FDP fordert Rückkehr zum Nachholfaktor bei Rentenberechnung

Die FDP verlangt, den 2018 von der Großen Koalition ausgesetzten sogenannten Nachholfaktor in der Rentenberechnung zu reaktivieren. Dieser dämpft den Rentenanstieg nach Krisenzeiten mit schlechter Lohnentwicklung.
 
Seine Reaktivierung sei eine Frage der Generationengerechtigkeit, sagte der arbeits- und rentenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Einen entsprechenden Antrag hat die FDP für diese Woche in den Bundestag eingebracht.
 
Die jährliche Rentenerhöhung bemisst sich an der Lohnentwicklung des Vorjahres. Da es 2019 sehr deutliche Lohnerhöhungen gab, steigen zum 1. Juli die Renten in Westdeutschland um 3,45 Prozent und in Ostdeutschland um 4,20 Prozent. Für Zeiten wie jetzt in der Coronakrise, in denen das Lohnniveau einbricht, gilt, dass es keine Rentenkürzungen gibt.
 

Regelung bis 2025 ausgesetzt

 
Der Nachholfaktor legte aber fest, dass bei wieder steigenden Löhnen die Rentenerhöhungen niedriger ausfallen als nach der Rentenanpassungsformel eigentlich vorgesehen – so lange, bis die unterbliebene Rentenkürzung wieder ausgeglichen ist. Diese Regelung wurde von der Großen Koalition bis 2025 ausgesetzt.
 
“Die Rentensteigerung in der kommenden Woche ist richtig, da die Löhne im vergangenen Jahr gestiegen sind”, sagte der FDP-Rentenexperte Vogel. Löhne und Renten sollten sich immer im Gleichklang entwickeln. “Auf diesen Grundsatz müssen sich die Rentnerinnen und Rentner verlassen können. Auf diesen Grundsatz muss sich aber eben auch die junge Generation verlassen können. Nur so bleiben die Generationengerechtigkeit im Gleichgewicht und auch die Rentenfinanzen stabil.” (dpa-AFX)

Rentenerhöhung 2021 könnte im Westen ausfallen

Nach jahrelangen Rentensteigerungen könnte die übliche Erhöhung der Altersbezüge im kommenden Jahr im Westen Deutschlands ausfallen. Im Osten wird es voraussichtlich lediglich eine Mini-Anhebung um 0,7 Prozent geben. Zu dieser Einschätzung kommt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel.
 
Nach derzeitigem Stand sei davon auszugehen, dass die Renten im Westen im kommenden Jahr nicht steigen werden, sagte er am Donnerstag bei der Bundesvertreterversammlung der Rentenversicherung. Die Beitragszahler müssen seiner Einschätzung zufolge nach 2021 auch mit höheren Beiträgen rechnen.
 
Zum letzten Mal ist es 2010 passiert – im Jahr nach der Finanzkrise – dass eine Rentenerhöhung ausfiel. Seitdem sind die Renten jedes Jahr gestiegen, zum Teil kräftig. Auch ab Juli dieses Jahres bekommen die rund 21 Millionen Rentner mehr: im Osten 4,2 und im Westen 3,45 Prozent.
 
Grundlage für die jährliche Anpassung ist unter anderem die Lohnentwicklung im Vorjahr. Die Annahmen gingen nun von sinkenden Durchschnittslöhnen und einer niedrigeren Zahl an Beitragszahlern aus, sagte Gunkel mit Blick auf die Corona-Krise. Er verwies zugleich darauf, dass Rentenkürzungen durch eine Schutzklausel gesetzlich ausgeschlossen seien.
 
Den voraussichtlich leichten Anstieg im Osten im Vergleich zur möglichen Nullrunde im Westen erklärt die Rentenversicherung mit der sogenannten Angleichungstreppe: Bis 2024 wird der Rentenwert im Osten schrittweise an den im Westen angepasst, bis er 100 Prozent erreicht hat.
 
Eine endgültige Entscheidung über die Rentenanpassung zum 1. Juli 2021 fällt allerdings erst nächstes Jahr. Die jährliche Anpassung wird von der Bundesregierung per Verordnung üblicherweise im Frühjahr festgelegt. Der Bundesrat muss zustimmen.
 
