Corona-Hilfsangebote kamen nicht bei allen an

Eine Studie betrachtet die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf private Haushalte von Erwerbstätigen und zeigt, von wem Corona-Hilfsangebote genutzt wurden oder aber, warum nicht.

Knapp ein Viertel der Haushalte (24,3 Prozent) in Deutschland gab bei einer Befragung im Rahmen einer Studie an, während der Corona-Krise Verluste beim Nettohaushaltseinkommen verzeichnet zu haben.

Bei zusätzlicher Einbeziehung von Vermögensverlusten steigt der prozentuale Anteil aller betroffenen Haushalte sogar auf knapp 43 Prozent. Davon haben rund 16 Prozent verschiedene von Bund oder Ländern initiierte Corona-Hilfsangebote genutzt. Insgesamt hat knapp jeder zehnte Privathaushalt (9,2 Prozent) in Deutschland mindestens eines der Corona-Hilfsangebote in Anspruch genommen. Besonders häufig traf das auf das Bonus-Kindergeld in Höhe von 300 Euro und Kurzarbeitergeld zu. Selbstständige hingegen griffen bevorzugt auf Corona-Soforthilfen zurück. Aber rund jeder sechste Haushalt (19 Prozent), der eigentlich persönlichen Unterstützungsbedarf sah, nutzte keines der verfügbaren Corona-Hilfsangebote. Die Studie war im Rahmen eines akademischen Gemeinschaftsprojekts auf den Höhepunkt der zweiten Pandemie-Welle zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 fokussiert.

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Einkommensverluste in manchen Personengruppen häufiger

Zahlreiche Corona-Hilfsangebote waren speziell an Selbstständige und Kleinunternehmer adressiert. Offensichtlich zu Recht, wie die inzwischen ermittelten Zahlen verdeutlichen. Von diesen beiden Gruppen war fast jeder Zweite (44 Prozent) von Einkommenseinbußen betroffen. Zum Vergleich: unter den Angestellten waren es 22 Prozent. In der Gruppe der Mini-Jobber hatte ein gutes Drittel (34 Prozent) Einkommenseinschnitte zu verzeichnen. Auch für Alleinerziehende mit rund 30 Prozent und die jüngere Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren mit rund 26 Prozent ging die Corona-Pandemie mit überdurchschnittlichen Verlusten einher. Weitere Differenzierungen ermittelte die Studie unter anderem nach Geschlecht, Bildungsabschluss, Wohnort, Einkommens- und Vermögenssituation, Staatsangehörigkeit oder Wohneigentümer beziehungsweise Mieter.

Warum kam die Unterstützung nicht bei allen an?

Die möglichen Corona-Hilfsangebote erreichten vor allem jüngere Menschen und Selbstständige. Im Gegensatz gaben Alleinerziehende, geringfügig Beschäftigte beziehungsweise nicht oder nur gelegentlich Erwerbstätige im Schnitt häufiger an, dass sie keine Corona-Hilfsangebote in Anspruch genommen haben. Das gilt selbst dann, wenn Bedarf bestand. Dafür nennen die Betroffenen verschiedene Gründe. Etwa 17 Prozent glaubten, für die jeweiligen Corona-Hilfsangebote nicht anspruchsberechtigt zu sein. Knapp vier Prozent durchschauten das Beantragungsprocedere der Hilfen nicht. Drei Prozent der Personen erschienen die bürokratischen Hürden beziehungsweise der dafür nötige individuelle Aufwand zu hoch. Ebenfalls jeweils weiteren drei Prozent war es entweder persönlich unangenehm, Unterstützung zu beantragen, oder sie verweigern sich staatlichen Hilfsprogrammen generell. Aufgrund der Befragungsergebnisse empfehlen die Studienautoren in ihrem Fazit, „dass es für die betroffenen, nicht erreichten Gruppen besonders niedrigschwellige Angebote an sozialpolitischer Unterstützung geben müsste.“

Häusliche Pflege am Limit – jeder dritte pflegende Angehörige überfordert
  • Größte deutschlandweite Befragung gibt erstmals Einblick in die Pflegesituation zu Hause
  • VdK-Präsidentin fordert mehr Entlastungsangebote und ein einheitliches Budget
  • Sozialverband startet Kampagne zur Nächstenpflege mit Demo ohne Menschen

Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich extrem belastet und können die Pflegesituation nur unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr bewältigen. Dies ist eines von vielen Ergebnissen der bislang größten Studie zur Situation in der häuslichen Pflege, die die Hochschule Osnabrück im Auftrag des Sozialverbands VdK durchgeführt hat.

