Suppenkoma: Was hilft gegen das Mittagstief?

Müdigkeit im Meeting oder ab Mittags fällt man ins Suppenkoma

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Schnitzel-, Fress- oder Suppenkoma – alle diese drei Begriffe beschreiben dasselbe Phänomen: Direkt nach dem Mittagessen wird man müde und würde sich lieber ins Bett legen, anstatt zurück ins Seminar oder Workshop zu gehen.

Kennen Sie das auch? Ein typischer Seminartag. Am Vormittag ist man noch fit und aufnahmefähig. Doch nach der Mittagspause würde man am liebsten für einige Minuten wegdösen. Das Mittagsloch, auch Suppenkoma genannt, hat uns erwischt. Warum das so ist und was man dagegen tun kann? Schauen wir uns einmal einen typischen Seminartag an.

09:30 Uhr: Begrüßungskaffee. Dazu gibt es Butterbrezen und Kekse.

10:00 Uhr: Seminarbeginn – auf den Tischen liegen Traubenzucker und Gummibärchen vom Hotel, dazu Schokolade oder Schokolinsen vom Veranstalter. Das Wasser lassen wir stehen und greifen lieber zur Cola oder Fanta. Oder besser doch ein Saft? Der ist doch gesund, oder?

11:30 Uhr: Erste Pause – die Luft ist raus. Erst einmal ein Kaffee, um wieder fit zu werden. Die Schokoriegel daneben versprechen einen extra Zucker-Kick, jetzt ist man wieder voll da.

12:30 Uhr: Der Magen knurrt, endlich gibt es etwas zu essen. Ein ordentlicher Braten, dazu Kartoffeln, Reis oder Nudeln und danach noch einen Kaffee. Bevor es weitergeht, noch schnell eine Zigarette geraucht

13:30 Uhr: Es geht weiter. Irgendwie bekomme ich gar nicht mehr mit, was der Vortragende sagt. Es war ja bisher auch schon ein langer Tag mit viel Stoff. Kein Wunder, wenn man sich nicht mehr richtig konzentrieren kann.

15:00 Uhr: Kaffee-Pause, endlich. Mit einem Kaffee, einem Stück Kuchen, ein paar Keksen und/oder einem Schokoriegel werde ich es bis zum Ende bestimmt gut durchhalten. Bevor es weitergeht, noch raus an die frische Luft, eine rauchen.

17:00 Uhr: Geschafft. Der Tag ist zu Ende. Das ist ein super Veranstalter. Zum Ausklang gibt es heute noch ein Bier. Dann geht es mit dem Auto wieder nach Hause. Wird auch Zeit, denn der Magen knurrt schon wieder

Abendessen: Endlich zu Hause angekommen, gibt es jetzt eine Brotzeit oder irgendetwas mit Nudeln, Reis oder Kartoffeln.

Blutzucker-Achterbahn

Betrachten wir das angebotene Essen eines solchen typischen Seminartages, dann finden wir primär schnelle Kohlenhydrate wie Brot, Brezen oder Semmeln. Für die Norddeutschen unter den Lesern: Brezeln und Brötchen. Im Seminarraum Zuckerhaltiges, Süßigkeiten, gesüßte Getränke oder Fruchtsäfte. Diese sind ebenfalls die reinsten Zuckerbomben. In den Pausen Sättigungsbeilagen wie Reis, Nudeln oder Kartoffeln. Zum Nachtisch Pudding, Schokocreme oder ähnliches. Also auch wieder Zucker. In den Pausen geht es mit den Schokoriegeln, Kuchen und Keksen entsprechend weiter.

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Schnelle Kohlenhydrate werden so genannt, weil sie den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen. Teilweise explosionsartig. Die Bauchspeicheldrüse reagiert darauf und schüttet entsprechend viel Insulin aus. Denn der Zucker muss aus dem Blut raus und rein in die Zellen. Bliebe der Zuckerspiegel im Blut zu lange zu hoch, wäre das gefährlich für die feinsten Blutgefäße. Sie könnten verletzt werden.

Das kennt man vom Diabetiker, der nicht gut eingestellt ist. Makuladegeneration: im Auge sitzen mit die feinsten Äderchen. Oder der diabetische Fuß. Dieser muss im schlimmsten Fall amputiert werden. Jedoch ist auch die Aufnahmekapazität der Körperzellen irgendwann erschöpft. Dann packt das Insulin den Zucker in die Fettzellen. Es könnten ja mal schlechte Zeiten mit Nahrungsknappheit kommen. In unserer heutigen Überflussgesellschaft kommen solche schlechten Zeiten allerdings nicht mehr vor.

