Abgeltungssteuer + Erbschaftsteuer: muss das sein?

Erträge von Wertpapieren unterliegen in der Regel der Abgeltungssteuer. Daran haben sich die meisten gewöhnt. Aber wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, müssen die Erben sogar auf diese Gewinnbeteiligung des Staates Erbschaftsteuer zahlen.

Wer ein Wertpapierportfolio erbt, wird von einem oft überrascht. Das Finanzamt will manchmal gleich zweimal einen Anteil. Einerseits gilt der Verkehrswert am Todestag als Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer. Andererseits müssen bei den Erträgen grundsätzlich noch mindestens 25 Prozent Abgeltungssteuer abgezogen werden.

Das heißt, im Depot steckt abzuführende Abgeltungssteuer, auf die trotzdem Erbschaftsteuer anfällt. Das folgende Beispiel zeigt, dass hier nicht unerhebliche Summen zusammenkommen können. Angenommen ein Wertpapierdepot von 500.000 Euro erwirtschaftet nach Kosten jährlich drei Prozent Rendite. Das entspricht in 20 Jahren einem Zuwachs von etwa 400.000 Euro. Hierin stecken rund 100.000 Euro Abgeltungssteuer. Erbt jetzt zum Beispiel eine Nichte das Depot, läge der Erbschaftsteuersatz bei 30 Prozent. Sie trifft damit eine zusätzliche Besteuerung von 30.000 Euro auf die Abgeltungssteuer. Klingt das für Sie nach einer verfassungswidrigen Doppelbesteuerung? Ist es nicht, urteilte erst letztes Jahr das Finanzgericht Münster. Erbschaftsteuer und Einkommensteuer sind zwei unterschiedliche Tatbestände und diese Doppelbelastung ist damit nicht unbillig.

Investmentpolice bietet eine Lösung

Wer vorausschauend reagiert, muss das jedoch nicht hinnehmen. Manche Experten empfehlen, die Abgeltungssteuer vor dem Erbfall rechtzeitig zu realisieren oder das Vermögen möglichst schon zu Lebzeiten zu verschenken. In der Praxis passen beide Ideen für die meisten Anleger nicht. Den eigenen Todestag weiß niemand. Das Wertpapierdepot ist zudem oft ein tragender Teil der Altersvorsorge. Er sollte nicht einfach so weggegeben werden, um nicht die Sicherheit des Schenkenden im Ruhestand zu gefährden. Aber es gibt für dieses Problem eine einfache Lösung, wenn das Depot vorausschauend in einer Investmentpolice steckt. So behält der Schenkende zu Lebzeiten die Kontrolle und vermeidet für die Vermögensnachfolger die Doppelbesteuerung.

Vorteil schon während der Laufzeit der Police

In diesem Fall wirkt eine rechtliche Besonderheit. Erfolgt die Auszahlung solch einer Versicherung im Erbfall, muss auf die in diesem Rahmen angesammelten Erträge keine Abgeltungssteuer abgeführt werden. Insbesondere bei hohen Vermögen oder ungünstigen Erbschaftsteuerklassen macht es Sinn, so etwas frühzeitig einzurichten. Im angeführten Beispiel muss die Nichte dann zwar noch immer einen Erbschaftsteuersatz von 30 Prozent abziehen. Aber sie spart sich die rund 100.000 Euro, die für die Abgeltungssteuer fällig geworden wären. Allerdings ist es dafür Voraussetzung, dass die Erträge, Kursgewinne usw. bereits in der Police entstehen. Dann fällt schon während der Laufzeit keine Abgeltungssteuer an und muss bei der Auszahlung im Todesfall auch nicht mehr abgezogen werden.

Investmentpolicen eignen sich sehr gut als Instrument zur Erbschaftsplanung. Während der Laufzeit können die Besitzer auf geänderte Umstände flexibel reagieren. Zum Beispiel durch Teilschenkungen zur Ausnutzung von Freibeträgen oder das Einsetzen weiterer Erben. Im Idealfall lässt sich so – zusätzlich zur abgeltungssteuerfreien Auszahlung – sogar die Erbschaftsteuer komplett vermeiden. Der Königsweg: Durch einen Nießbrauchvorbehalt können die Altersvorsorge abgesichert, Freibeträge noch optimaler genutzt und Vermögen so frühzeitig ohne Steuerabzug übertragen werden.

