Die Erben des Maklers bekommen NICHTS

Den Erben von Versicherungsmaklern droht der Totalverlust der Courtageansprüche

Nachfolgeplanung: Warten bis es zu spät ist!

Tausende Versicherungsmakler haben bisher nichts getan, um das eigene Lebenswerk sicher für die Erben zu machen. Nur eine Minderheit hat das Erbe komplett geschützt. Ohne die entsprechenden Vorsorgemaßnahmen droht aber der Totalverlust der Courtageansprüche. Was man dagegen tun kann, erklärt Unternehmensberater Peter Schmidt in seiner Kolumne.

Nach dem Tode des Maklers Lutz B. aus Nordrhein-Westfalen* ging der gesamte Kundenbestand, der über 30 Jahre aufgebaut wurde, inklusive aller Courtageansprüche zurück an die Versicherer. Eine Kundenanfrage beim Versicherer mit dem Hinweis, dass der bisherige Ansprechpartner, Makler B., verstorben sei genügte. Dem Kunden wurde ein neuer Ansprechpartner, Hauptvertreter aus der Region, benannt. Die noch nach dem Tod des Maklers gezahlten Bestandscourtagen wurden zurückgefordert. Die Witwe von Lutz B. konnte es nicht fassen.

(* Name und Region geändert)

Gründe für den Verlust der Kunden und Courtagen

Im konkreten Fall wurde deutlich, dass der Makler – wenn überhaupt – mit Maklerverträgen aus den 1980er Jahren gearbeitet hatte, die keine Nachfolgeregelung enthielten. Demnach erlischt laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) Paragraf 672 Satz 1 der (Makler-)Auftrag durch den Tod des Beauftragten. Das bedeutet, wenn zwischen Kunde und Makler keine andere Regelung getroffen wurde, dann erlischt das Vertragsverhältnis zwischen beiden, was wiederum den (Bestands-) Courtageanspruch begründet.

Erschwerend kam beim verstorbenen Makler B. hinzu, dass er mit vielen Kunden gar keine Makleraufträge abgeschlossen hatte. Die Witwe, die gelegentlich im Büro aushalf, schilderte die Meinung ihres Mannes so: „Makleraufträge sind nur bei großen Verträgen und bei den Gewerbetreibenden notwendig.“ Wir kennen solche Auffassungen von vielen Maklern im Markt. Leider.

Wege zum Schutz des Erbes aus den Bestandscourtagen

Aus der Praxis der Beratungen als Nachfolgeexperte will ich zumindest vier Wege skizzieren, wie man eine Situation wie bei Makler B. vermeiden kann. Weitere Möglichkeiten gibt es auch, die zur individuellen Situation passend erschlossen werden können.

Weg #1: Vor allem für Makler als Einzelunternehmer

Dem Einzelunternehmer bleibt nichts anderes übrig als mit jedem Kunden einen Maklervertrag mit einer Nachfolgeklausel inklusive der entsprechenden Datenschutzvereinbarung abzuschließen. Denkbar wäre auch eine ergänzende Vereinbarung zum bestehenden Maklervertrag, der explizit eine solche Nachfolgeregelung transparent enthält und von beiden Seiten unterzeichnet wird.

Herauszustellen ist „mit jedem Kunden“. Die Kunden mit Einzelverträgen, bei denen der Makler bisher – fälschlicherweise – keinen Bedarf für einen Maklervertrag sah, fallen ohne Maklervertrag mit Nachfolgeklausel aus der Möglichkeit eines rechtzeitigen Verkaufs des Bestandes oder im Todesfall für eine Übertragung heraus. Das sollte allen Maklern klar sein. Es lohnt sich deshalb wirklich systematisch diese Versäumnisse nachzuholen. Die Kunden werden es würdigen, dass ihr Versicherungsmakler auch an seine Kunden über den eigenen Tod hinaus Verantwortung zeigt.

Die Versicherer sind verpflichtet, auch weiterhin die Bestandscourtagen an den Nachfolger zu zahlen, soweit dieser ein zugelassener Makler ist und mit diesem eine Courtagevereinbarung oder -zusage besteht. Der dann mit dem Nachfolger bestehende Maklervertrag zwischen Kunde und Nachfolger begründet den Anspruch aus Bestandscourtage.

Weg #2: Vor allem für mittelgroße Maklerunternehmen

Wandeln Sie rechtzeitig Ihren Gewerbebetrieb als Einzel- oder Kleinmakler in eine juristische Kapital- oder Personengesellschaft um. Als notwendige Umsatzgröße für diesen Schritt sehe ich spätestens das annähernde Erreichen der Pflichtgrenzen für die Buchführungspflicht an. Für 2019 liegen diese Grenzen beim Gewinn von mehr als 60.000 Euro und beim Umsatz von 600.000 Euro. Diese Unternehmen müssen im Jahr 2019 grundsätzlich von der einfachen Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung wechseln. Und damit kann man auch gleich noch den Schritt zur juristischen Firmenkonstruktion gehen.

Aber auch vorher gibt es gute Argumente für die Gründung einer GmbH oder GmbH & Co. KG. Nicht umsonst arbeitet rund ein Drittel der Maklerunternehmen bereits so. Der klare Vorteil tritt im Todesfall des Maklers zu Tage, weil dann einfach die Gesellschafts- oder Kommanditanteile vererbt oder verkauft werden können. Am Verhältnis der Kunden zur Maklerfirma ändert sich dann ebenso wenig wie am Courtageanspruch. Natürlich ist nach einer Übergangszeit auch die Betreuung der Kunden durch einen registrierten Vermittler abzusichern.