Die Corona-Krise werden aber wahrscheinlich nicht nur die Rentner zu spüren bekommen, sondern nach Einschätzung der Rentenversicherung auch die Beitragszahler. Nach ihrer Vorausberechnung bleibe der Beitragssatz zwar 2021 konstant bei 18,6 Prozent, sagte Gunkel.
 
Das Niveau wird demnach aber nicht, wie noch vor der Corona-Krise angenommen, bis 2024 zu halten sein. Der Beitragssatz könnte den Aussagen zufolge bereits vor 2024 steigen und bis 2025 wahrscheinlich 20 Prozent erreichen.
 
Bei 20 Prozent ist per Gesetz eine sogenannte Haltelinie eingezogen, weiter darf der Satz bis 2025 nicht ansteigen. Für die Zeit danach hatte eine Kommission aus Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertretern, Wissenschaftlern und Fachpolitikern Reformvorschläge vorgelegt. Sozialminister Hubertus Heil (SPD) hatte danach angekündigt, noch in diesem Jahr eine langfristige Rentenreform angehen zu wollen.
 
“Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise lassen sich derzeit nur sehr schwer abschätzen”, sagte Gunkel. Die starke Zunahme der Kurzarbeit und auch die gestiegene Arbeitslosigkeit infolge der Pandemie wirken sich seinen Angaben zufolge bei der Rentenversicherung begrenzt aus, da auch bei Kurzarbeit mindestens Beiträge in Höhe von 80 Prozent des bisherigen Entgelts gezahlt würden und die Bundesagentur für Arbeit Rentenversicherungsbeiträge für Empfänger von Arbeitslosengeld I zahle. Für 2020 rechnet Gunkel mit einem Defizit in der Rentenkasse von etwa 4,3 Milliarden Euro. (dpa-AFX)

Bestandsrentner müssen auf Grundrente länger warten

Von der geplanten Grundrente werden viele Rentner wohl erst deutlich später etwas haben. Nach Angaben des Direktors der Deutschen Rentenversicherung Bund, Stephan Fasshauer, werden Menschen, die heute schon in Rente sind und einen Anspruch auf den Zuschlag haben, ihre Bescheide dafür voraussichtlich erst bis Ende 2022 erhalten.
 

Ab Juli 2021 könnte der Versand der Grundrentenbescheide für diejenigen Rentner beginnen, die erstmals eine Rente erhalten.

 
Fassauer bekräftigte bei einer online abgehaltenen Vertreterversammlung der Rentenversicherung am Mittwoch außerdem frühere Aussagen, wonach die Grundrente voraussichtlich erst ein halbes Jahr nach ihrem geplanten offiziellen Start kommt. Ab Juli 2021 könnte demnach der Versand der Grundrentenbescheide für diejenigen Rentner beginnen, die erstmals eine Rente erhalten.
 
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte die Möglichkeit entsprechender Verzögerungen eingeräumt, allerdings davon gesprochen, dass die Grundrente unabhängig davon rückwirkend zum 1. Januar 2021 gezahlt werden könnte. Auf Nachfrage bestätigte Heil dies der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch noch einmal.
 
Die Rentenversicherung rechnet mit einem “erheblichen Verwaltungsaufwand” bei der Umsetzung des Vorhabens und mit einem zusätzlichen Personalmehrbedarf im kommenden Jahr von rund 1.300 Stellen. Aufgabe der Rentenversicherung sei es, aus den knapp 26 Millionen Renten diejenigen herauszufiltern, bei denen ein Anspruch auf den Zuschlag bestehen könnte. Erschwerend komme hinzu, dass das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei, sagte Fasshauer.
 

Bedenken wegen der Finanzierung

 
Für die vorgesehene Einkommensprüfung wird an einem Datenaustauschverfahren mit den Finanzämtern gearbeitet. Nicht möglich sei dabei allerdings ein automatisierter Datenabgleich bei im Ausland lebenden Rentnern. Das gelte ebenso bei der Ermittlung der Kapitalerträge. Das erhöhe den ohnehin vorhandenen Personalbedarf noch einmal erheblich.
 