„Die Ergebnisse bestätigen: Die häusliche Pflege ist am Limit. Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde. Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflege-Zukunft entgegen!“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele bei der Vorstellung der Studie auf einer Pressekonferenz am Montag.

Die Studie, die auf der Online-Befragung von 56.000 Menschen im vergangenen Jahr basiert, bringt erstmals Licht in das Dunkelfeld der häuslichen Pflege. Demnach sind 72 Prozent der Pflegenden weiblich. Die Hälfte der Befragten versorgt ein Elternteil. Jeder zweite der Pflegenden ist bereits im Rentenalter und körperlich selbst nicht mehr fit: 63 Prozent haben täglich körperliche Beschwerden und 59 Prozent geben an, wegen der Pflege die eigene Gesundheit zu vernachlässigen.

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„Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung und zwar eine, die auch wirklich zur Verfügung steht, zu ihren Bedürfnissen passt und sie unbürokratisch erreicht“, fasste Bentele die Ergebnisse der Befragung zusammen. Obwohl ein Großteil der Befragten sich mehr von den bisher möglichen Entlastungsangeboten wünscht wie etwa der Tages- und Nachtpflege (61 Prozent), der Kurzzeitpflege (77 Prozent) oder der Verhinderungspflege (84 Prozent), werden 62 bis 93 Prozent dieser Leistungen von ihnen nicht in Anspruch genommen. Dieser Widerspruch hat verschiedene Gründe: Zum einen gibt es nicht genügend Kapazitäten professioneller Pflegeanbieter. So gaben 49 Prozent an, dass es nicht genug Tagespflegeplätze gebe, 56 Prozent zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. „Wir brauchen daher dringend den Anspruch auf einen Tagespflegeplatz – so wie es diesen auch auf einen Kindergartenplatz gibt“, forderte Bentele.

Ein weiterer Grund für die geringe Inanspruchnahme sind die oft hohen Zuzahlungen. Über die Hälfte der Befragten schreckt dies davon ab, einen Pflegedienst (56 Prozent), die Tagespflege (52 Prozent), Verhinderungspflege (57 Prozent) und Kurzzeitpflege (57 Prozent) in Anspruch zu nehmen. Vom Pflegegeld, das 82 Prozent der Befragten bekommen, bliebe sonst zu wenig übrig, befürchten sie. Zudem wird jeder Fünfte von dem Antragsverfahren und der Dauer des Prozederes der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege abgeschreckt.

„Wir brauchen eine grundlegende Reform der Unterstützungsleistungen“, schloss Bentele aus den Ergebnissen. Ein einheitliches Budget, in das alle Ansprüche einfließen, würde vielen Menschen deutlich besser helfen. „Dann würden nicht genutzte Leistungen auch nicht mehr verfallen. Man nutzt das Geld für die Leistung, die einem was bringt. Zudem muss es möglich sein, dass damit auch die Personen bezahlt werden, die die Betroffenen schnell und verlässlich unterstützen und entlasten können: die Nachbarin, jemand aus dem Freundeskreis, Ehrenamtliche“, so Bentele. Es würde das System zudem übersichtlicher machen und vereinfachen.

„Dringend notwendig ist zudem eine unabhängige Beratung“, sagte Bentele. Denn die Studie zeige auch: Erhält ein pflegender Angehöriger keine Beratung, werden deutlich weniger Pflegeleistungen in Anspruch genommen. Wird beraten, steigt die Wahrscheinlichkeit eine Pflegeleistung zu nutzen um ein Vielfaches – etwa bei der Tagespflege von 17 auf 83 Prozent.

Mehr als 80 Prozent der 4,1 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause von nahestehenden Menschen versorgt, entweder von diesen allein oder mit Hilfe von ambulanten Pflegediensten (3,3 Millionen). Die VdK-Studie zeigt, dass auch in Zukunft die meisten Deutschen die Pflege zu Hause der in einem Pflegeheim vorziehen. Nur zehn Prozent können sich vorstellen in einem Pflegeheim versorgt zu werden, bei den Pflegebedürftigen sind es sogar nur 2,3 Prozent.

Damit dieser Wunsch zuhause gepflegt zu werden, wahr wird startet der VdK am Montag eine Kampagne zur Stärkung der häuslichen Pflege unter dem Motto „Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung“.

