschenken. In der Praxis passen beide Ideen für die meisten Anleger nicht. Den eigenen Todestag weiß niemand. Das Wertpapierdepot ist zudem oft ein tragender Teil der Altersvorsorge. Er sollte nicht einfach so weggegeben werden, um nicht die Sicherheit des Schenkenden im Ruhestand zu gefährden. Aber es gibt für dieses Problem eine einfache Lösung, wenn das Depot vorausschauend in einer Investmentpolice steckt. So behält der Schenkende zu Lebzeiten die Kontrolle und vermeidet für die Vermögensnachfolger die Doppelbesteuerung.

Vorteil schon während der Laufzeit der Police

In diesem Fall wirkt eine rechtliche Besonderheit. Erfolgt die Auszahlung solch einer Versicherung im Erbfall, muss auf die in diesem Rahmen angesammelten Erträge keine Abgeltungssteuer abgeführt werden. Insbesondere bei hohen Vermögen oder ungünstigen Erbschaftsteuerklassen macht es Sinn, so etwas frühzeitig einzurichten. Im angeführten Beispiel muss die Nichte dann zwar noch immer einen Erbschaftsteuersatz von 30 Prozent abziehen. Aber sie spart sich die rund 100.000 Euro, die für die Abgeltungssteuer fällig geworden wären. Allerdings ist es dafür Voraussetzung, dass die Erträge, Kursgewinne usw. bereits in der Police entstehen. Dann fällt schon während der Laufzeit keine Abgeltungssteuer an und muss bei der Auszahlung im Todesfall auch nicht mehr abgezogen werden.

Investmentpolicen eignen sich sehr gut als Instrument zur Erbschaftsplanung. Während der Laufzeit können die Besitzer auf geänderte Umstände flexibel reagieren. Zum Beispiel durch Teilschenkungen zur Ausnutzung von Freibeträgen oder das Einsetzen weiterer Erben. Im Idealfall lässt sich so – zusätzlich zur abgeltungssteuerfreien Auszahlung – sogar die Erbschaftsteuer komplett vermeiden. Der Königsweg: Durch einen Nießbrauchvorbehalt können die Altersvorsorge abgesichert, Freibeträge noch optimaler genutzt und Vermögen so frühzeitig ohne Steuerabzug übertragen werden.

Gastautor Stefan Brähler ist Geschäftsführer der Confidema GmbH und Spezialist für den Einsatz von Versicherungsstrukturen in Vermögensverwaltung und Private Banking in Oberursel. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

Depots mit Balance zählen mehr als Steuereffekte

Im Interview erklärt Carmen Bandt von der KIDRON Vermögensverwaltung GmbH in Stuttgart, warum ausgewogene Portfoliostrukturen wichtiger sind als Versuche, die Steuern auf die Erträge zu drücken.

Die Deutschen gelten als Anleger, die fast reflexartig auf Steuereffekte in ihren Depots anspringen. Können Sie das aus Ihrer Praxis als Vermögensverwalterin bestätigen?

Nun ja, im Vergleich zu früher hat das schon etwas nachgelassen. Das hat damit zu tun, dass durch die Abgeltungssteuer vieles vereinheitlicht wurde. Gleichwohl gibt es für Gold, Immobilien und andere Anlagen weiterhin Spekulationsfristen – und damit die Möglichkeit, solche Gewinne irgendwann steuerfrei zu vereinnahmen.

Erkennen Sie Muster, wenn Sie in die bestehenden Depots von Neukunden blicken?

In etlichen Depots finden sich Positionen, die vor Längerem gekauft wurden und in den roten Zahlen stehen. Ich glaube, viele Anleger scheuen sich, solche Bestände zu verkaufen, weil sie sich dann ihren Irrtum eingestehen müssten. Es gibt aber auch Investoren, die glauben, dass sich Verluste steuerlich zu ihren Gunsten auswirken.

Rendite und Risiko im passenden Verhältnis

Das stimmt nicht?