Gastautor Stefan Brähler ist Geschäftsführer der Confidema GmbH und Spezialist für den Einsatz von Versicherungsstrukturen in Vermögensverwaltung und Private Banking in Oberursel. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

Planungssicherheit bei den Zinsen schaffen

Wer trotz steigender Zinsen und Baukosten jetzt in eine Immobilie investieren will oder bereits in Planung hat, dem rät Ingo Schweitzer von der AnCeKa Vermögensbetreuungs AG, sich unbedingt die aktuellen Zinsen zu sichern und einen ausreichenden Risikopuffer einzuplanen.

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Was können Immobilieninvestoren angesichts steigender Zinsen tun?

Vieles spricht dafür, dass die Inflationsrate erst einmal hoch bleiben wird, weshalb die Zinsen weiter nach oben gehen müssen. In diesem Umfeld rate ich, das aktuelle Zinsniveau zu sichern.

Wie funktioniert das?

Wer einen Kreditvertrag unterschrieben hat, hat meistens sechs Monate Zeit, ihn in Anspruch zu nehmen. So lange wird von der Bank keine Bereitstellungsprovision berechnet. Allerdings sollte das Objekt wirklich erworben werden. Der Kreditvertrag ist unabhängig von der Immobilie und kann dann nur noch mit einer Vorfälligkeitsentschädigung wieder aufgelöst werden.

Wie sieht es mit laufenden Krediten aus, die demnächst fällig werden?

Da sichert sich der Bauherr die aktuellen Bauzinsen zum Fälligkeitstag schon heute. Dann kommt pro Monat ein Aufschlag von derzeit rund 0,05 Prozentpunkten auf den aktuellen Zins dazu. Nach sechs Monaten wären das rund 0,3 Prozentpunkte mehr. Bei einem Kredit mit zehnjähriger Zinsbindung hätte man sich aktuell einen Zins von rund zwei Prozent gesichert.

Das lohnt sich also nur, wenn der Zins in sechs Monaten bei über zwei Prozent steht…

Ja, so ist es. Das halte ich aktuell nicht für ausgeschlossen. Es ist eine Frage der Planungssicherheit und die bekommt ein Immobilieninvestor damit. Schließlich geht es um die Existenz und da sollte man besser keine Risiken eingehen. Das gilt auch bei der Anschlussfinanzierung eines laufenden Kredits mit Hilfe eines Forward Darlehens.

Gibt es sonst noch Alternativen wie die variable Verzinsung eines Kreditteils?

Da die sichere Planungsgrundlage für die Zukunft an erster Stelle stehen sollte, rate ich von einer variablen Verzinsung gerade im aktuellen Umfeld ab. Das gilt ebenfalls für die Finanzierung in Fremdwährung. Auch sie birgt Unsicherheiten in Form von Währungsschwankungen.

Wie kann ich mich sonst noch absichern?

Durch eine vorausschauende Planung. Am Ende der Laufzeit meines Kredits habe ich eine Restschuld, die ich heute schon kenne. Die Annuität, also Zins plus Tilgung, für den Restkredit sollte ich mit sechs bis acht Prozent einkalkulieren. Der Immobilieninvestor sollte sich also recht sicher sein, dass er in der Lage ist, diesen Restkredit mit einer höheren Kreditrate bedienen zu können.

Was raten Sie grundsätzlich, wenn man aktuell an den Kauf oder den Bau einer Immobilie denkt?

Ich würde die Finger davon lassen. Das gilt insbesondere für Investitionen in gebrauchte Wohnungen oder Häuser, weil hier noch durch die energetischen Auflagen zusätzliche Kosten entstehen. Lediglich zur Eigennutzung kann man aktuell noch in Immobilien investieren.

Geldanlage; Wünsche variieren, aktuelle Forsa-Umfrage

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Geld einen positiven Beitrag leisten: für das Klima, die Umwelt oder Soziales. Doch was wünschen sich die Verbraucher:innen dabei genau? Das wollte die Verbraucherzentrale Bremen wissen und startete eine repräsentative Forsa-Umfrage zu nachhaltigen Geldanlagen.