„Häusliche Pflege steht nur für den Ort, wo gepflegt wird. Es geht aber um viel mehr: Die Beziehung zwischen Pflegebedürftigem und Pflegendem. Diese Beziehung ist sehr emotional und von Liebe geprägt. Deshalb sprechen wir nicht mehr von häuslicher Pflege, sondern von Nächstenpflege“, sagte Bentele. Auch das bestätige die Studie: Für 79 Prozent der Pflegenden ist es „selbstverständlich“ ihre Nächsten zu pflegen. Jeder zweite gab an, dass die Beziehung von großer Nähe und Liebe geprägt sei.

„Anders als professionelle Pflege-Dienstleister oder der Pflegeberuf haben Menschen, die ihre Nächsten zu Hause pflegen, keine Lobby. Sie haben keine Zeit, um auf die Straße zu gehen. Deshalb geben wir ihnen eine Stimme“, sagte Bentele. Den Anfang machte der VdK am Montag mit einer Demonstration ohne Menschen vor dem Kanzleramt, für die er die Botschaften seiner pflegenden Mitglieder auf Schilder gedruckt und vor dem Kanzleramt aufgestellt hat.

8,6 Millionen Erwerbstätige haben ein psychisches Risiko für einen Herzinfarkt

8,6 Millionen Erwerbstätige haben ein psychisches Risiko für einen Herzinfarkt
DAK-Gesundheitsreport 2022 zeigt, wie stark Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter Erwerbstätigen verbreitet sind 

Fast ein Fünftel der Erwerbstätigen in Deutschland ist von einem psychischen Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung betroffen. Das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport „Risiko Psyche: Wie Depressionen, Ängste und Stress das Herz belasten“. Hochgerechnet auf die Erwerbsbevölkerung haben 8,6 Millionen Menschen ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko durch eine psychische Erkrankung oder arbeitsbedingten Stress. Und: Psychische Risiken kommen oft mit klassischen Risiken zusammen, zum Beispiel mit dem Rauchen. Nur 41 Prozent der Beschäftigten mit einem erhöhten Herzrisiko erhalten von ihrem Arbeitgeber passende Angebote zur Gesundheitsförderung. Jedes Jahr sterben rund 340.000 Menschen bundesweit an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

 „Seit Jahren steigen die Fehlzeiten der Erwerbstätigen wegen psychischer Erkrankungen. Angesichts dieser Höchststände, die wir insbesondere während der Pandemie sehen, müssen wir wachsam sein“, sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. „Depressionen, Ängste und negativer Stress sind bereits für sich genommen eine große Belastung. Sie gehen aber auch buchstäblich ans Herz!“, so Storm. „Der vorliegende Gesundheitsreport zeigt, wie groß die Verbreitung von Risiken unter den Erwerbstätigen ist, wenn man alle Faktoren in den Blick nimmt.“

Für den aktuellen Gesundheitsreport wurden rund 7.100 erwerbstätige Frauen und Männer durch das Forsa-Institut repräsentativ befragt. Fast ein Fünftel lebt demnach mit einem psychischen Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Mit 22 Prozent geben etwas mehr Frauen als Männer (16 Prozent) Probleme in dieser Hinsicht an. „Bei Menschen, die an einer Depression leiden, finden sich auch verstärkt klassische Herz-Kreislauf-Risiken. Das Herzrisiko Psyche ist eine unterschätzte und oft unbekannte Gefahr“, sagt Andreas Storm. In der Befragung gibt fast ein Drittel der Beschäftigten mit psychischem Risiko an, auch Übergewicht zu haben (32,6 Prozent), und deutlich mehr als ein Viertel (30,5 Prozent) zählt sich zu den Raucherinnen und Rauchern. Unter den Beschäftigten ohne psychisches Risiko ist der Anteil an Menschen mit starkem Übergewicht deutlich geringer (22,6 Prozent) und nur ein Fünftel von ihnen raucht.