Korrekt ist, dass Verluste aus Geschäften mit Aktien, Anleihen sowie Fonds und ETF die Steuerlast mindern. Dies ist seit der Einführung der Abgeltungssteuer aber nur dann so, wenn es Erträge aus solchen Geschäften gibt, mit denen sich die Verluste verrechnen lassen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, dauerhaft Vermögen in aussichtslosen Anlagen zu binden, nur um damit die Steuerlast zu senken.

Was lässt sich da besser machen?

Wichtiger als das Steuerthema ist ein vernünftig strukturiertes und gut ausbalanciertes Portfolio. Dabei müssen Rendite und Risiko passend zu den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten des Anlegers in ein gutes Verhältnis gebracht werden. Wenn man durch eine kluge Allokation des Vermögens auf Dauer attraktive Renditen bei vertretbarem Risiko erzielt, zahle zumindest ich die Abgeltungssteuer gerne. Mit maximal 28 Prozent fällt sie nicht allzu hoch aus.

Falsch gebunkertes Geld

Worauf ist bei Rendite und Risiko zu achten?

Neben der Höhe der Rendite zählt vor allem, dass sie sich mit einem für den Anleger vertretbaren Risiko erzielen lässt. Wer wegen der Kursschwankungen nachts nicht mehr schlafen kann, hat kaum etwas von hohen Renditen. Das andere Extrem gibt es häufiger: Viele bunkern ihr Geld großteils auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten, obwohl sie mehr Risiko eingehen könnten. Damit verzichten sie unnötigerweise auf Rendite. Fazit: Sie haben weniger Geld zur Verfügung, als möglich wäre.

Was raten Sie Anlegern?

Die Basis für den Aufbau und die Bewahrung von Vermögen ist ein breit diversifiziertes Depot aus mehreren Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilien(fonds) und Cash. Wer sich das nicht allein zutraut, kann dazu einen Fachmann oder eine Fachfrau zu Rate ziehen. Dazu gehören etwa bankenunabhängige Vermögensverwalter, die mit den Kunden nach deren Vorgaben eine Vermögensstruktur entwerfen.  

Die Steuern steuern, wenn Kurse Achterbahn fahren

In diesen Tagen flattern bei vielen Anlegern die ersten Steuerbescheinigungen der Banken für das Jahr 2021 ins Haus. Das allein sorgt oftmals für Fragen zum Thema Steuern.

Hinzu kommt, dass das neue Jahr anspruchsvoll beginnt. Nach einem wackligen Start im Januar und Februar lastet nun der Krieg Russlands mit der Ukraine auf den Finanzmärkten. Manche Anleger fragen sich: Ist es sinnvoll, Verlustpositionen zu veräußern – und welche Konsequenzen hätte das für die Steuern auf die Kapitalanlagen?

Die Vermögensprofis Carmen Bandt von der KIDRON Vermögensverwaltung in Stuttgart und Robert Elster von Elster & Partner Family Office & Vermögensverwaltung in Eislingen beantworten diese und andere Fragen. Wichtig: Diese Antworten können und sollen eine steuerliche Beratung nicht ersetzen. Daher ist die Konsultation eines Steuerberaters ratsam.

Ich führe Depots bei mehreren Banken. Was kann ich tun, wenn Ende 2022 ein Depot in den roten Zahlen steht und das andere Gewinne verbucht? Lassen sich Steuern sparen?

„Wenn Sie abschätzen können, dass dies so sein wird, sollten Sie bei der Bank, die Ihr Verlustdepot führt, eine Verlustbescheinigung beantragen“, sagt Carmen Bandt. Den Antrag dazu müssen Anleger bis zum 15. Dezember stellen. Mit diesem Dokument können sie die Verluste in der Steuererklärung mit ihren Gewinnen verrechnen lassen. Der Fiskus erstattet dann die zu viel gezahlte Abgeltungssteuer.

Beschränkter Verlustausgleich

Ich hatte bei der Auswahl meiner Einzelaktien bislang ein glückliches Händchen. Mit den Fonds läuft es leider nicht so gut. Was kann ich tun?

