Mo. Okt 26th, 2020
Mehr Fachkräfte für soziale Berufe gewinnen

Mehr Fachkräfte für soziale Berufe gewinnen

Mehr Fachkräfte für soziale Berufe gewinnen. In der Corona-Krise wurde die Systemrelevanz der Pflege- und Erzieherberufe offensichtlich.

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In der Corona-Krise wurde die Systemrelevanz der Pflege- und Erzieherberufe offensichtlich. Die Ausbildungsbedingungen haben sich zuletzt deutlich verbessert. Die Bundesregierung will die sozialen Berufe weiter aufwerten: mit einer Fachkräfteoffensive, der neuen Pflegeausbildung und besseren Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Der Bundesregierung ist die Aufwertung sozialer Berufe ein wichtiges Anliegen.

 

Wie viele junge Menschen können sich derzeit eine Ausbildung im sozialen Bereich vorstellen?

Gerade in den Bereichen der sozialen Berufe gibt es einen großen Mangel an Nachwuchskräften. Angesichts der Corona- Pandemie sind die Bedeutung, Relevanz und Wertschätzung sozialer Berufe stärker in den Blickwinkel der Gesellschaft gerückt worden. Auch junge Menschen, die sich nach der Schule für einen Beruf entscheiden müssen, finden soziale Berufe grundsätzlich attraktiv, anspruchsvoll und abwechslungsreich. Knapp ein Viertel kann sich deshalb vorstellen, in der Kindertagesbetreuung (24 Prozent) beziehungsweise Pflege (21 Prozent) zu arbeiten. Das ergab eine repräsentative Jugendbefragung „Kindertagesbetreuung und Pflege – attraktive Berufe?„. Die Zahlen wurden im Auftrag des Bundesjugendministeriums vom SINUS-Institut erhoben.

 

Welche Kriterien spielen bei der Berufswahl eine wesentliche Rolle?

Bei der Berufswahl spielen verschiedene Auswahlkriterien eine wichtige Rolle: Ob Karriere- und Aufstiegschancen, Gehalt, Weiterbildungsmöglichkeiten, offene Stellenagebote, wohnortnahe Ausbildungsplätze oder auch der moralische Aspekt konkret etwas bewirken zu können, sind essenzielle Kriterien für Berufseinsteiger.

Laut SINUS-Studie werden die wichtigen Kriterien der Jugendlichen nur teilweise erfüllt: Junge Menschen bewerten die Weiterentwicklungs- und Karrierechancen als kritisch und nehmen das Gehalt als zu gering wahr.

Bundesjugendministerin Giffey sieht in den Ergebnissen der Studie Potenzial: „Wichtige Hebel, um die Jugendlichen für einen Berufseinstieg zu gewinnen, sind mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten. Hier wollen wir mit Ländern und Tarifpartnern weiter vorankommen“.

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Welche Ausbildungsberufe sind besonders beliebt?

Ein spürbar gestiegenes Interesse gibt es insbesondere an den Berufen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens, das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2020 hervor. Gegen den demografischen Trend ist hier die Zahl der Auszubildenden um fast vier Prozent angestiegen. Zum einen macht sich in diesen schulischen Ausbildungsgängen der wachsende Personalbedarf bemerkbar. Zum anderen wirken die ersten Maßnahmen der Bundesregierung, die die Attraktivität dieser Berufsfelder erhöhen sollen.

 

Mit welchen Maßnahmen will die Bundesregierung soziale Berufe weiter aufwerten?

Der Bundesregierung ist die Aufwertung sozialer Berufe ein wichtiges Anliegen. „Gerade die vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass Pflegefachkräfte und Erzieherinnen und Erzieher für unsere Gesellschaft doppelt systemrelevant sind: Sie leisten nicht nur hochqualifizierte Arbeit, sondern sichern zusätzlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Millionen Mütter, Väter und Angehörige“, so die Bundesministerin Giffey.

Der Bund ist bei der Aufwertung dieser Berufe wichtige Schritte vorangekommen. Seit Anfang dieses Jahres gibt es die neu reformierte Pflegeausbildung. Die Bundesregierung stärkt damit die pflegerische Ausbildung, um den Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen sowie die Anzahl an Berufsanfängern zu steigern. Da die Ausbildungen der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege bereits jetzt viele Schnittpunkte hatten, wurden diese zu einer generalistischen Ausbildung zusammengeführt.

Auch für Erzieherinnen und Erzieher und für diejenigen – die es noch werden wollen – gibt es deutliche Verbesserungen: Mit dem Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“ und dem „Gute-Kita-Gesetz“ unterstützt die Bundesregierung die Länder dabei mehr Nachwuchskräfte für die frühkindliche Bildung zu gewinnen und bereits ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher im Beruf zu halten.