Erwerbstätige mit Depressionen sind zudem öfter in ärztlicher Behandlung wegen der koronaren Herzkrankheit (KHK), bei der sich die Herzkranzgefäße langsam verschließen und auch schon im mittleren Lebensalter ein akuter Herzinfarkt auftreten kann. „Zum einen ist es so, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen häufiger Herzprobleme entwickeln. Zum anderen sehen wir bei vielen Herz-Kreislauf-Patientinnen und -Patienten in der Folge eine psychische Erkrankung“, erklärt Professor Christoph Herrmann-Lingen. Der Leiter der Klinik für Psychosomatische Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen mit Forschungsschwerpunkt in der Psychokardiologie begrüßt den neuen Gesundheitsreport und bestätigt die Ergebnisse: „Es ist nicht nur so, dass durch psychische Risiken die Grundlagen für eine künftige Sterblichkeit gelegt werden. Wir sind mit der Auswirkung von psychokardiologischen Themen bereits im Erwerbsleben konfrontiert. Es werden Menschen auch im Alter von 50 bis 60 Jahren schon krank, die dann eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität haben und am Arbeitsplatz fehlen.“ In der ambulanten Versorgung von Menschen mit Depressionen sollte das Herz-Kreislauf-Risiko immer berücksichtigt und nach einem Herzinfarkt sollte beispielsweise in der Reha regelmäßig auf psychische Erkrankungen geachtet werden, so der Experte.

Nicht nur Menschen mit einer Depression oder einer Angststörung haben ein erhöhtes Herzrisiko. Auch Frauen und Männer mit Arbeitsstress sind betroffen. Laut Studie leiden neun Prozent der Beschäftigten unter herzgefährdendem Arbeitsstress im Sinne einer Gratifikationskrise. Damit ist ein Ungleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung am Arbeitsplatz gemeint. Dieser Arbeitsstress betrifft Menschen, die viel Leistung bringen oder dies zumindest so sehen und gleichzeitig wenig Wertschätzung erfahren. Er ist vor allem unter Erwerbstätigen mit einem mittleren Berufsabschluss (10,5 Prozent) verbreitet, diejenigen mit einem Uniabschluss sind nur halb so oft betroffen (5,1 Prozent).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen im Durchschnitt 60 Fehltage je 100 Versicherte – bei den Männern mehr, bei den Frauen weniger. Mit dem Alter steigt die Anzahl der Fehltage deutlich an. 45- bis 49-jährige Männer haben je 100 Versicherte 67 Tage, bei ihren zehn Jahre älteren Kollegen sind es 184 Tage – fast dreimal so viele.

Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, empfiehlt es sich meist, den persönlichen Lebenswandel zu ändern: weniger rauchen, mehr Bewegung, gesündere Ernährung, mehr Entspannung, gesünderes Arbeiten. Laut Studie werden knapp der Hälfte (48 Prozent) der Erwerbstätigen von ihrer Firma Angebote aus dem Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung gemacht. Bei den Erwerbstätigen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind es nur 41 Prozent. „Gerade bei denjenigen, die es besonders benötigen, ist das Angebot bisher eher überschaubar“, kommentiert Storm. „Arbeitgeber müssen Stress und mögliche Belastungen mehr in den Fokus rücken und innerbetriebliche Abläufe schaffen, die die Gesundheit – vor allem auch die psychische – schützen.“ Die Krankenkasse unterstütze deshalb Firmen beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Sie bietet auch digitale BGM-Maßnahmen an, die sich gut eignen, wenn Beschäftigte voneinander entfernt oder von zu Hause arbeiten.

Unabhängig von ihren Firmen stehen Erwerbstätigen vielfältige Kurse ihrer Krankenkasse zur Verfügung, um die Gesundheit zu stärken und Krankheiten vorzubeugen. Über diese Präventionskurse sind allerdings nur 60 Prozent der Beschäftigten informiert. Weil sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen langsam entwickeln, ist es zudem gut, sie frühzeitig zu erkennen. Dazu dient die medizinische Früherkennung. Die sogenannte Gesundheitsuntersuchung in der ärztlichen Praxis, auch Check-up genannt, ist ab 35 Jahren alle drei Jahre kostenlos. Mehr als einem Drittel der Erwerbstätigen in diesem Alter ist sie unbekannt und nur knapp die Hälfte nutzt sie.

Für den Gesundheitsreport 2022 hat das IGES Institut in Berlin die Daten von 2,45 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten ausgewertet. Es wurden rund 7.100 erwerbstätige Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren durch das Forsa-Institut befragt und zahlreiche Expertinnen und Experten eingebunden. Die DAK-Gesundheit informiert zum Thema Herzgesundheit und ihren Angeboten dazu unter: www.dak.de/herz-kreislauf

Toilettenpapier-Test: Mit diesen Rollen sparen Sie täglich Holz & CO2

Unser Toilettenpapier-Test zeigt: Recycling-Toilettenpapier gibt es weich, reißfest und schadstofffrei. Deswegen gibt es keinen Grund mehr für Produkte aus frischem Zellstoff, für den viele Bäume gefällt werden müssen. Welche Klopapiere wir empfehlen, erfahren Sie in unserem Gratis-Test.