Mit den Aktien ist es aus Sicht von Robert Elster so eine Sache. „Verluste mit Aktien dürfen Anleger bislang nur mit Gewinnen mit Aktien verrechnen. Was viele aber nicht wissen: Von den Aktiengewinnen dürfen Verluste mit anderen Anlageinstrumenten abgezogen werden“, sagt Elster. Dazu zählen zum Beispiel Fonds, ETF und Zertifikate. Führt ein Anleger nur ein Depot, sollte das die Bank automatisch regeln. Der Vermögensprofi empfiehlt aber nachzuprüfen, ob die Bank das korrekt ausgeführt hat. Wer Depots bei mehreren Instituten führt, benötigt von der Bank bis 15. Dezember eine Verlustbescheinigung. Dann können die Verluste über die Steuererklärung geltend gemacht werden.

Ich verwende global anlegende Aktienfonds und ETF, um über verschiedene Weltregionen zu streuen. Wie verhält es sich dann mit der Quellensteuer?

Anleger, die einen globalen Ansatz fahren, machen aus Sicht von Carmen Bandt vieles richtig. Jedoch ist zu beachten: „Wer zum Beispiel in US-Titel investiert, zahlt auf Dividenden und Zinsen Quellensteuer“, so die Vermögensexpertin. Diese Steuer wird so genannt, weil sie direkt an der Quelle, sprich im Ausland, entrichtet wird. Ihre Höhe variiert von Land zu Land und liegt in den USA bei 30 Prozent. Durch Abkommen wird sie aber in der Regel auf 15 Prozent begrenzt. In dieser Höhe können sich Anleger nach Bandts Worten die Quellensteuer vom deutschen Fiskus auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen, wenn sie die Anlage KAP der Steuererklärung entsprechend ausfüllen. Die nötigen Informationen finden sich in der Jahressteuerbescheinigung der Bank unter „anrechenbare, aber noch nicht angerechnete Quellensteuer“.

Bundesfinanzhof könnte Vorschrift kippen

Ich finde es unfair, dass Anleger ihre Verluste mit Aktien nur mit Aktiengewinnen verrechnen dürfen. Muss man das hinnehmen?

Bislang ist das noch der Fall, aber das könnte sich ändern. „Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) ist ein Verfahren zu dem Thema anhängig. Falls der BFH im Sinne der Anleger entscheidet, könnte diese Vorschrift sogar rückwirkend gekippt werden“, sagt Robert Elster. Davon können aber nur jene Aktienanleger profitieren, die gegen ihren Steuerbescheid mit Hinweis auf das Verfahren Einspruch eingelegt haben. Das Aktenzeichen lautet VIII R 11/18.

Ich möchte Aktienfonds, die ich vor 2009 gekauft habe, zu Lebzeiten an meine Erben verschenken. Müssen sie dann Abgeltungssteuer zahlen?

Mit dem sogenannten Investmentsteuer-Reformgesetz hat der Gesetzgeber die Grundlagen für Fonds geändert. „Seither fällt auch auf Fondsanteile, die Anleger vor 2009 gekauft haben, die Abgeltungssteuer an. Allerdings gibt es einen Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger für Gewinne mit Investmentfonds und ETF“, erklärt Robert Elster. Wenn ein Anleger diesen Freibetrag noch nicht ausgeschöpft hat, zahlen dessen Erben bzw. die Beschenkten später keine Steuern. „Erst für Gewinne oberhalb dieser 100.000 Euro wird Abgeltungssteuer fällig“, sagt der Vermögensverwalter. Wie bei einer Immobilie begründet eine Schenkung oder Erbschaft steuerrechtlich keine Anschaffung. Entscheidend ist, wann die Anteile am Markt erworben wurden.

Steuerfrei nach der Spekulationsfrist

Ich habe vor einiger Zeit physisches Gold, aber auch Xetra-Gold als besichertes Zertifikat gekauft. Nach den neuen Höchstkursen denke ich über einen Teilverkauf nach. Wie sieht das steuerlich aus?