Das Bundeskabinett hatte die Grundrente im Februar beschlossen. Ab 2021 sollen dadurch die Renten von rund 1,3 Millionen Menschen mit kleinen Bezügen aufgebessert werden. Die Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat stehen noch aus. Die SPD will sie noch vor der Sommerpause haben. In der Union gibt es Bedenken wegen der Finanzierung. (dpa-AFX)

Renteneintrittsalter steigt wegen Mütterrente

Das Alter, in dem Versicherte durchschnittlich ihre Altersrente erhalten, ist von 2018 auf 2019 von rund 64,1 auf rund 64,3 Jahre gestiegen. Wie die Deutsche Rentenversicherung Bund am Montag in Berlin mitteilte, gab es bei Frauen eine spürbare Zunahme von 64,1 auf 64,5 Jahre.
 
“Hauptgrund hierfür ist die Mütterrente II, die zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist. Das durchschnittliche Zugangsalter der Frauen, die durch die zusätzliche Anerkennung von Kindererziehungszeiten erstmalig einen Anspruch auf eine Altersrente haben, ist überdurchschnittlich hoch”, so ein Sprecher der Rentenversicherung. Bei den Männern sei das Renteneintrittsalter im Vergleich zu 2018 konstant bei rund 64,0 Jahren geblieben.
 
Die Rentenversicherung sieht die Finanzierung der Mütterrente als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie sollte deswegen aus Steuermitteln und nicht aus Beiträgen finanziert werden, so ihre Argumentation.
 
Auf lange Sicht gab es einen deutlichen Anstieg des durchschnittlichen Renteneintrittsalters. Von 2000 bis 2019 ist es um zwei Jahre gestiegen. “Grund für den langfristigen Anstieg des Renteneintrittsalters sind insbesondere die Anhebung der Altersgrenzen und das Auslaufen von zwei vorgezogenen Altersrentenarten”, macht die Rentenversicherung deutlich.
 
Die vorgezogenen Altersrentenarten konnten in der Vergangenheit teilweise schon mit 60 Jahren in Anspruch genommen werden, wie bei der Altersrente für Frauen oder bei der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit. (dpa-AFX)

Grundrente: Wer sie bekommt und wie sie berechnet wird

Pflegekräfte, Lkw-Fahrer, Reinigungskräfte oder die Erzieherinnen in der Kita gehören oft zu den Leistungsträgern unserer Gesellschaft. Um ihnen eine angemessene Altersversorgung zu garantieren, hat die GroKo die Grundrente nun durch den Bundestag gebracht. Was das für die Bezieher von Minirenten bedeutet.
 

Wer bekommt die neue Grundrente?

Nach ersten Einschätzungen kommen rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland in den Genuss der neuen Grundrenten-Regelungen. Vor allem Frauen, die hart gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben, sollen laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der Grundrente profitieren.
Geringverdiener sollen nach 33 Jahren an Grundrentenzeiten einen Zuschlag auf die Rente bekommen, der ab 35 Jahren die volle Höhe erreicht. Grundrentenzeiten entstehen nicht nur durch die Zahlung von Pflichtbeiträgen aus Berufstätigkeit, sondern ganz bewusst auch aus Beitragszeiten für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen.
Daher werden etwa 70 Prozent der Nutznießer Frauen sein. Außerdem soll die Grundrente so zielgenau wie möglich ausgestaltet werden. Deshalb findet eine automatisierte Einkommensprüfung statt. Das hat einen großen Vorteil laut Experten der Arag Versicherungen ist, dass die Grundrente nicht extra beantragt werden muss.

Wie berechnet sich die Grundrente?

Es werden ganz einfach die Entgeltpunkte aufgewertet, mit denen die gesetzliche Rente insgesamt errechnet wird. Ein Durchschnittsverdiener bekommt pro Jahr einen solchen Punkt. Für jeden Punkt gibt es seit 1. Juli dieses Jahres im Westen 34,19 Euro Rente und im Osten 33,23 Euro Rente pro Monat.
Für die Zeiten mit nur geringen Rentenanwartschaften, die die Grundrente auslösen, werden die Entgeltpunkte erhöht: Nämlich für 35 Jahre auf das Doppelte des Durchschnittswerts der erworbenen Punkte; höchstens allerdings auf 0,8 Punkte.
Den vollen Aufschlag erhalten diejenigen, deren monatliches Einkommen als Rentner bei höchstens 1.250 Euro für Alleinstehende und 1.950 Euro für Eheleute liegt. Einkommen über dieser Grenze sollen zu 60 Prozent auf den Grundrentenzuschlag angerechnet werden; alles, was über einem Einkommen von 1.600 bzw. 2.300 Euro liegt, wird zu 100 Prozent angerechnet.
 