 

  • Sechs Toilettenpapiere im Test bewerten wir mit „sehr gut“.
  • Drei schneiden nur mittelmäßg ab, der Rest ist immerhin „gut“.
  • Wechseln Verbraucher zu Recycling-Toilettenpapier schützen sie Lebensräume und tun etwas fürs Klima. Jeder Baum sorgt für weniger C02 in der Atmosphäre, es lassen sich riesige Wassermengen sparen und klimaschädliche Transportwege verkürzen.

Aktualisiert am 10.12.2020 | Rund 134 Rollen Toilettenpapier werden in Deutschland in einem Jahr pro Po verbraucht. Das bedeutet: In jedem Haushalt kommt einiges zusammen. Und damit vernichten wir Millionen Bäume, die notwendig sind, um Zellstoffe für all diese Rollen zu produzieren.

So wird Toilettenpapier hergestellt

Um aus einem Baum zartes, weiches Toilettenpapier herzustellen, ist viel zu tun: Bäume müssen gefällt, zerkleinert und dann so lange in schwefliger Lauge oder Säure ausgekocht werden, bis sich der Zellstoff löst. Aus diesem entsteht dann Toilettenpapier.

Die Herstellung verbraucht enorm viel Energie und sorgt für einen hohen Ausstoß an Treibhausgasen. Die Folge: Wasser und Luft sind starken Emissionen ausgesetzt. Außerdem ärgerlich: Über 80 Prozent des Zellstoffs, den die Industrie hier verarbeitet, wird importiert. Das bedeutet lange, klimaschädliche Transportwege. 40 Prozent, also fast jeder zweite auf dieser Welt gefällte Baum, landet nach WWF-Zahlen in der Papierindustrie.

Toilettenpapier-Test: 20 Produkte im Vergleich

Ein Großteil der Bäume könnte geschont werden, würden die Verbraucher auf Altpapier statt Primärfasern setzen. Nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation Robin Wood könnte Recyclingpapier den Papierbedarf zu 80 Prozent decken. Und für Toilettenpapier müsste kein einziger Baum mehr gefällt werden.

Erstaunlicherweise besteht nur in etwa jede fünfte verkaufte Toilettenpapierrolle aus Recyclingpapier. Woran liegt das? Ist Recyclingpapier wirklich rauer, unkomfortabler? Ist es mit Schadstoffen belastet? Wir haben es von Profis im Labor überprüfen lassen. Im Toilettenpapier-Test: 17 Mal Recycling-Toilettenpapier und drei Mal Toilettenpapier aus Primärfasern, darunter ein neues Bambuspapier.

Sechs Toilettenpapiere sind Testsieger

Das Ergebnis: Sechs Recycling-Toilettenpapiere im Test können wir mit „sehr gut“ empfehlen, elf weitere bewerten wir immerhin mit „gut“. Im Praxistest überzeugen alle Produkte. Wenn es um die Inhaltsstoffe geht, hat Altpapier einen kleinen Nachteil: Öfter bringt das Papier aus seinem Vorleben halogenorganische Verbindungen mit.

Welches ist das beste Toilettenpapier? Die Testsieger bei ÖKO-TEST im Überblick:

  • Alouette Toilettenpapier Recycling von Rossmann
  • Hakle Recycling Toilettenpapier von Hakle
  • Kokett Recycling Toilettenpapier von Aldi Nord/Aldi Süd
  • Mach Mit Toilettenpapier 100 % Recyclingpapier von Wepa
  • Natuvell Toilettenpapier Recycling von Globus
  • Sanft & Sicher Toilettenpapier Recycling von Dm

Für Klopapier sind viele Bäume fällig

Toilettenpapier landet im Klo und löst sich auf dem Weg zur Kläranlage im Wasser auf. Damit sind die Fasern aus dem Recyclingkreislauf raus. Das liegt in der Natur der Sache, ist aber schade – ganz besonders um die frisch gewonnenen Fasern, für die viele Bäume fällig sind. Denn Primärfasern hätte man – wären sie nicht zu Klopapier verarbeitet worden – noch viele, viele Male recyceln können.

In Europa erlebt eine Faser, die recycelt wird, derzeit etwa dreieinhalb Umläufe. Wäre sogar mehr möglich? Ja. Nach Studien der Technischen Universität Darmstadt sind 25 und mehr Recyclingrunden drin. Und mit jeder Runde spart man nicht nur Holz ein, sondern auch das energieintensive Aufbereiten des Zellstoffs. Die Gewinnung von Recyclingpapier verbraucht nach Zahlen des Umweltbundesamts nur die Hälfte an Energie und nur zwischen einem Siebtel bis zu einem Drittel der Wassermenge.

