Tachomanipulation bei Gebrauchtwagen

Tachomanipulation in Frankreich: Achtung beim grenzüberschreitenden Gebrauchtwagenkauf

Tachomanipulation in Frankreich: Achtung beim grenzüberschreitenden Gebrauchtwagenkauf. Informieren Sie sich jetzt bei ihrem Expertemagazin.

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Wie Sie beim grenzüberschreitenden Gebrauchtwagenkauf das Risiko gering halten

 

Einen Tachostand zu verfälschen dauert nur wenige Minuten und das nötige Gerät kann man sich einfach im Internet besorgen. Die Folgen jedoch sind weitreichend. Durchschnittlich 3.000 Euro teurer kann ein Fahrzeug verkauft werden, bei dem am Kilometerstand getrickst wurde. In ganz Europa kommt es vor, dass an der Tachonadel gedreht wird. So auch in Deutschland und im Nachbarland Frankreich. Wie können Fahrzeughalter sich beim grenzüberschreitenden Kauf von Gebrauchtwagen schützen? Welche Lösungen müssen auf europäischer Ebene her? Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e.V. (ZEV) gibt in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) und der französischen Automobile Club Association (ACA) Tipps und macht konkrete Lösungsvorschläge.

 

In Europa verboten und doch wird getrickst

Bei 30 bis 50 Prozent der Gebrauchtwagen in Europa, die grenzüberschreitend verkauft werden, wurde der Kilometerzähler manipuliert. So ein Bericht des Europäischen Parlaments. In Deutschland sei laut ADAC ein Drittel der Gebrauchtwagen betroffen, was einen jährlichen Schaden von fast 6 Milliarden Euro ausmache. In Frankreich sei eines von zehn Fahrzeugen manipuliert, so der internationale Automobildachverband FIA. Obwohl Tachobetrug in fast allen europäischen Ländern verboten ist und in Deutschland und Frankreich als Straftat gilt, ist er weiterhin gängige Praxis.

 

ZEV und deutscher sowie französischer Automobilclub informieren Verbraucher

Gerade in der deutsch-französischen Grenzregion finden zahlreiche Fahrzeughalter das Gebrauchtauto ihrer Träume im Nachbarland. Den Tachostand auf Richtigkeit zu überprüfen ist dabei selbst mit Hilfe eines Kfz-Experten oder einer Autowerkstatt fast unmöglich. Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V. (ZEV) hat zusammen mit dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) und der französischen Automobile Club Association (ACA) eine Studie sowie praktische Merkblätter auf Deutsch und Französisch veröffentlicht. Fahrzeughalter erhalten darin alle wichtigen Informationen, um das Risiko eines gefälschten Kilometerstands möglichst gering zu halten. Der ADAC rät: „Am besten ist es, in die Fahrzeugdokumente zu schauen, die man vom Verkäufer bekommt und dort zu überprüfen, ob alle Kilometerdaten zusammenpassen. Also Werkstattrechnungen, TÜV-Berichte, Serviceheft […]“.

 

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Europäische und technische Lösung: Effektiv gegen Tachobetrug vorgehen

Um effektiv gegen Tachobetrug vorzugehen, muss auf europäischer Ebene gehandelt werden. Mit gutem Beispiel gehen unsere Nachbarn in Belgien voran, wo es den sogenannten Car-Pass gibt. In dieses Dokument wird regelmäßig der aktuelle Tachostand mit Datum eingetragen. So entsteht für jedes Fahrzeug eine ausführliche Historie der Tachostände, die zusätzlich in einer Datenbank gespeichert werden. Beim Kauf eines Gebrauchtwagens bekommt der Käufer automatisch auch den Car-Pass überreicht.

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz setzt sich für eine europaweite Lösung nach Vorbild des Car-Pass ein, also für eine grenzüberschreitende Erfassung und den Austausch von Kilometerdaten. Der ADAC und der ACA hingegen verfolgen einen technischen Ansatz. So sollen zum Beispiel Hardware-Lösungen Tachomanipulationen schwieriger und kostspieliger machen. Schließlich ist es wichtig, Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. „Um wirklich etwas zu bewirken, müssen wir den verschiedenen Lösungsansätzen gleichzeitig nachgehen„, so Christian Tiriou, Projektleiter des ZEV. „Ein Wundermittel gibt es im Moment nicht“.

 

Über das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e.V.
Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e.V. (ZEV) ist ein deutsch-französischer Verein, der Verbraucher*innen seit 1993 zu grenzüberschreitenden und europäischen Angelegenheiten informiert und kostenlos bei Rechtsstreits mit einem Unternehmen eingreift. Das ZEV befindet sich in Kehl an der Grenze zu Straßburg. Unter seinem Dach sind vier kostenlose Verbraucherstellen angesiedelt: die Europäischen Verbraucherzentren Deutschland und Frankreich, die eCommerce-Verbindungsstelle Deutschland und der Online-Schlichter.
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