Schießt der Insulinspiegel in die Höhe, sinkt der Blutzuckerspiegel. Teilweise dramatisch. Zumindest aus Sicht des Gehirns. Dieses braucht als primären Treibstoff Glukose, also Zucker. Für alle Fans einer ketogenen, also einer extrem kohlenhydratarmen, dafür aber fettreichen Ernährnung: Ja, Ketonkörper, also die Nebenprodukte der Fettverbrennung, kann das Gehirn auch als Energielieferant nutzen. An einem typischen Seminartag sind wir jedoch weit von einer ketogenen Ernährung entfernt.

Das Gehirn schlägt Alarm

Das Gehirn, das bis zu 25 Prozent unserer Energie am Tag verbraucht, hat lediglich für zirka 15 Minuten Energiereserven. Dann ist der Akku leer. Deshalb verfügt es über sehr sensible Rezeptoren, welche den Blutzuckergehalt messen. Fällt dieser nun durch die massive Insulinausschüttung unter einen kritischen Wert, geraten unsere grauen Zellen in Panik. Hilfe, wir verhungern gleich! Nun werden Botenstoffe ausgeschickt, die uns auffordern, möglichst schnell den Blutzuckerspiegel wieder aufzufüllen. Wie geht das am einfachsten und schnellsten? Genau, mit schnellen Kohlenhydraten.

So beginnt der Kreislauf von vorne. Zuckeraufnahme, der Blutzuckerspiegel steigt massiv an, die Bauchspeicheldrüse schüttet Unmengen von Insulin aus, der Blutzuckerspiegel sinkt stark ab, das Gehirn gerät in Panik, dass es gleich verhungert… Dieser Kreislauf dauert zirka 1,5 bis 2 Stunden. Wie plant also jeder erfahrende Seminarveranstalter? Mindestens alle 1,5 bis maximal 2 Stunden eine Pause machen und dann schnelle Kohlenhydrate anbieten. Denn das verlangen die Seminarteilnehmer. Und Kaffee oder Tee. Das Koffein pusht ja auch noch einmal.

Muss das so sein? Gibt es nicht sinnvollere Alternativen, die für eine konstante Aufmerksamkeit sorgen und die Fettdepots nicht immer weiter füllt?

Erfolgs- und Verkaufstrainings

Besonders fragwürdig wird dieses Nahrungsangebot, wenn es sich um Erfolgs- oder Verkaufstrainings handelt. Denn wer diese Nahrung über längere Zeit zu sich nimmt, bringt auch sein Darmmikrobiom, früher Darmflora genannt, aus der Balance.

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Führt man sich ständig schnelle Kohlenhydrate zu, nehmen Bakterien überhand. Ein paar davon sind gut für uns. So lange es nicht zu viele werden. Füttert man aber stets nur diese Bakterien und lässt die anderen, welche zum Beispiel eher Ballaststoffe brauchen, hungern, dann vermehren sich die Zuckerjunkies unter den Darmbakterien explosionsartig. Sind davon erst einmal zu viele vorhanden, schütten sie nicht nur Signalstoffe aus, die unser Gehirn veranlassen, dass wir schön brav und regelmäßig das von ihnen geliebte Futter essen – Zucker. Nein, sie lassen uns mittel- und langfristig auch krank werden.

Das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper

Dazu kommt, dass die Ballaststoffverwerter immer weniger werden. Diese Bakterien können uns aus Ballaststoffen nicht nur Energie zur Verfügung stellen. Bei ihrem Stoffwechsel fallen Nebenprodukte an wie zum Beispiel Butyrat, das Salz der Buttersäure. Genau dieses brauchen unsere Zellen der Darmschleimhaut dringend, um optimal funktionieren zu können. Fehlt ihnen der wichtige Nährstoff, haben sie keine Power mehr und können ihre Arbeit nicht richtig machen.