  • Aktuelle Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Bremen: Interesse an nachhaltigen Geldanlange seit 2013 gestiegen – besonders bei den Jüngeren
  • Stärkere Nennung von ökologischen Themen bei Ausschlusskriterien und Investitionen
  • Forderung nach mehr Nachhaltigkeit bei Altersvorsorgeprodukten
  • Beste Beratung bei Verbraucherzentrale erwartet

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Geld einen positiven, sprich nachhaltigen, Beitrag leisten: für das Klima, die Umwelt oder ethische beziehungsweise soziale Themen. „Der Klimawandel, die Corona-Pandemie und der Krieg gegen die Ukraine haben einen starken Einfluss auf diesen Trend“, erklärt Anke Behn, Expertin für nachhaltige Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Wie hat sich das Interesse, der Besitz und die Wünsche der Verbraucher:innen zu solchen Produkten seit November 2013 verändert? Die Verbraucherzentrale Bremen hat nachgefragt und die damals erstmalig durchgeführte Befragung mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa wiederholt.

Das Ergebnis: die am meiste genutzte Geldanlage ist immer noch die festverzinsliche Sparanlage. 38 Prozent der Befragten besitzen sie – deutlich weniger als in 2013. „Gewinner im Vergleich zu diesen klassischen Anlageformen sind risikoreichere Geldanlagen wie Aktien oder Fonds und ETFs“, sagt Anke Behn. Sie legen im Anlageverhalten deutlich zu – vermutlich aufgrund der bisherigen Niedrigzinspolitik.

Trend geht zur nachhaltigen Geldanlage

Aktuell besitzt die Mehrheit der Befragten noch keine nachhaltige Geldanlage. Allerdings ist der Anteil derer, die ihr Geld nachhaltig anlegen, gegenüber 2013 deutlich von fünf auf 22 Prozent gestiegen.
Die Hälfte derjenigen, die noch keine nachhaltige Geldanlage besitzen, äußert generelles Interesse an dieser Anlagemöglichkeit – ebenfalls eine deutliche Steigerung gegenüber 2013. Darunter sind die 18- bis 29-Jährigen am meisten interessiert.

Ausschluss und gezielte Investition

Der Kern der Befragung ist, welche Branchen und Verhaltensweisen von Unternehmen für nachhaltige Geldanlagen ausgeschlossen oder aber gezielt ausgewählt werden sollten.
Sowohl in 2013 als auch in 2022 nannten die Befragten den Ausschluss von Waffen- und Rüstung, ausbeuterische Kinderarbeit sowie den Wunsch nach guten Arbeitsbedingungen an erster Stelle.
Anke Behn sagt: „Interessant ist, dass es eine Verlagerung hin zu den ökologischen Themen gibt.“ Die gesellschaftlichen und sozialen Themen rücken in 2022 etwas in den Hintergrund. So wird bei den Erwartungen an gezielte Investitionen das Hauptthema aus 2013, die Armutsbekämpfung, bei der aktuellen Befragung von den Erneuerbaren Energien abgelöst.

„Abzuwarten bleibt, wie sich das weiterentwickelt. Ob sich zum Beispiel der Krieg gegen die Ukraine und die dadurch ausgelöste Sicherheits- und Energiedebatte auf das Verständnis von Nachhaltigkeit und somit auf die Kriterien von nachhaltigen Geldanlagen weiter auswirkt,“ sagt Anke Behn. Die Befragung fand vom 24. Januar bis 4. Februar 2022 statt, also vor Ausbruch des Angriffskrieges.

Mehr Nachhaltigkeit bei Altersvorsorgeprodukten gefordert

Auch bei Altersvorsorgeprodukten wünscht sich über die Hälfte der Finanzentscheider (58 Prozent), dass Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften bei der Beitragsanlage generell Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen sollten.

„Die Verbraucherzentrale fordert seit Jahren die verbindliche Einhaltung bestimmter ethischer, sozialer und ökologischer Mindeststandards bei Finanzprodukten bei allen staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten“, erklärt Anke Behn. Der Gesetzgeber könnte durch Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien über für staatlich geförderte Finanzprodukte den Markt positiv beeinflussen.

