IDD-Umsetzung: Weiterbildung ist Pflicht!

Makler, bilde dich! Was im IDD-Jahr 2019 auf Vermittler zukommt

Bald ein Jahr nach Inkrafttreten der Insurance Distribution Directive im Februar 2018 hat der Gesetzgeber kürzlich wichtige Eckpunkte der Reform festgezurrt. Was Vermittler im neuen Jahr insbesondere in Sachen Weiterbildungspflicht berücksichtigen sollten, erfahren Sie hier.

Nein, kontrovers ging es am 23. November 2018 in Berlin nicht mehr zu – die Debatten, die es zu führen galt, wurden erschöpfend geführt, und am Ende waren irgendwie alle froh, dass es vorbei war. Der Bundesrat gab unter Tagesordnungspunkt 49 grünes Licht für die Drucksache: 487/18 – die „Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Januar 2016 über Versicherungsvertrieb“, wie es im schönsten Bürokratendeutsch heißt.

Kurzum: Mit der von der Länderkammer besiegelten Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) ist nun endlich geklärt, wie die nationalen Spielregeln der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD (Insurance Distribution Directive), die ja schon seit Februar 2018 in Deutschland gilt, lauten.

Nachdem also alle Details festgezurrt wurden, kann die Verordnung am Tag nach der Verkündigung im Bundesgesetzblatt in Kraft treten. Das wird voraussichtlich noch im Dezember 2018 der Fall sein. War das nun der große Wurf? Und was kommt da eigentlich auf die hiesigen Versicherungsvermittler und Vertriebsgesellschaften zu?

„Erleichtert, da wir es nun halbwegs hinter uns haben“

Rechtsanwalt Norman Wirth, der zugleich als Vorstand des AfW-Bundesverbands für die Interessen der Vermittler eintritt, gibt sich erst mal „erleichtert, da wir es nun halbwegs hinter uns haben“. Den lakonischen Worten des Berliners, der die Entwicklungsschritte der IDD von Beginn an kritisch begleitete, folgt eine doch eher bitter schmeckende Einschätzung: „Die großen Überschriften für die IDD waren Verbraucherschutz, Transparenz und europäische Harmonisierung. Mein persönliches Fazit – analog übrigens zur Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO: Es wurde und wird ein unfassbar großer bürokratischer, finanzieller und zeitlicher Aufwand für ein äußerst bescheidenes Ergebnis betrieben.“

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Lernerfolgskontrolle deutlich entschärft

Mit Umsetzung der IDD in deutsches Recht greift seit Februar 2018 eine Weiterbildungspflicht für den Versicherungsvertrieb von 15 Stunden im Jahr – rückwirkend für das Gesamtjahr 2018. Immerhin wurde jedoch die vielfach kritisierte Lernerfolgskontrolle zuletzt deutlich entschärft. Diese sei bei der obligatorischen Weiterbildung „fast gänzlich entfallen“, freut sich Michael Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Somit sei die Lernerfolgskontrolle nur noch auf das Selbststudium beschränkt.

Aber welche Vermittlertypen fallen eigentlich unter die IDD-Definition „Versicherungsvertrieb“?

Nun, die Definition lautet so: Versicherungsvermittler, die unmittelbar an der Vermittlung oder Beratung beteiligt sind (gemäß Paragraf 34d Absatz 1 Gewerbeordnung). „Somit jeder, der zu Versicherungsverträgen berät, diese abschließt oder vermittelt, bei der Verwaltung oder Erfüllung von Versicherungsverträgen, insbesondere im Schadenfall, mitwirkt“, wie Frank Rottenbacher, Vorstandsmitglied der Going Public! Akademie für Finanzberatung, erklärt.

Auch ein gutes Drittel der Innendienstmitarbeiter muss sich fortbilden

„Von der Weiterbildungspflicht erfasst sind somit Versicherungsmakler und -vertreter, Versicherungsberater, gebundene Versicherungsvermittler und deren unmittelbar bei der Vermittlung und Beratung mitwirkende Beschäftigte.“ Auch fallen alle Personen, die in der Leitung des Gewerbebetriebs für die Versicherungsvermittlung verantwortlich sind, unter die Weiterbildungspflicht. Das schließt somit auch ein gutes Drittel der Innendienstmitarbeiter ein.