 

Mit dem „Gute-Kita-Gesetz“ unterstützt die Bundesregierung die Länder bei ihrer Aufgabe, eine gute Kinderbetreuung sicherzustellen. Bis 2022 werden dafür 5,5 Milliarden Euro für mehr Qualität und weniger Gebühren zur Verfügung gestellt. Laut Giffey fließen zwei Drittel der bereits verplanten Mittel in die Qualität der Kitas. Elf von 16 Bundesländern setzen dabei auf die weitere Verbesserung des Personalschlüssels.

 

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Welche konkreten Verbesserungen wurden mit der Reformierung der Pflegeausbildung erreicht?

Um die Situation in der Pflege zu verbessern, hat der Bund die Ausbildung der Pflege grundlegend reformiert. Sie bietet nun viele neue Anreize und Vorteile:

  • Abschaffung des Schulgeldes: Die neue Ausbildung bietet den Auszubildenden eine angemessene Ausbildungsvergütung und mehr Einsatzmöglichkeiten im späteren Beruf.
  • Mehr Flexibilität: Alle Pflegeauszubildenden erlernen in den ersten beiden Jahren ihrer Ausbildung die gleichen Inhalte in Theorie und Praxis. Es wird nicht mehr zwischen Alten-, Kinderkranken- oder Krankenpflege unterschieden. Erst nach zwei Jahren müssen sich Auszubildende entscheiden, ob sie sich auf die Kinderkrankenpflege oder Altenpflege spezialisieren oder ob sie ihre generalistische Pflegeausbildung fortsetzen wollen.
  • Einführung eines Pflegestudiums: Neben der beruflichen Pflegeausbildung gibt es das berufsqualifizierende Pflegestudium. Das Pflegestudium eröffnet neue Karrieremöglichkeiten sowie Aufstiegschancen und befähigt unmittelbar zur Pflege von Menschen aller Altersstufen auf wissenschaftlicher Grundlage und Methodik.

 

Inwieweit hilft die Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erziehern?

Bereits heute sind in vielen Regionen Deutschlands Engpässe bei pädagogischen Fachpersonen zu verzeichnen. Ziel der Offensive ist es deshalb, mehr Fachkräfte zu gewinnen und im Beruf zuhalten. Sie beinhaltet folgende Maßnahmen:

  • Praxisintegrierte vergütete Ausbildung: Der Bund gewährt Trägern einen Zuschuss von 1.450 Euro im ersten Jahr der Ausbildung, 1.130 Euro im zweiten und 540 Euro im dritten. Damit fördert der Bund jeden dieser Ausbildungsplätze mit insgesamt 37.440 Euro. Die Auszubildenden werden Mitte 2022 nach drei Jahren die Ausbildung beendet haben und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
  • Praxisanleitung: Das Bundesprogramm stellt bis zu 1.000 Euro pro Person zur Verfügung für die Weiterqualifizierung zu professionellen Anleitungskräften und finanziert zusätzliche Zeit für die Ausbildung des Nachwuchses in der Praxis.
  • Perspektiven mit Aufstiegsbonus: Damit sich höhere Qualifikation und die Übernahme besonderer Verantwortung besser bezahlt machen, gibt der Bund bis zu 300 Euro pro Monat und Person, um Erzieherinnen und Erzieher mit Zusatzqualifikationen besser zu vergüten.

 

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es darüber hinaus für bereits ausgebildete Fachkräfte?

Die Sicherung des Fachkräftebedarfs gehört zu den zentralen Aufgaben dieser Legislaturperiode. Deshalb hat die Bundesregierung erweiterte Zugänge und Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen.

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Das Anerkennungsgesetz ermöglicht qualifizierten Fachkräften mit ausländischen Berufsqualifikationen in ihrem erlernten Beruf in Deutschland zu arbeiten. Die Bundesregierung hat damit den Rahmen für eine zukunftsorientierte und bedarfsgerechte Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten geschaffen. Insgesamt haben 33.120 Menschen im Jahr 2019 die Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation beantragt. Fast die Hälfte der Anträge kam von Pflegekräften.

Mehr Aufstiegs- und Karrierechancen für Berufstätige – für dieses Ziel hat der Bund das Aufstiegs-BAföG reformiert. Wer sich beispielsweise zum staatlich geprüften Erzieher fortbilden will, wird seit August dieses Jahres noch besser unterstützt. Im Jahr 2019 haben 167.000 Berufstätige vom Aufstiegs-BAföG profitiert. Die Förderleistungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent zu.

Quelle: Bundesregierung

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Roland Richert
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