Gewinne, die Anleger beim Verkauf von physischem Gold oder besicherten Zertifikaten wie Xetra-Gold erzielen, unterliegen nicht der Abgeltungssteuer. „Diese Gewinne werden stattdessen mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert – dies aber nur, wenn das Gold bzw. Zertifikat weniger als ein Jahr lang gehalten wurde“, sagt Carmen Bandt. Solche Gewinne sind in der Steuererklärung unter „sonstige Gewinne“ (Anlage SO) anzugeben. Nachdem die sogenannte Spekulationsfrist von einem Jahr vergangen ist, sind Verkaufsgewinne steuerfrei.

Ich habe beim kurzfristigen Handel mit Bitcoins einen hübschen Gewinn erzielt. Was ist hier steuerlich zu beachten?

Beim Handel mit Bitcoin handelt es sich um ein privates Veräußerungsgeschäft wie beim Gold. „Wenn die Bitcoins kürzer als ein Jahr gehalten wurden, fällt auf den Gewinn der persönliche Einkommensteuersatz an“, erklärt Robert Elster. Dies geschieht aber nur, wenn ein Anleger mit allen privaten Veräußerungsgeschäften mehr als 599 Euro Gewinn pro Jahr und Person erzielt hat. Dazu gehören auch Gewinne mit Fremdwährungen, Schmuck, Oldtimern und Kunstgegenständen.

Mehr Informationen zu Fragen rund um Geldanlage & Steuern bietet das V-Check-Booklet „Damit Ihre Geldanlage gelingt: Ihr Kompass durch den Steuerdschungel“ von Jürgen Lutz.

Upreger des Monats: 800 Euro für einen Monat Gas

Beim „Upreger des Monats“ geht es um Aufreger aus dem Beratungsalltag. Hier erhielt ein Verbraucher eine Rechnung von mehr als 800,00 € für die Belieferung mit Gas – für einen Monat!

  • Ein Verbraucher soll nach unerwarteter Einstellung der Belieferung durch seinen Gasversorger für nur einen Monat in der Ersatzversorgung beim Grundversorger in Niedersachsen mehr als 800,00 € zahlen
  • Einige Grundversorger differenzieren aufgrund der steigenden Einkaufspreise bei ihren Tarifen mittlerweile zwischen Neu- und Bestandskund:innen. Der Bremer Grundversorger beteiligt sich nicht an dieser Praxis
  • Eine gesetzliche Regelung, die es den Versorgungsunternehmen verbietet, für Neukund:innen andere Tarife anzubieten als für Bestandskund:innen gibt es leider nicht, ist aber dringend nötig

„Leider kommen momentan vermehrt Verbraucher:innen in unsere Beratung und beschweren sich über die Energieversorger“, sagt Sonja Welzel, Verbraucherrechtsberaterin der Verbraucherzentrale Bremen. Dabei betreffen die Beschwerden nicht nur die zuletzt vielfach rechtswidrig ausgesprochenen Kündigungen und unwirksamen Preiserhöhungen, sondern auch die Tarifgestaltung bei den Grundversorgern. „Grundversorger sind die – kurz gesagt – großen Versorgungsunternehmen vor Ort, die die Verbraucher:innen auffangen sollen, wenn sie nicht mehr anderweitig mit Strom oder Gas beliefert werden. Einige Grundversorger differenzieren aufgrund der steigenden Einkaufspreise bei ihren Tarifen mittlerweile zwischen Neu- und Bestandskund:innen. Der Bremer Grundversorger beteiligt sich nicht an dieser Praxis“, erklärt Sonja Welzel.

Worum geht es?

Ein Verbraucher erhält unerwartet die Mitteilung seines Gasversorgers, dass dieser bereits vor einigen Tagen die Belieferung mit Gas an ihn eingestellt habe und er sich nun bei seinem örtlichen Grundversorger in Niedersachsen in der Ersatzversorgung befinde. Der Verbraucher ärgert sich sehr darüber, denn schließlich hatte er den Energieanbieter gewechselt, weil er besonders günstig war und seiner Erinnerung nach sein örtlicher Energieversorger teurer war.

