„Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen.“ Was Xavier Naidoo
besang, nehmen sich immer mehr Häuslebauer zum Motto: Sie schließen sich zu Baugruppen
zusammen. Sie wollen mitgestalten, Kosten sparen und gemeinsam wohnen.
Ballungsgebiete mit hohen Grundstückspreisen sind für Baugruppen besonders attraktiv:
Allein in München wurden in den letzten zehn Jahren in 34 Gemeinschaftsprojekten
rund 700 Wohneinheiten geschaffen. Kathrin Milich von Schwäbisch Hall hat mit Experten
über positive Effekte und Hindernisse solcher Projekte gesprochen.
 
„Der große Vorteil gemeinsamen Bauens ist die Chance, individuelle Vorstellungen kostengünstig
umzusetzen und Einfluss auf Planung und Bauqualität zu nehmen“, sagt Klaus Kellhammer,
der als Vorstandsmitglied des Verbands Privater Bauherren häufig Baugruppen berät und begleitet.
Finanzielle Vorteile gibt es viele: Die Erschließungskosten des Grundstücks werden
geteilt, die Grunderwerbsteuer fällt nur für das Grundstück, aber nicht für die darauf errichteten
Immobilien an und die Gewinnmarge des Bauträgers fällt weg. Hinzu kommen Ersparnisse
durch gemeinsam eingekaufte Planungsleistungen und Baumaterialien. Insgesamt kann das
Bauen in der Gemeinschaft etwa 10 bis 20 Prozent günstiger sein, als der Kauf vom Bauträger
oder das Bauen in Eigenregie. Weiterer Pluspunkt: Immer mehr Gemeinden geben Grundstücke
zu günstigen Konditionen an Baugemeinschaften ab oder fördern solche Bauvorhaben mit
Zuschüssen oder Zinsnachlässen.
 
Profis helfen bei Planung und Rechtsfragen
Klingt verlockend. Warum also „Einzelkämpfer“ bleiben, wenn man in der Gemeinschaft mehr
Möglichkeiten hat, sich „durch Schwarmfinanzierung gemeinsame Anschaffungen zu leisten,
die alleine eventuell nicht zu leisten sind“, wie der Architekt Sven Haustein erklärt. So unbestritten
das Potenzial, so groß die organisatorischen und juristischen Fallstricke. Sind individuelle
Vorstellungen und Charaktere der Beteiligten zu unterschiedlich, münden manche Baugruppen
nicht in einer Idylle, sondern enden vor Gericht.
 
Damit es nicht so weit kommt, empfiehlt sich ein professioneller Projektbetreuer. Er kümmert
sich um die rechtlichen Rahmenbedingungen wie die Rechtsform, den Grundstückskauf oder
Verträge. Außerdem beruft er Sitzungen ein, kontrolliert die Geldflüsse und ist Ansprechpartner
für Banken und Behörden. Ebenso sinnvoll ist die Zusammenarbeit mit einem (Baugruppen-)
erfahrenen Architekten, der nicht selbst Mitglied der Baugruppe ist.
 
Allein um Kosten zu sparen, sollte niemand auf eine Baugruppe setzen. „Man sollte auf jeden
Fall soziale und empathische Grundvoraussetzungen erfüllen, kompromissbereit sein und auch
lange und intensive Diskussionen aushalten können“, sagt Architekt Haustein. Baugruppen entscheiden
in der Regel konsensual. Das heißt, realisiert wird nur, was von allen Mitgliedern
mitgetragen wird. Hier gilt: Je früher man sich engagiert, desto eher zeigt sich, ob die eigenen
Vorstellungen mit denen der anderen kompatibel sind – und desto leichter kann man noch aussteigen,
wenn ein Konsens nicht möglich ist.
 
Ideal für spezielle Wohnbedürfnisse
Bundesweit wächst derzeit das Interesse am gemeinschaftlichen Bauen. Klaus Kellmann
beobachtet
einen Paradigmenwechsel: „Waren es in den letzten 10 bis 15 Jahren vor allem
junge Leute, die sich an Gemeinschaftsprojekte gewagt haben, überwiegt jetzt die ältere Generation.“
So entstehen immer mehr generationsübergreifende Projekte wie das Viva!Karree in
Schwäbisch Hall, das im Frühjahr 2022 bezugsfertig sein soll. Architekt Haustein ist für das Projekt
verantwortlich. Seiner Ansicht nach sind Baugemeinschaften vor allem für jene eine gute
Alternative, „die spezielle Wohnbedürfnisse haben, die in der Regel von der Investoren-Bauträgerszene
nicht abgedeckt werden: Menschen mit Behinderungen, Großfamilien, Wohngemeinschaften,
Alten-WGs, Alleinerziehende. Oder Menschen, die Wohnen und Arbeiten verbinden
wollen, z. B. in einem gemeinsamen Workspace mit anderen Hausbewohnern.“ Mit Blick auf die
Zukunft ist Haustein überzeugt: „Die Synergieeffekte gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens
sind die Triebfeder schlechthin, warum sich immer mehr Menschen dafür entscheiden.“
 
Wer gemeinsam bauen will, sollte diskussionsfreudig und kompromissbereit sein.
(Foto: Bausparkasse Schwäbisch Hall)

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