Makler, die ihren Bestand vollständig oder überwiegend an einen Maklerpool übertragen haben, der auch ein Modell der Maklerrente anbietet, kann mit diesem auch frühzeitig einen Vertrag zur Verrentung und – soweit angeboten – auch der Erbenrente abschließen.

Makler, die sich für dieses Modell interessieren, sollten sich einen umfassenden Marktüberblick zu diesen Rentenmodellen und vor allem auch der Versteuerung dieser Maklerrenten verschaffen.

Weg #4 – Maklerunternehmen rechtzeitig verkaufen oder übertragen

Wer sich rechtzeitig mit dem Abschluss der Tätigkeit als Makler befasst und dies zum selbstgewählten Zeitpunkt auch umsetzt, wird in Verbindung mit Weg #1 oder Weg #2 wohl die beste Entscheidung treffen. Diese Maklerinnen und Makler, die für sich selbst den Schlusspunkt unter das eigene Berufsleben setzen, profitieren von mehreren Vorteilen.

Makler, die nach dem 55. Lebensjahr ihr Unternehmen verkaufen, können die Freibeträge und Steuervorteile nutzen, die im Amtlichen Einkommenssteuer-Handbuch des BMF unter Paragraf 16 (4) niedergelegt sind. Hier heißt es:

„Hat der Steuerpflichtige das 55. Lebensjahr vollendet oder ist er im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dauernd berufsunfähig, so wird der Veräußerungsgewinn auf Antrag zur Einkommensteuer nur herangezogen, soweit er 45.000 Euro übersteigt. Der Freibetrag ist dem Steuerpflichtigen nur einmal zu gewähren. Er ermäßigt sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn 136.000 Euro übersteigt.“

Die Suche nach einem geeigneten Käufer und nach einem maximalen Verkaufspreis kann ein Nachfolgeexperte ihres Vertrauens fachkundig unterstützen. Im Ergebnis einer solchen Beratung kann auch das Ergebnis stehen, dass nicht der Verkauf sondern ein Verrentungs-modell sinnvoll sein kann.

Modell Maklerrente auch mit Transaktionshilfe

Über das Für und Wider zu den am Markt angebotenen Maklerrenten-Modellen habe ich hier schon mehrfach geschrieben. Im konkreten Fall kann so ein Modell mit „Erbenschutz“ aber durchaus mehr als einen Gedanken wert sein. Schauen wir uns das am Beispiel eines Anbieters genauer an:

Blau Direkt bietet mit der Maklerrente einen sogenannten Erbenschutz an. Stirbt der Makler, geht der Anspruch auf die bezugsberechtigte Person über, ob vor oder während der Rentenbezugsphase. Die Höhe der Maklerrente ergibt sich aus dem übertragenen Bestand und der daraus resultierenden Bestandscourtage.

Im Modell mit Erbenschutz werden 90 Prozent der aus dem Bestand resultierende Courtage an den Makler ausgeschüttet. Davon wird eine sogenannte Technikpauschale abgezogen. Die Höhe dieser Pauschale ist abhängig von der Höhe der Jahressrente und bewegt sich zwischen netto 99 bis 499 Euro pro Monat.

Für Partner des Lübecker Maklerpools gibt es einen besonders interessanten Aspekt. Verstirbt der Makler, bevor er auf „Rente“ umgestellt hat, dann ist bereits zu diesem Zeitpunkt die Rente für eine bezugsberechtigte Person gesichert und kann abgerufen werden. Somit ist der Bestand für die Familie gesichert und deren Existenz geschützt.

Der Verantwortliche für die Maklerrenten von Blau Direkt, Dirk Henkies, stellt nochmal klar: „Verstirbt der Makler während der Rentenbezugsphase, geht der Anspruch auch auf die bezugsberechtige Person über, bis insgesamt 30 Jahre lang gezahlt wurde. „Das rechnet sich“, so meint Henkies, „auf jeden Fall. Selbst wenn durch die Umstellung etwas Abrieb entsteht.“

Nach Angaben von Blau Direkt läuft die Vorbereitung von Maklern für das Modell Maklerrente Hand in Hand zwischen der dafür spezialisierten Abteilung bei Blau Direkt und den interessierten Maklern. Das Ergebnis sind laut Nachfrage bei Henkies schon 35 Bestände, die seit Start Juni 2018 übernommen wurde. Seit Ende letzten Jahres, gibt es auch die ersten „echten Rentner“, die die Simplr Maklerrente beziehen.

Geschäftlich und Privat – Postmortale Vollmacht

Grundsätzlich sollten die Fragen des privaten und geschäftlichen Erbes im Rahmen der gesetzlichen Regelung individuell durch eine nach dem Tod geltende Vollmacht unterstützt werden. Das sind postmortale Vollmachten, die Basis für die Ausstellung eines Erbscheins, Regelungen zum Verkauf der Firma und für Nachfolgeregelungen legen können. Dem interessierten Leser ist dazu auch ein Blick in das Handelsgesetzbuch (HGB) zu empfehlen.

Der besonders auf eine Regelung seiner geschäftlichen Angelegenheiten im Todesfall bedachte Makler wird prophylaktisch seine Geschäftsunterlagen nebst Notfallplan in so einem Zustand pflegen, dass im Fall der Fälle eine rasche Übergabe möglich ist. Ein vorbereiteter Kaufvertrag kann dazu gehören. Ob und wann Sie soweit gehen wollen, dies ist ihre Entscheidung.

Wählen Sie Ihren Weg aus und gehen Sie diesen dann auch konsequent zu Ende. Dann brauchen Sie sich auch keine Sorgen zu machen, dass Ihre Erben nichts bekommen.

Vielen Dank an die Pfefferminzia

 

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