Wann kommt die Grundrente?

Nach dem Bundestag muss jetzt noch der Bundesrat der Grundrente zustimmen. Das Gesetz soll dann zum 1. Januar 2021 in Kraft treten.
Die Deutsche Rentenversicherung hatte allerdings schon früh zu Bedenken gegeben, dass die Einführung der neuen Leistung zum Jahresbeginn 2021 wegen des erheblichen Verwaltungsaufwandes schwierig werden könnte. Mit der Corona-Krise – viele Mitarbeiter sind im Homeoffice – wurden die Probleme nicht kleiner.
Jetzt schlägt auch die Regierung eine gestaffelte Einführung vor. Demnach würden anspruchsberechtigte Neurentner als erste die Grundrente erhalten. Wer bereits Altersrentner ist, wird allerdings bis Ende 2022 auf eine Auszahlung warten müssen. Die Grundrente wird dann aber rückwirkend gezahlt, so die Arag Experten.

BaFin: Keine Altersdiskriminierung in der Kfz-Versicherung

Die BaFin hat überprüft, ob der Eindruck von älteren Versicherungsnehmern beziehungsweise Autofahrern stimmt, dass sie im Verhältnis zu anderen Altersgruppen zu Unrecht höhere Prämien zahlen müssen. Fazit der Untersuchung. Bei der altersabhängige Tarifierung in Kfz-Versicherung geht alles mit rechten Dingen zu. Es gibt keine Altersdiskriminierung bei den Kfz-Versicherern.
 
Die aktuelle, marktbreit angelegte Untersuchung der in Deutschland tätigen Kraftfahrtversicherer kommt zu dem Ergebnis, dass die altersabhängige Tarifierung in der Autoversicherung auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruht und somit Paragraf 20 Absatz 2 Satz 2 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) entspricht.
 
Anhaltspunkte für Verstöße gegen diese Vorschrift und damit für eine unzulässige Diskriminierung älterer oder jüngerer Versicherungsnehmer haben sich nicht ergeben.
 
Im Hinblick auf die Prämiensituation für ältere Fahrer stellte die BaFin fest, dass bei einem signifikanten Anteil der untersuchten Kraftfahrtversicherer selbst ältere Versicherungsnehmer bis unter 79 Jahren eine niedrigere durchschnittliche Prämie zahlen als etwa die 27- bis 41-jährigen Versicherungsnehmer.
 
Obwohl die BaFin feststellte, dass bei eher gleichbleibendem Schadendurchschnitt die durchschnittliche Schadenhäufigkeit bei älteren Personen steigt und die Versicherer insofern einen entsprechenden Prämienzuschlag kalkulieren dürfen, haben demnach andere Tarifmerkmale – etwa eine höhere Schadenfreiheitsklasse und geringere jährliche Fahrleistung – die Prämienbelastung eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers im Alter nicht unerheblich gedämpft.
 
Seit einigen Jahren ist es gängige Praxis der in Deutschland tätigen Kraftfahrtversicherer, vor allem Pkw-Tarife nach dem Alter der Versicherungsnehmer, teilweise auch der Fahrer, zu staffeln.
 
So sind etwa in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung und in der Fahrzeugvollversicherung für jüngere Fahrer und ältere Versicherungsnehmer Zuschläge vorgesehen. In der Fahrzeugteilversicherung (Teilkasko) sinken die Prämien mit zunehmenden Alter dagegen im Allgemeinen.
Bei einer altersabhängigen Tarifierung müssen die Versicherer zwingend die Vorgaben des Paragrafen 20 Absatz 2 Satz 2 AGG beachten, wonach eine unterschiedliche Behandlung aufgrund des Alters nur zulässig ist, wenn diese auf anerkannten Prinzipien risikoadäquater Kalkulation beruht.

Wegerecht: Wie ist die Rechtslage in solchen Fällen?

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Wegerecht: Rechtlicher Anspruch durch jahrzehntelange Nutzung?

Wenn der Nachbar immer wieder durch den eigenen Garten spaziert, ist das für viele Grundstückseigentümer ärgerlich. Doch wie ist die Rechtslage in solchen Fällen. Der Full-Service Immobiliendienstleister McMakler (www.mcmakler.de) erklärt, ob Nachbarn ein Wegerecht aufgrund des Gewohnheitsrechts durch jahrelange Duldung des Weges zusteht.
Besteht keine direkte Anbindung vom Nachbarsgrundstück zum öffentlichen Wegenetz, muss dem Hinterhausnachbarn ein Durchgangsrecht, das sogenannte Wegerecht, eingeräumt werden. Wegerechte werden privat vertraglich vereinbart oder, um auf der sicheren Seite zu sein, als Grunddienstbarkeit im Grundbuch eingetragen.
 