Beratung zur Nachhaltigkeit

Aufgrund gesetzlicher Änderungen müssen in Wertpapierberatungsgesprächen ab August 2022 die Nachhaltigkeitspräferenzen von Anlegern abfragt werden. Fast drei Viertel der Befragten finden das gut. „Abzuwarten bleibt, wie die Anbietenden mit dieser Verpflichtung im Alltag dann tatsächlich umgehen“, gibt Anke Behn zu bedenken.

Die beste Beratung zu nachhaltiger Geldanlage erwarten die Befragten aktuell von den Verbraucherzentralen, gefolgt von ihrer Hausbank. Die Verbraucherzentrale Bremen hat die Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien seit vielen Jahren in ihre Beratungsgespräche zur Geldanlage und Altersvorsorge integriert. Sie bietet eine spezielle Beratung für alle an, die sich ganz genau damit beschäftigen möchten.

Interessierte Verbraucher:innen finden erste Informationen dazu auf dem Internetportal der Verbraucherzentrale „Geld bewegt“. „Wer investieren möchte, kann sich darüber hinaus gerne persönlich bei uns beraten lassen“, empfiehlt Anke Behn.

Informationen zur Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte via forsa.omninet-Panel vom 24. Januar bis 4. Februar 2022 insgesamt 1002 Personen ab 18 Jahren, die in ihrem Haushalt über Finanzen entscheiden und aus einem nach Alter, Geschlecht und Region repräsentativen Panel gezogen und entsprechend dieser Merkmale sowie Bildung gewichtet wurden.

Rentner brauchen dringend Entlastung wegen steigender Energiepreise
  • VdK fordert Energiepreispauschale von 300 Euro wie für Arbeitnehmer
  • Bentele: „Geld sollte als Aufschlag auf die Rente direkt ausgezahlt werden“

Die Chefs der Wirtschaftsforschungsinstitute DIW und IW fordern, dass die geplante Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro auch für Rentnerinnen und Rentner gilt und greifen damit eine Forderung des Sozialverbands VdK auf.

VdK-Präsidentin Verena Bentele sagt dazu:

„Wir freuen uns, dass die Wirtschaftsforscher von DIW und IW eine Forderung des Sozialverbands VdK aufgreifen. Bei der Energiepreispauschale von 300 Euro für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die der VdK begrüßt, vergisst die Koalition wieder einmal die Rentnerinnen und Rentner. Sie dürfen nicht leer ausgehen. Denn gerade Seniorinnen und Senioren mit kleinen Renten sind besonders auf das Geld angewiesen, weil sie am Ende des Monats nicht mehr wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Die Preissteigerungen sind für diese Menschen ein großes Problem. Deshalb fordert der VdK einen Aufschlag auf die Rente von 300 Euro, der direkt ausgezahlt wird.

Neben den Rentnerinnen und Rentnern bleiben im Entlastungspaket weitere Personen unberücksichtigt. Dazu gehören Menschen mit Behinderung, die nicht steuerpflichtig arbeiten, sowie Erwerbsminderungsrentnerinnen und -Rentner. Aber auch Frauen gehen leer aus, die nicht oder nur im 450-Euro-Job arbeiten, um Kinder und Pflegebedürftige versorgen zu können. Diese Menschen müssen genauso Heizkosten zahlen und leiden besonders unter den steigenden Energiepreisen.“

Welche Form der Altersvorsorge verliert?

Die Lebensversicherung unterliegt einem starken Wandel. Die Marktbedingungen verändern das Angebotsspektrum und bringen derzeit die Verlierer deutlich zum Vorschein. Vor allem Altersvorsorgeprodukte sind stark betroffen.

Diese Einschätzung trifft das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen und zeigt die aktuellen Entwicklungen in der Altersvorsorge auf.