Aus diesem Grund vergeben wir Minuspunkte für die Verwendung von Primärfasern. Das betrifft Zewa Bewährt und Regina Softis. Weil auch Bambus, der auf einer FSC-zertifizierten Plantage wächst, zu schade ist, um zu Klopapier verarbeitet zu werden, kritisieren wir auch das Toilettenpapier der Marke Pandoo. Der Hersteller bewirbt es als „umweltfreundliche Alternative“ – wir finden aber: Es geht besser.

Toilettenpapier und lange Transportwege

Das getestete Pandoo-Toilettenpapier kommt dort her, wo der Bambus wächst – aus China. Die meisten Rollen im Test wurden aber in Deutschland gefertigt, einige wenige im europäischen Ausland. Auch das verarbeitete Altpapier stammt in der Regel aus der Region oder Nachbarländern. Spannend ist die Frage, woher die Primärfasern in den entsprechenden Produkten stammen.

Die kurzen Fasern, die für die Weichheit des Klopapiers zuständig sind, stammen nämlich häufig aus brasilianischem Eukalyptus. Im Zewa Bewährt Toilettenpapier allerdings stecken laut Hersteller Buche und Fichte. „Zertifizierte Durchforstungs-, Rest- und Sägeresthölzer, überwiegend aus der Umgebung unseres Werks“, schreibt Essity Germany. Und bei Regina Softis Toilettenpapier? Wir warten noch immer auf eine vollständige schriftliche Antwort.

Alle Klopapiere überzeugen im Praxistest

Toilettenpapier soll weich zur Haut, saugfähig und reißfest sein. Zudem sollte sich Blatt für Blatt gut und ohne Gefledder abreißen lassen können. Das Ergebnis unserer Praxisprüfungen ist eindeutig: Sowohl Recycling-Toilettenpapier als auch Klopapier aus Primärfasern ist „gut“.

In Sachen Weichheit stach ein Produkt eindeutig heraus: das Pandoo Bambus Toilettenpapier. Das Papier ohne Prägung schmeichelte wie kein anderes den Händen der Tester. Was die Weichheit der anderen Primärfaserpapiere im Test angeht: Hier können etliche Recyclingprodukte locker mithalten.

Enthalten Toilettenpapiere im Test Schadstoffe?

Was ist ansonsten aufgefallen? In elf Toilettenpapieren im Test beanstanden wir halogenorganische Verbindungen, die sich vor allem in der Umwelt anreichern. Das betrifft überwiegend Recyclingrollen. Die halogenorganischen Verbindungen werden vermutlich über das Altpapier eingebracht – das zuvor womöglich mit Chlorverbindungen gebleicht oder mit anderen Chemikalien bearbeitet worden war.

Aus dem Altpapier stammen wohl auch die Restspuren optischer Aufheller, die in fast allen Recyclingrollen gefunden wurden; für diese vergeben wir allerdings in Recyclingprodukten keine Minuspunkte.

Recycling-Toilettenpapier ist die bessere Wahl

Wir haben Tipps für Sie gesammelt:

  1. Verwenden Sie Toilettenpapier aus 100 Prozent Recyclingpapier. Holz, Wasser und Energie sparen? Viel einfacher gehtʼs kaum.
  2. Der Blaue Engel stellt höchste Ansprüche an Recycling-Papierprodukte. Neben Klopapier gibtʼs auch Taschentücher, Küchenkrepp und mehr.
  3. Kein Recyclingprodukt im Regal, und es ist richtig, richtig dringend? Dann ist FSC-zertifiziertes Papier das Produkt der Wahl. Aber wirklich nur dann!
Wattestäbchen im Test: Warum die Corona-Krise für Probleme sorgt

Wattestäbchen mit einem Stiel aus Plastik – das war gestern. Denn in der EU ist Plastik in Wegwerfartikeln ist seit 2021 verboten. Setzen die Hersteller nun auf Alternativen und sind die Wattestäbchen frei von Schadstoffen? Wir haben 25 Produkte getestet.

  • Im Test: 25 Wattestäbchen aus Drogerien, Discountern, Supermärkten und Bio-Märkten. Vier Produkte sind als Sicherheitswattestäbchen für Babys- und Kinder ausgelobt.
  • In vier Produkten fand das Labor halogenorganische Verbindungen. Viele Stoffe aus dieser Gruppe gelten als allergieauslösend.
  • Problem für Wattestäbchenhersteller: Die aktuelle Krise erschwert die Beschaffung von Papier.