Wegerechte entstehen bei Teilung des Grundstücks

 
Wegerechte entstehen häufig, wenn ein großes Grundstück in zwei kleinere Grundstücke geteilt wird. Ist die Nutzung des hinteren Grundstücks ausschließlich durch die Schaffung eines Zugangs durch den Garten des vorne liegenden Grundstücks möglich, so hat der Eigentümer des Zugang nehmenden Grundstücks einen rechtlichen Anspruch auf Erteilung des Wegerechts – ein Notwegerecht. Bei langjährigen Nachbarschaften kann es vorkommen, dass keine vertraglichen Vereinbarungen bestehen, oft duldet der Eigentümer des vorderen Grundstücks lediglich den Weg durch seinen Garten. Doch kann durch die Duldung des Weges ein rechtlicher Anspruch entstehen? „Die Antwort des Bundesgerichtshofs (BGH) ist eindeutig. Außerhalb des Grundbuchs kann ein Wegerecht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch lediglich aufgrund einer schuldrechtlichen Vereinbarung oder als Notwegerecht entstehen“, erklärt Philipp Takjas, Syndikusrechtsanwalt bei McMakler.
Im vorliegenden Fall (Az: V ZR 155/18) hatten die Eigentümer dreier nebeneinanderliegenden Grundstücke, die mit aneinandergrenzenden Häusern bebaut sind, die Eigentümerin der nebenliegenden Grundstücke verklagt. Diese hatte nach jahrelanger Duldung eines Weges durch ihre Grundstücke, mit dem Bau einer Toranlage und somit der Sperrung des Weges begonnen. Dadurch war es den Klägern nicht mehr möglich ihre Garagen, welche sich im hinteren Teil ihres Grundstücks befinden, zu erreichen.
 

Wegerechte: BGH hebt ursprüngliches Urteil auf

 
„Das Landgericht entschied zunächst zu Gunsten der Kläger und veranlasste die Beklagte, den Bau der Toranlage zu stoppen. Auch das Oberlandesgericht (OLG) Köln wies die Berufung der Beklagten zurück, mit der Begründung, den Klägern stehe aufgrund des Gewohnheitsrechts auch weiterhin die Nutzung des Weges zu“, erläutert Takjas von McMakler und führt weiter aus: „Der Bundesgerichtshof hat nun jedoch das Urteil aufgehoben und zurück an das Oberlandesgericht verwiesen, da die Kläger sich nicht auf das Gewohnheitsrecht berufen können.“
Gewohnheitsrecht entsteht durch längere tatsächliche Ausübung, die eine dauernde und ständige, gleichmäßige und allgemeine ist und von den Beteiligten als verbindliche Rechtsnorm anerkannt wird. Die Richter begründeten ihr Urteil mit dem Verweis, dass Gewohnheitsrecht lediglich zwischen einer Vielzahl von Rechtindividuen und in Bezug auf eine Vielzahl von Rechtsverhältnissen entstehen kann, nicht aber beschränkt auf ein konkretes Rechtsverhältnis zwischen einzelnen Grundstücksnachbarn. Gewohnheitsrecht ist also so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz. Das Oberlandesgericht Köln wird nun in dem vorliegenden Fall zu klären haben, ob den Klägern ein Notwegerecht zusteht sowie ob vertragliche Regelungen eines Wegerechts mit Voreigentümern bestanden, an welche die Beklagte gebunden ist.
 

Fazit

 
„Die jahrzehntelange Duldung der Querung des eigenen Grundstücks kann eine vertragliche Vereinbarung grundsätzlich nicht ersetzen. Wer das Wegerecht als Grunddienstbarkeit ins Grundbuch eintragen lässt, kann sichergehen, dass dieses auch bestehen bleibt, wenn sich die Eigentumsverhältnisse ändern. Denn die Grunddienstbarkeit lässt sich nur löschen, wenn beide Parteien der Auflösung zustimmen oder sie von vornherein befristet ist“, resümiert Philipp Takjas von McMakler.
 
