Cyber-Versicherung: Schutz vor Hacker-Angriffen

Private Cyberversicherung: Neue Ansätze für die Kundenberatung

Noch ist der Markt der privaten Cyberversicherungen überschaubar – und er ist hart umkämpft. Gerade Privatkunden fühlen sich beim Thema Cyberversicherungen aber oft nicht direkt angesprochen. Zu Unrecht, wie Jan Roß, Maklervertriebsleiter der Inter Versicherungsgruppe, weiß. Er verrät im Interview, mit welchen Ansätzen Berater in ihren Kundengesprächen punkten. Außerdem nennt er Mittel und Wege, um Kunden auf das noch junge Geschäftsfeld aufmerksam zu machen.

Pfefferminzia: Herr Roß, dass Cyberversicherungen für Unternehmen sinnvoll sind, ist den meisten Versicherungsnehmern bewusst – anders im privaten Umfeld. Wie stehen Ihre Kunden zum Thema private Cyberversicherung?

Jan Roß: Ja, das ist in der Tat eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Es ist durchaus so, dass auch potenzielle Endkunden sich der abstrakten Gefahr bewusst sind. Nur das konkrete Risiko sehen sie nicht: „Was soll mir schon passieren, ich bin doch im Vergleich zu großen Firmen unbedeutend“, oder: „Ich mache doch so wenig am PC,“ sind hier ganz häufige Aussagen. Das fehlende Gefahrenbewusstsein im Privaten sehen wir ja auch in anderen Bereichen. Beispielsweise bei Anbietern von Antivirenprogrammen. Nur wenige Verbraucher sind wirklich bereit, hier Geld für ihre Sicherheit in die Hand zu nehmen.

Welche anschaulichen Beispiele haben Sie für Ihre Kunden parat, um auf die private Absicherung gegen Cyberrisiken aufmerksam zu machen?

Um möglichst genau und anschaulich auf Gefahren im Netz hinweisen zu können, haben wir bei Inter einen eigenen Blog zu dem Thema Cybersicherheit ins Leben gerufen. Hier schaffen wir für unsere Kunden nicht nur mit aktuellen Zahlen und Statistiken eine fundierte Faktenlage, sondern geben auch ganz konkrete Beispiele, um die Fülle verschiedener Risiken zu beleuchten – angefangen bei Schadsoftwareprogrammen über Risiken beim Onlineshopping bis hin zu Cybermobbing. Fälle, die natürlich auch unsere Berater im Gespräch aufgreifen können. Ebenso wie die Inhalte unserer Digidor-Kampagne, in der wir über Cyberrisiken aufklären.

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Welche Schadenfälle kommen aus Ihrer Sicht am häufigsten vor?

Ganz klar sind das immer noch Phishing-Kampagnen. Allein in diesem Jahr wurden 36 Milliarden Phishing-Mails verschickt und es tauchten 115.000 Fake-Websites im Netz auf. Viel interessanter ist meiner Meinung nach aber die Frage, was die Zukunft bringt. Mit welchen Herausforderungen haben wir es zukünftig zu tun? Schon jetzt ist es ja so, das Cyberkriminelle wesentlich professioneller vorgehen, als noch vor einigen Jahren. Die Betrüger sind trickreicher geworden. Die Phishing-Mails viel persönlicher auf die Vorlieben der Nutzer zugeschnitten und sie sind auch viel hochwertiger. Früher konnte man die üblichen Anschreiben noch an Rechtschreibfehlern oder falscher Grammatik erkennen. Heute ist das längst nicht mehr so.

Erkennen Sie in puncto Phishing denn in Ihren Kundengesprächen ein gestiegenes Gefahrenbewusstsein beziehungsweise vielleicht haben die Kunden Angst davor, selbst Opfer werden zu können?