Seit Sommer 2021 gilt für Wegwerfprodukte ein Plastikverbot in der EU. Also müssen die Stiele der Wattestäbchen aus Papier sein. Damit sind wir beim Thema Engpass auf dem Papiermarkt. Was bedeutet der für die Hersteller von Wattestäbchen?

Sorge um Papierknappheit durch Corona und Krieg

Das EU-Verbot für Plastik in Wegwerfartikeln fiel mitten in die Corona-Krise. Wegen des Lockdowns gerieten weltweit die Lieferketten für Alltagsprodukte stark unter Druck. Das galt und gilt insbesondere auch für Hygienepapier- und Zellstoffprodukte.

Für die Hersteller hieß es: kreativ werden. Ein Wattestäbchenhersteller, dessen Produkte wir aktuell getestet haben, teilte uns beispielsweise mit, dass er Papierstiele bei seinen Wattestäbchen verwendet, die sonst bei Lollis zum Einsatz kommen.

Jetzt kommt zu der ohnehin angespannten Lage auf dem Papiermarkt der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine hinzu. Die aktuell explodierenden Gas- und Strompreise könnten dafür sorgen, dass sich der Papiermangel zu einer Versorgungskrise auswachse, warnt der Branchenverband Die Papierindustrie.

Sortiment an plastikfreien Wattestäbchen ist groß

Die gute Nachricht: Bisher scheinen die Hersteller von Wattestäbchen die Umstellung auf Papier offensichtlich gut hinbekommen zu haben. Das Sortiment an plastikfreien Produkten in den Ladenregalen ist groß. Zurückgegriffen wird, wie unser Test zeigt, auf Papier aus Brasilien, Skandinavien und Deutschland.

Auffällig ist allerdings, dass nur vier der getesteten Wattestäbchen Anteile von Recyclingpapier enthalten – das ist eine sehr schwache Quote. Die Erklärung: „Lieferengpässe auf dem Rohstoffmarkt bei der Beschaffung von Recyclingfasern erschweren einzelnen Herstellern derzeit die Herstellung von Recyclingpapier“, teilt der auf nachhaltige Forstwirtschaft ausgerichtete Zertifizierer Forest Stewardship Council (FSC) mit.

Keine Minuspunkte für schlechte Recycling-Quote

Das Umweltbundesamt schreibt uns auf Anfrage: „Derzeit ist die Lage auf dem Altpapiermarkt angespannt. Es ist schwer, überhaupt genügend Altpapier zu vertretbaren Preisen für die Produktionen zu bekommen.“

Die Schwierigkeit der Rohstoffbeschaffung und die Anfangsprobleme bei der Umstellung auf plastikfrei sind auch die Gründe, warum wir anders als bei unseren jüngsten Tests von Hygieneartikeln wie Toilettenpapier oder Papiertaschentüchern diesmal keine Noten für den fehlenden Einsatz von Recyclingpapier abziehen.

Woher stammt das recycelte Papier?

Bei den vier Produkten in unserem Test, die Recyclingpapier enthalten, stammen die Papierfasern nicht aus der häuslichen Altpapiersammlung (Post-Consumer-Recycling), sondern es handelt sich um Post-Industrial-Recyclingpapier.

Was genau ist das? Es handelt sich um recycelte Industriereste. Recycelte Industriereste Post-Industrial-Recylingpapier (PIR) stammt vollständig oder anteilig aus Altpapier, das in der Papierverarbeitung von Druckereien, Buchbindereien oder Verpackungsfabriken anfällt – etwa Stanzreste.

Ausgangsmaterialien können aber auch nicht verkaufte Zeitungen und Zeitschriften aus dem Kioskhandel sein. Für die weiterverarbeitende Industrie hat PIR den Vorteil, dass es ohne die aus der Altpapiertonne bekannten Störstoffe (Fehlwürfe) vorliegt. Eine passende Recyclingpapierfabrik kann es direkt verwerten, Stanzabfälle eines Wellpappenkistenherstellers zum Beispiel eignen sich für die Wellpappenrohpapierproduktion.