„Nach drei Monaten wechseln Verbraucher:innen von der Ersatzversorgung automatisch in die Grundversorgung bei ihrem lokalen Grundversorger, wenn sie keinen anderweitigen Belieferungsvertrag abschließen“, erklärt Sonja Welzel. „Natürlich fallen auch hier Kosten wie ein Grundpreis oder ein Arbeitspreis an.“

Über letzteren musste sich unser Verbraucher ebenfalls sehr ärgern, als er schließlich Post von seinem Grundversorger bekam. Der Verbraucher hatte zwar nach rund einem Monat von der Ersatzversorgung zu einem anderen Gasanbieter gewechselt und dort wieder einen Sondervertrag abgeschlossen; gleichwohl verlangte der Grundversorger mehr als 800,00 € für die einmonatige Belieferung mit Gas!

Was ist passiert?

Der örtliche Grundversorger hat von dem Verbraucher zum einen einen deutlich höheren Arbeitspreis verlangt als der ursprüngliche Vertragspartner des Verbrauchers; zum anderen hat der Grundversorger gegenüber dem Verbraucher als Neukunde einen deutlich höheren Arbeitspreis geltend gemacht als gegenüber den Bestandskunden.

Rechtliche Einordung

Rechtlich ist umstritten, ob die differenzierten Preise für Neu- und Bestandskund:innen zulässig sind. „Wir gehen derzeit davon aus, dass die unterschiedlichen Preise für Neukund:innen und Bestandskund:innen unzulässig sind“, sagt Sonja Welzel. „Die Rechtsprechung dazu ist jedoch uneinheitlich. Aus unserer Sicht ist daher der Gesetzgeber gefragt“. Erfreulich ist, dass derzeit eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnwG) in Rede steht. „Welche Änderungen letzten Endes tatsächlich umgesetzt werden, ist jedoch noch offen“, so Sonja Welzel.

Tipps der Verbraucherzentrale Bremen

  1. Verbraucher:innen, die Neukund:innen sind und zu deutlich schlechteren Konditionen mit Energie beliefert werden als Bestandskund:innen, sollten dies nicht einfach hinnehmen
  2. Verbraucher:innen sollten dem Energieversorger mitteilen, dass sie die Preisdifferenzierung für unzulässig halten, Belieferung zu denselben Bedingungen fordern und den abweichenden Preis nur „unter Vorbehalt“ zahlen
  3. Die Zahlungen sollten Verbraucher:innen jedoch nicht einstellen, denn in diesem Fall könnte der Energieversorger seine Forderungen als nicht erfüllt betrachten und Strom oder Gas sperren
  4. Darüber hinaus können Verbraucher:innen unter Umständen auch Schadenersatzansprüche gegenüber dem ursprünglichen Energieanbieter geltend machen. Hier finden sie weitere Informationen dazu.

Verbraucher:innen, die als Neukund:innen in die Ersatz- oder Grundversorgung kommen, müssen die differenzierten Preise nicht ohne weiteres hinnehmen, sondern können durchaus auf Belieferung zu denselben Konditionen wie Bestandskund:innen bestehen. Derzeit gibt es jedoch ein gewisses Prozessrisiko, weshalb sie die Zahlungen zunächst „unter Vorbehalt“ leisten sollten. Es ist zu hoffen, dass der Gesetzgeber kurzfristig eine eindeutige Rechtslage schafft.

ARAG – Kuriose Rechtsfälle: Gerichtsurteile zum Schmunzeln

Wenn der Arzt zum Cannabis-Dealer wird
Ist es aus ärztlicher Sicht geeignet und erforderlich, dürfen Ärzte ihren Patienten seit 2017 Cannabis verschreiben. Diese Änderung des Betäubungsmittelgesetzes machte sich ein Arzt zu eigen und verschrieb munter drauf los. Allerdings ohne eigene Untersuchung und Diagnose. Seine vermeintlichen Patienten traf er zur Übergabe des Rezeptes in Cafés und Restaurants und ließ sich jedes Rezept teuer bezahlen. Insgesamt verdiente er auf diese Weise mit über 500 Fällen knapp 50.000 Euro. Da er nach Auskunft der ARAG Experten jedoch geständig war, Reue zeigte und auf seine Approbation freiwillig verzichtete, muss er lediglich für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Ob ihn das Berufsverbot mit 68 Jahren schert, bleibt fraglich.

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