Es verweist auf die vielen Tarifanpassungen der Lebensversicherer Anfang des Jahres. Insbesondere die Senkung des Rechnungszinses auf nur noch 0,25 Prozent war dafür der Auslöser. Sie verstärkte die Abkehr von der 100-prozentigen Beitragsgarantie in den unterschiedlichen Tarifarten der Altersvorsorge nach Beobachtung von Morgen & Morgen noch weiter. „Für den Markt bedeutet das eine Neuordnung und einen damit einhergehenden Verlust an Tarifvielfalt“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Viele geförderte Produkte der Altersvorsorge wurden eingestellt

Die steuerlich geförderten Rentenprodukte unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben. Hierzu gehören Vorschriften zum Beitragserhalt sowie zu den Kapitalanlageoptionen. „In diesem Rahmen sind die Produktgeber wenig flexibel, was in der aktuellen Kapitalmarktsituation und dem damit verbundenen niedrigen Rechnungszins dazu führt, dass die Finanzierbarkeit oftmals nicht mehr gegeben ist und viele Anbieter ihre Produkte einstellen“, zieht Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik, eine erste Bilanz.

Angebotsdelle bei den Basisrenten

Für die Tarife der Basisrente wurde die Beitragsgarantie im Zuge der neuen Kalkulation auf unter 100 Prozent gesenkt. Sie hat sich nach den Beobachtungen des Analysehauses bei ca. 80 Prozent eingependelt. Klassische Basisrenten werden kaum noch angeboten, sie seien aufgrund sinkender Beitragsgarantien und fehlender Partizipation an den Chancen der Kapitalmärkte nicht mehr attraktiv. „Einige Tarife müssen momentan im Nachgang an die Neukalkulation zudem an die Logik der Basisrenten angepasst werden. Andere hängen derzeit noch in den Freigabeprozessen hinsichtlich der PIA-Klassifizierungen“, informiert das Unternehmen. Das Angebot verzeichne daher aktuell eine vorübergehende Delle.

Riester-Rente ist der klare Verlierer

Die Riester-Rente gehöre dagegen klar zu den Verlierern. Viele Anbieter haben ihre Riester-Produkte eingestellt. Eine Handvoll bietet nach wie vor diese steuerlich geförderte Rentenform an. Die Kosten einer 100 Prozent Beitragsgarantie seien jedoch kaum noch finanzierbar und anfallende Vertriebskosten schwer darstellbar. „Daher gehen manche Anbieter dazu über, Riester-Verträge nur noch als Honorartarife anzubieten. Hier sind die Kosten für den Anbieter niedriger. Es müssen keine Abschlusskosten für die ersten Jahre der Vertragslaufzeit einkalkuliert werden, die es erschweren, eine 100 Prozent Beitragsgarantie zu sichern“, beschreibt Morgen & Morgen eine Ausweichreaktion am Markt.

Fokus nun auf 80 Prozent Beitragsgarantie

Ungeförderte Rentenprodukte können Versicherer dagegen wesentlich flexibler gestalten. Allerdings hat das Analysehaus auch bei ihnen „produktspezifische Korsetts“ beobachtet, zum Beispiel wenn sie in der betrieblichen Altersversorgung eingesetzt werden sollen. Auch hier können die Anbieter eine 100prozentige Beitragsgarantie nicht mehr liefern. Damit ist eine Direktversicherung für die arbeitsrechtliche Beitragszusage mit Mindestleistung nicht mehr umsetzbar.

Die Privatrente dagegen sei mit ihren unterschiedlichen Ausprägungsformen und Konstrukten hinsichtlich Garantien und Partizipation an den Chancen der Kapitalmärkte sehr flexibel. Aber auch hier sind die maximalen Garantiehöhen gesunken. Der Fokus liegt jetzt auf 80 Prozent Garantie. Er rückt jedoch zunehmend in Richtung fondsgebundene Produkte ohne Garantie. Klassische Rentenversicherungen werden kaum mehr angeboten.

 

Frauen als Investoren: mehr Power als oft vermutet

Die Einkommenslücke und andere Hürden führen immer noch dazu, dass Frauen bei der Geldanlage weniger dominant auftreten als Männer. Aber jene, die am Kapitalmarkt unterwegs sind, präsentieren mehr Power, als die üblichen Statistiken erwarten lassen. Außerdem gibt es hoffnungsvolle Signale, dass sich Frauen künftig stärker als Investorinnen betätigen.