Mögliche Rückstände aus Bleiche in Wattestäbchen

Was Schadstoffe angeht, gibt es an den Wattestäbchen im Test nicht viel zu meckern. In vier Produkten werten wir halogenorganische Verbindungen ab. Allgemein gelten viele der zumeist chlorhaltigen Stoffe als allergieauslösend, manche reichern sich in der Umwelt an. Aussagen über ganz konkrete Verbindungen lässt das Analysenverfahren jedoch nicht zu.

Bei den analysierten Verbindungen kann es sich um Rückstände aus der Chlorbleiche handeln. Die Anbieter Kaufland und Rossmann gaben uns beispielsweise die Rückmeldung, dass zwar die Baumwolle der Watte chlorfrei gebleicht sei, nicht aber das Stäbchen. Dessen Papier sei mit dem Verfahren ECF (elementar- Chlorfrei) gebleicht. Das schließt zwar den Einsatz von Chlorgas aus, nicht aber den von Chlorverbindungen.

Hersteller Pandoo antwortete, Bambus und Baumwolle seien ungebleicht; Outdoor Freakz machte keine Angaben zum konkreten Bleichverfahren.

Wattestäbchen im Gebrauch: Tipps für die Anwendung

  • Wattestäbchen besser nicht in den Gehörgang stecken. Grund: Mit einem Stäbchen drückt man Ohrenschmalz nur noch fester und tiefer ins Ohr. Beinahe alle Produkte tragen einen entsprechenden Warnhinweis.
  • Babywattestäbchen müssen nicht sein. Die äußere Ohrmuschel lässt sich auch mit einem Waschlappen oder einem herkömmlichen Stäbchen reinigen.
Roggenbrot bleibt länger frisch

Es muss nicht immer Weizen sein. Es gibt weitere Getreidesorten, die den Speiseplan erweitern können. Roggen ist eine gute Abwechslung zum Weizen. Was Roggen bieten kann und warum Hefe zum Brotbacken nicht funktioniert, erklärt die Verbraucherzentrale Bremen.

  • Roggenbrot hält länger frisch als Weizenbrot
  • Vollkornbrot liefert mehr Nährstoffe als Weißmehlbrot und ist gut für die Darmbakterien
  • Die Belastung von Mehl mit Mutterkorn ist heute kaum mehr ein Problem

Roggen gehört wie Weizen zu den Süßgräsern. In Niedersachsen wird er häufig angebaut, ebenso in Brandenburg. Wer Roggen auf dem Feld erkennen möchte, achtet am besten auf die Grannen. So heißen die borstenartigen Spitzen an den Ähren. Weizen besitzt keine Grannen, Gerste hat sehr lange Grannen und Roggen liegt längenmäßig dazwischen.

Roggenbrot hält länger frisch

Roggen besitzt weniger Klebereiweiß als Weizen. „Aufgrund der zusätzlich enthaltenen Schleimstoffe würden bei einem Hefeteig beim Aufgehen die Gase nicht im Teig bleiben“, erklärt Annabel Dierks, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen. Deshalb wird zum Brotbacken mit reinem Roggen immer ein Sauerteig verwendet. Sonst geht der Teig nicht ausreichend auf. Roggenbrot kann Wasser besser halten und hält dadurch länger frisch. „Während Weißbrot nur bis zu drei Tagen frisch bleibt, schafft es das Roggenbrot eine ganze Woche“, so Annabel Dierks.

Vollkornbrot ist gut für die Darmgesundheit

Mischbrote aus Roggen und Weizen sind die beliebtesten Brote in Deutschland. Doch es lohnt sich, auch mal zum Vollkornbrot zu greifen. Es bietet deutlich mehr Ballaststoffe, B-Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Zink. Ballaststoffe sättigen länger und tragen zu einer guten Darmgesundheit bei, denn sie versorgen die Darmbakterien mit Nahrung.
„Wer selber backt, kann auf die Typennummer achten. Sie gibt Auskunft, wie stark der Ausmahlungsgrad ist, also wie viele Schalen und Keimanteile im Mehl sind. Je höher die Zahl, desto besser“, berichtet Annabel Dierks. Im Vollkornmehl stecken alle Kornbestandteile, deshalb trägt es keine Typennummer.

Belastung mit Mutterkorn

Roggen ist von allen Getreidearten am häufigsten mit einem giftigen Pilz – dem Mutterkorn – belastet. Früher führte der unbeabsichtigte Verzehr des Mutterkorns mit dem Mehl oft zu Vergiftungen. Mittlerweile ist die Belastung durch landwirtschaftliche Maßnahmen und eine Getreidereinigung aber geringer. Regelmäßige Proben Überwachen die Einhaltung der Grenzwerte.

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