Das führt dazu, dass Giftstoffe und Erreger durch die Darmschleimhaut in unsere Blutbahn dringen können. Dort angekommen, beschäftigen sie unser Immunsystem. Das kann sich nun aber nicht mehr optimal um Erkältungsviren kümmern. Von denen atmen wir in einem geschlossenen Seminarraum gerade zu bestimmten Zeiten besonders viele ein. Viel schlimmer ist jedoch, dass ein permanent überlastetes Immunsystem irgendwann beginnt zu randalieren. Dann richtet es sich gegen unsere eigenen Körperzellen und greift diese an. Dies nennt sich Autoimmunerkrankung, zu denen auch Allergien gehören. Kurz: Wir essen uns krank, müde und schlapp. Und was will ein erfolgreicher Unternehmer nicht sein und werden? Müde, schlapp und krank, oder?

Essen Sie sich zum Erfolg!

Das muss jedoch alles nicht sein. Es gibt regelrechtes Power-Food, das unseren Körper und unser Gehirn vor Energie nur so strotzen lässt. Hierzu gehören hochwertige Fette, sogenannte Omega-3-Fettsäuren. Diese finden wir zum Beispiel in fettem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele. Zusätzlich in bestimmten Pflanzenölen wie Leinöl. Weiterhin in Nüssen.

Eine Nussmischung zum Begrüßungskaffee und auf den Seminartischen wäre also sowohl für die Teilnehmer, als auch für den Veranstalter wesentlich sinnvoller. Außer man wünscht sich schlafende Zuhörer. Zum Mittag könnte es anstatt des Bratens einer der genannten Fische sein. Natürlich nicht frittiert, sondern gedämpft oder gebacken und ohne Panade. Selbstverständlich stammt der Fisch aus nachhaltigem, zertifiziertem Fang oder einer Bio-Zucht.

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Dazu regionales und saisonales Gemüse, welches nur leicht gedämpft wurde und nicht seit Stunden in der Warmhaltebox seine Nährstoffe verliert. Für jene, die Fisch nicht mögen oder Vegetarier sind, gibt es Hülsenfrüchte und Bio-Öle für den Salat, der mit Nüssen, Körnern und Samen getoppt wird. Für die Nudelfans: Wie wäre es alternativ mit Linsen- oder Erbsennudeln? Natürlich dürfen das auch alle anderen essen. Auf Sonnenblumenöl wird verzichtet, da dieses viel zu viel Omega 6 enthält, was die Verwertung von Omega 3 behindert. Dafür werden Oliven- und Leinöl angeboten. Als Essig ein hochwertiger Apfelessig oder einfach nur frisch gepresste Bio-Zitrone.

Hochwertige Fette sind gut für unser Gehirn

Anstatt frittierten Kartoffel-Pommes, gibt es das Pendant aus Süßkartoffeln aus dem Backofen. Die sind zwar nicht kohlenhydratarm, lassen den Blutzuckerspiegel dennoch weniger stark ansteigen als normale Pommes Frites und Kartoffeln. Wer auf Kartoffeln gar nicht verzichten möchte, kann eine kleine Portion kalten (!) Kartoffelsalat essen. Dieser bietet resistente Stärke – Futter für die Ballaststoff-Fans unter unseren Darmbakterien.

Zum Nachtisch darf es dann gerne etwas saisonales, frisches Obst sein. Am besten noch regional. Dann wurde es reif geerntet, hat keine langen Transportwege hinter sich und verfügt über wertvolle Nährstoffe. Gemüse enthält übrigens neben Vitamin- und Mineralstoffen auch Ballaststoffe. Sie wissen ja, Futter für die Darmbakterien, die daraus Butyrat für unsere Darmschleimhaut herstellen. Die Omega-3-Fettsäuren sind nicht nur wichtig für unsere Zellmembranen, damit sie optimal arbeiten können. Auch unser Gehirn freut sich darüber. Es besteht nämlich zum größten Teil aus hochwertigem Fett! Damit die Reizweiterleitung unserer Nervenbahnen optimal funktioniert, brauchen wir was? Genau. Hochwertiges Fett!

Wer sich langfristig gesund halten möchte, volle Leistungskraft wünscht und ein kreatives Gehirn möchte, das nicht in Problemen, sondern in Lösungen und Chancen denkt, reduziert den Zuckeranteil in der Nahrung und führt sich hochwertige Fette, Vitamine und Mineralstoffe zu. Aber Vorsicht: Sollten Sie ein paar Kilo zu viel auf den Rippen haben, könnte es sein, dass Sie bei dieser Ernährungsform einige davon verlieren!

Vielen Dank an die Pfefferminzia

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