Frauen in Deutschland, die regelmäßig investieren, legen durchschnittlich 932 Euro pro Monat an. Das sind 31 Prozent ihres monatlichen Einkommens.

Diese überraschend hohen Zahlen ergab eine repräsentative Befragung der mobilen Bank N26. Außerdem lässt die Studie von N26 gehörige Dynamik in naher Zukunft erwarten. Zwei von drei Investorinnen wollen ihre Kapitanlagen weiter aufstocken, im Durchschnitt auf 1.434 Euro im Monat. Das wären dann sogar 37 Prozent des Einkommens. Wer die allgemeinen Sparquoten in Deutschland kennt, staunt über die hohen Werte. Allerdings gehen diese durchschnittlichen Sparbeträge nicht auf alle Frauen zurück, sondern gelten nur für die Gruppe der Investierten. Von den 2.000 Befragungsteilnehmerinnen legte nur die Hälfte regelmäßig Geld zurück. Die andere war überhaupt nicht investiert.

Kreis der Investorinnen könnte wachsen

Zum Vergleich erhob die Umfrage die entsprechenden Werte auch für die Männer. Da kamen die investierten Männer auf 1.331 Euro monatlich im Durchschnitt. Nicht nur der höhere Sparbetrag der Männer macht auf ein Ungleichgewicht bei der Geldanlage aufmerksam, sondern auch die vorherrschende Einstellung dazu. So ergab die Umfrage, dass immer noch eine große Mehrheit die Geldanlage als von Männern dominiert wahrnimmt. Nur 14 Prozent der Befragten sahen dies anders. Veränderung ist allerdings in Sicht: Etwas mehr als jede zweite Frau, die bisher nicht investiert ist, denkt zumindest darüber nach, künftig selbst Geld anzulegen. Der Kreis der Investorinnen könnte also wachsen.

Ein Vorurteil gerät ins Wanken

Überraschungen enthielten auch die Angaben zu den von Frauen gewählten Anlageformen. Neben Versicherungsprodukten zum Beispiel für die Altersvorsorge (34 Prozent) lagen Bankprodukte wie Sparkonten an der Spitze (33 Prozent). Gleich dahinter kommen allerdings schon die Kryptowährungen mit 26 Prozent, gefolgt von Immobilien und ETF mit jeweils 23 Prozent. Die respektable Verbreitung von Kryptowährungen in den Portfolios der Investorinnen lässt die Ansicht, Frauen seien bei der Kapitalanlage viel konservativer als Männer, ein wenig ins Wanken geraten.

Fehlendes Einkommen als Haupthindernis

Interessant sind auch die Gründe für den Rückstand der Frauen bei der Kapitalanlage. Sowohl Frauen, die bereits investieren, als auch jene, die einen Einstieg in Betracht ziehen, nennen fehlendes verfügbares Einkommen als größtes Hindernis dafür, nicht (mehr) zu investieren (44 Prozent beziehungsweise 50 Prozent). Ein Viertel der Anlegerinnen nennt Risikoaversion und Unsicherheit über die zukünftige eigene finanzielle Stabilität als Grund (jeweils 26 Prozent). Knapp dahinter folgt aus aktuellem Anlass die Sorge über die gegenwärtige oder eine mögliche künftige Pandemie.

Offenere Gespräche übers Geld gewünscht

Für Frauen, die den Schritt an den Kapitalmarkt noch nicht gewagt haben, sind unzureichende Kenntnisse (40 Prozent) und Risikoaversion (24 Prozent) die größten Bremsen. Auf die Frage, was ihnen bei einem Einstieg in die Geldanlage helfen würde, wünschte sich ein Viertel offenere Gespräche über die Vorteile und Risiken des Investierens. 22 Prozent gaben an, dass es nützlich wäre, wenn andere Frauen offener über das Thema sprechen. Mangelndes Wissen wird zumindest bei den aktiven Geldanlegerinnen nicht als Problem angesehen. 84 Prozent fühlen sich bei ihren Anlageentscheidungen sicher. Aber nur die Hälfte fühlt sich mit den Investitionen vertraut. Wie diese beiden Einschätzungen zusammenpassen, das bleibt das Geheimnis der Frauen.

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