Aber was geschieht eigentlich, wenn man die 15 Stunden nicht nachweisen kann?

Kann der Nachweis nicht erbracht werden, so handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 3.000 Euro je Verstoß geahndet werden kann. Bei mehrfachen Verstößen sei die gewerberechtliche Zuverlässigkeit womöglich nicht mehr gegeben, warnen die Experten von Going Public!, so dass Betroffenen die Paragraf 34d-GewO-Erlaubnis entzogen werden könnte.

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Darauf sollte es besser niemand drauf ankommen lassen. Aus Sicht von Katharina Höhn, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV), liegt in der Weiterbildungspflicht eine große Chance für die Vermittlerschaft:

„Wir gehen vom Berufsbild eines Profis aus, der unternehmerisch tätig ist und der erkennt, dass Weiterbildung erforderlich ist, um erfolgreich im Markt zu sein. Dieses Anliegen wollten und wollen wir auch weiterhin mit der Initiative ,gut beraten‘ unterstützen.“

Seit dem Start der Initiative im April 2014 sei es gelungen, dieses Engagement „eindrucksvoll unter Beweis zu stellen“, findet Höhn. Zu den Trägern von „gut beraten“ gehören neben mehreren Vermittlerverbänden die Gewerkschaft Verdi, der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen AGV und der Versicherungsverband GDV.

Mittlerweile haben 156.966 vertrieblich Tätige – wie es im IDD-Jargon heißt – ein Bildungskonto bei gut beraten (siehe Grafik auf Seite 1). „522 Bildungsdienstleister halten sich nachweislich an den von der Branche gemeinsam entwickelten Standard der Anrechnungsregeln“, ergänzt Höhn. Und was empfiehlt die BWV-Managerin Vermittlern, die immer noch nicht recht wissen, was sie von der IDD zu halten haben?

„In Bezug auf die Weiterbildung kann ich persönlich alle ermutigen, sich mit ihrer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung auseinanderzusetzen, und die gesetzlichen Vorgaben als das zu betrachten, was sie sind: eine Mindestvorgabe zum Schutz des Verbrauchers.“

„IDD ist da, ist nicht so schlimm gekommen, wie es erst aussah“

Dem Schutz der Verbraucher dienen aus Sicht von Rechtsanwalt Wirth nicht zuletzt auch die neuen Regeln im Hinblick auf Versicherungsanlageprodukte – also meist fondsgebundene Versicherungen. „Der Gesetzgeber statuiert nun – in Anlehnung an die geltenden Vorschriften zur Finanzanlageberatung – bei Beratungen zu solchen Versicherungsprodukten deutlich erweiterte Informations- und Beratungspflichten und eine sogenannte Geeignetheitsprüfung“, erläutert Wirth. So müssen Vermittler diverse Informationen vom Kunden erfragen – zum Beispiel Kenntnisse und Erfahrungen im betreffenden Anlagebereich, finanzielle Verhältnisse, Anlageziele und Risikotragfähigkeit und -bereitschaft – und diese jeweils bei der Auswahl entsprechender Produkte zugrunde legen. „Das ist sicherlich etwas, was auch mehr Aufwand erfordert, jedoch im Kundeninteresse sinnvoll erscheint“, lobt Wirth – sein Rat an die Vertriebsprofis: „Vermittler sollten hier sehr genau schauen, dass sie für die Umsetzung der geforderten Prozesse kompetente Unterstützung erhalten – über entsprechende Software, Verbünde, Pools und so weiter.“

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Und dennoch: Es werde noch einige Zeit dauern, bis sich die Branche „halbwegs einheitlich den neuen Vorgaben angepasst“ habe, erwartet der AfW-Vorstand. Gerade in Zeiten von Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse sei das jedoch dringend erforderlich. Wirths Appell an alle verzagten Vermittler ist dann umso kämpferischer: „IDD ist da, ist nicht so schlimm gekommen, wie es erst aussah, und man kann damit leben. Schauen Sie nach vorn. Positiv denken. Weitermachen. Es gibt viel zu tun. Und ganz wichtig: Nur mit guten Partnern, gut informiert und gut unterstützt sind die aktuellen und kommenden Änderungen zu bewältigen.“

Vielen Dank an die Pfefferminzia