Es gibt da zwei Typen: die einen, die sich sehr sicher fühlen, die angeben auch auf Feinheiten der Seiten zu achten und meinen, alle Cyber-Tricks zu kennen. Und auf der anderen Seite die Vorsichtigen, die lieber gar nicht erst online einkaufen oder sich durch Dinge wie Online-Banking unnötigen Gefahren aussetzen wollen. Überraschenderweise sind es die sich sicher Fühlenden, die Betrügern öfters auf dem Leim gehen. Und dennoch sind sich auch solche Kunden, die bewusst mögliche Cybergefahren umschiffen, gar nicht der Tragweite des Themas bewusst. Auch, wenn wir online nicht einkaufen, hinterlässt ja jeder von uns digitale Fingerabdrücke – unser Kaufverhalten wird dokumentiert und Kreditkartendaten können ebenfalls abgefischt werden. Man kommt an vielen Punkten nicht mehr umhin, sich zusätzlich über weiteren Schutz Gedanken machen zu müssen. Genauso, wie wir unser Eigenheim schützen, indem wir Sicherheitsglas einbauen und gute Türschlösser, und uns dennoch zusätzlich gegen Einbruch- und Sturmschäden absichern, gilt das genauso online.

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Die Cybercrime-Statistik ist ebenfalls ein probates Mittel, das Privatpersonen zum Umdenken veranlassen könnte. Auf welche Quellen greifen Sie zurück, um auf die erhöhte Gefahrenlage hinzuweisen?

Polizeistatistiken und offizielle Daten von Branchenverbänden wie Bitkom, Studien von Yougov und Zahlen von Statista – wir nutzen die gesamte Palette. Nicht nur, um unser Angebot kalkulieren zu können, sondern auch als Argumentationsgrundlage: um das für viele Endkunden immer noch abstrakte Thema greifbarer zu machen. Die Statistiken zeigen ja sehr eindeutig den Anstieg der Cybergefahren. Nicht umsonst gibt es heute eigene Einheiten bei der Polizei, die sich des Themas annehmen, und bundesweite Kompetenzcenter. Das alles zeigt, wie wichtig Sicherheit in diesem Bereich ist.

Auf der anderen Seite kann man sich doch auch über die Rechtsschutzversicherung oder die Hausratversicherung gegen Gefahren aus dem Internet absichern. Auf welche Lücken im Versicherungsschutz weisen Sie Gesprächspartner mit diesem Einwand in ihren Beratungsgesprächen hin?

Bei einer Cyberbedrohung entstehen ja meist Schäden in verschiedenen Bereichen. Neben der Kostenübernahme für das smarte Gerät können zeitgleich Anwaltskosten auf den Versicherten zukommen. Vielleicht sind durch Smart-Home-Produkte auch Dritte zu Schaden gekommen. Opfer von Online-Betrügern oder Cybermobbing benötigt einem guten Rechtsschutz und mitunter auch psychologische Betreuung. Wer hier jeweils nur den entsprechenden Baustein auf die einzelnen Versicherungen zubucht, deckt auch immer nur den einen entsprechenden Bereich ab – oder zahlt letztlich drauf. Bei mehreren gleichzeitig gebuchten Bausteinen ist man im Grunde überversichert, denn die Leistungen überschneiden sich. Daher haben wir das Gesamtpaket entwickelt – eine zentrale Versicherung, die sich um alle Bereiche kümmert.

Welche Aufgaben sehen Sie außerdem auf der Seite der Cyberversicherer, um Versicherungsnehmer bestmöglich vor den Risiken aus dem Netz zu schützen?

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Ein sehr wichtiger Punkt ist für uns die Prävention. Versicherer tun gut daran, ihre Versicherungsnehmer so gut es geht über Risiken im Netz aufzuklären und sie zu schützen, auch beispielsweise durch entsprechende Antivirenprogramme. Schließlich schafft all das auch Vertrauen. Und auf der anderen Seite stehen kompetente Ansprechpartner, am besten in Form eines Expertenrats gebündelt, der alle möglichen Fragen beantworten kann – eine zentrale Lotsenstelle, die sich um alles kümmert.

Vielen Dank an die Pfefferminzia