Brau­chen wir beim Fahr­rad­fah­ren eine Helmpf­licht?

Fahrräder erleben seit Corona einen Boom. Aber nicht nur gewöhnliche Modelle, sondern auch E-Bikes, erfreuen sich einer hohen Nachfrage. Doch wie steht es um die Sicherheit beim Radfahren?

Fahrradfahren wird immer beliebter und ist auch aus gesundheitlichen Gründen ideal, da wir uns bewegen und sportlich aktiv sind. Besonders E-Bikes nahmen zu. Laut Zweirad-Industrie-Verband waren knapp 43 Prozent der verkauften Fahrräder im Jahr 2021 Pedelecs. Wurden im Jahr 2014 noch 480.000 Pedelecs verkauft, waren es im Jahr 2021 sogar zwei Millionen. Vor allem Seniorinnen und Senioren entscheiden sich für die motorisierten Zweiräder, da diese bergauf angenehm zu fahren sind. Allerdings steigt durch diese Altersgruppe auch die Unfallgefahr.

Zahl der Pedelec-Unfälle nimmt rasant zu

Gemessen an ihrem Bestand nahm die Zahl der Pedelec-Unfälle überproportional zu. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2014 insgesamt 2.245 Pedelec-Fahrer/-innen bei einem Verkehrsunfall verletzt. Im Jahr 2021 waren es bereits 17.285. Auch die Zahl der Getöteten stieg von 39 im Jahr 2014 auf 131 im Jahr 2021.

Ursachen für E-Bike-Unfälle

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) fand heraus, dass Pedelec- und Fahrrad-Fahrer/-innen überwiegend an Unfällen innerorts beteiligt sind. Jedoch ist der Anteil der Beteiligten an Unfällen außerorts bei Pedelec-Fahrer/-innen (18 Prozent) fast doppelt so hoch wie bei Fahrrad-Fahrer/-innen (10 Prozent). Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung, weiß, warum die Unfallzahlen bei E-Bikes so hoch liegen: „Zum einen fahren Pedelecs deutlich schneller als herkömmliche Räder und zum anderen sind sie mit 25 bis 30 Kilogramm viel schwerer. Dadurch fallen die Verletzungen bei Unfällen schlimmer aus.“ Des Weiteren spielen aber auch Unfälle ohne Fremdeinwirkung eine Rolle, etwa weil der Radler die Kontrolle über das E-Bike verloren hat. Denn E-Bikes können sehr schnell beschleunigen und über 25 km/h schnell werden.

Könnte eine Helmpflicht schweren Unfällen entgegenwirken?

In anderen Ländern wie Finnland, Malta, aber auch in Australien oder Neuseeland herrscht eine generelle Helmpflicht, egal ob es sich um ein herkömmliches Fahrrad oder ein E-Bike handelt. Deshalb sollten Radler/-innen, die im Ausland mit dem Fahrrad unterwegs sind, unbedingt vorher überprüfen, ob dort eine Helmpflicht besteht, um nicht gegen dort geltendes Gesetz zu verstoßen. 59 Prozent der Deutschen wäre auch hierzulande für eine Helmpflicht und würde beim Radfahren einen Helm tragen. Eine Umsetzung ist in Deutschland bislang jedoch noch nicht geplant.

Gibt es eine Helmpflicht für Radfahrende?

Eine gesetzliche Vorschrift zum Tragen eines Fahrradhelms gibt es in Deutschland nicht. Jedoch kann ein Fahrradhelm bei einem Unfall schwere Verletzungen verhindern. Laut einer Statistik der Unfallforschung der Versicherer, führen Unfälle in 46 Prozent der Fälle zu Kopfverletzungen, wenn der Radfahrende einen Helm trug. Ohne Helm steigt die Quote der Verletzungen im Straßenverkehr auf 73 Prozent. Wichtiger Tipp: Lassen Sie sich beim Kauf unbedingt beraten, damit Sie einen geeigneten Helm besitzen und optimal geschützt sind.

Droht für das Fahrradfahren ohne Helm ein Bußgeld?

Nein! Sind Fahrradfahrer/-innen ohne Helm unterwegs, müssen sie kein Bußgeld oder eine Verwarnung befürchten. Die Entscheidung für oder gegen einen Helm ist der Radlerin oder dem Radler in Deutschland selbst überlassen.

Müssen Kinder auf dem Fahrrad einen Helm tragen?

Nein, eine entsprechende Vorschrift gibt es nicht. Gerade bei Kindern wird jedoch empfohlen, einen Helm auf dem Fahrrad zu tragen, um schwere Kopfverletzungen zu vermeiden.

Was empfiehlt die Unfallforschung der Versicherer?

Die UDV empfiehlt das Tragen eines Fahrradhelms und die konsequente Anwendung des Standes der Forschung in Bezug auf eine sichere Radinfrastruktur. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club bewertete die Fahrradsicherheit im Jahr 2020 wie zuvor nur mit 3,9. Somit fühlen sich die Radelnden auf deutschen Straßen sehr unsicher. Würden die Regelwerke zügig umgesetzt, kämen diese auch den Pedelec-Fahrenden zugute und hätten einen Rückgang der Unfälle zur Folge.

Zudem ist es gerade für ältere Pedelec-Fahrende wichtig, sich bei der Auswahl und dem Kauf des E-Bikes beraten zu lassen, um das passende Modell zu finden. Auch eine Aufklärung über die Gefahren ist essenziell. Hilfreich sind hier Fahrtrainings, um die eigenen Fahrfähigkeiten zu erhalten und zu verbessern. Da ein Pedelec schwerer ist und schneller beschleunigt, fährt es sich anders als ein herkömmliches Fahrrad.

Quelle: DV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.

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