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Immobilie: Wem steht was nach der Scheidung zu?

Immobilie: Wem steht was nach der Scheidung zu? Was meins ist, ist auch deins: Das war einmal. Informieren Sie sich jetzt bei ProKlartexxt.

 

Deine, meine oder unsere Immobilie: Wem steht was nach der Scheidung zu?

Nach Quarantäne und Kontaktsperre: Folgt jetzt auch noch der Scheidungs-Schock? China ist uns im Verlauf der Corona-Pandemie schon einiges voraus, doch trifft das auch auf die steigende Scheidungsrate zu? Fakt ist: China meldet nach dem Ende der häuslichen Quarantäne einen deutlichen Anstieg an Scheidungsterminen. Dabei werden die Scheidungspaare nicht nur mit emotionalen, sondern oft auch mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert. Was bei gemeinsamen Immobilien oder offenen Krediten beachtet werden muss, fasst der Full-Service Immobiliendienstleister McMakler zusammen.
 

Wem steht was beim Hausverkauf zu?

 
Was meins ist, ist auch deins: Das war einmal. Ist ein Ehepartner als Alleineigentümer der Immobilie im Grundbuch eingetragen, so gehört ihm das Haus auch nach der Scheidung noch allein. Das bedeutet allerdings nicht, dass er mit der Immobilie machen kann, was er will. „Bis zur rechtskräftigen Scheidung braucht der Alleineigentümer die Zustimmung seines Ehepartners, wenn er die Immobilie veräußern möchte“, erklärt Matthias Klauser, Leiter Maklervertrieb von McMakler. Gehört die Immobilie den Ehepartnern zu gleichen Teilen oder auch anteilig, ergeben sich verschiedene Möglichkeiten im Umgang mit dem gemeinsamen Eigentum.
 

Scheidung mit oder ohne Ehevertrag

 
Verfügt das zu scheidende Paar über keinen Ehevertrag, entsteht nach der Heirat eine sogenannte Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet, das Vermögen der einzelnen Eheleute bleibt auch während der Ehe getrennt. Es erfolgt lediglich ein Ausgleich des Zugewinns. Dabei wird das während der Ehe erworbene Vermögen sowie die Vermögensgüter zwischen den Ehepartnern aufgeteilt. „Gemeinsame Immobilien lassen sich nur schwer aufteilen und erweisen sich daher als komplizierter Faktor beim Zugewinnausgleich, da es sich hierbei um einen reinen Geldzahlungsanspruch handelt. Eine Möglichkeit besteht darin, die gemeinsame Immobilie zu verkaufen und den erzielten Verkaufserlös aufzuteilen. Wichtig ist, dass die getrennten Paare an einem Strang ziehen und Entscheidungen gemeinsam treffen, sonst kann es zu erheblichen finanziellen Verlusten kommen. Hierbei ist die Bewertung der Immobilie durch einen professionellen Experten empfehlenswert“, so Klauser von McMakler.
Nicht unbedingt romantisch, aber eine erhebliche Erleichterung für den Prozess einer Scheidung, ist ein Ehevertrag. In einem Ehevertrag werden Vereinbarungen zur Vermögensaufteilung, Unterhaltszahlungen sowie Altersvorsorge genau geregelt. „Ein Ehevertrag ist eine gute Möglichkeit, einen anderen Güterstand als die Zugewinngemeinschaft zu vereinbaren. Ein geschlossener Ehevertrag kann auch noch nachträglich an die aktuellen Lebensverhältnisse angepasst werden, vor allem wenn dieser vor vielen Jahren geschlossen wurde“, teilt der Immobilienexperte von McMakler mit.
 

Ausgleichzahlung, Teilungs- und Zwangsversteigerung

 
Wenn einer der beiden Ehepartner, dem jeweils anderen seinen Anteil an der gemeinsamen Immobilie überschreibt, erhält dieser dafür eine Ausgleichszahlung in entsprechender Höhe. Die Eigentumsübertragung muss unter Anwesenheit beider Partner von einem Notar beurkundet werden. Dabei sollte auch auf die Streichung des ausgezahlten Partners aus dem Grundbuch sowie eventuelle gemeinsame Hausdarlehen geachtet werden. Der nun alleinige Eigentümer der Immobilie kann diese entweder selbst nutzen oder das Haus beziehungsweise die Wohnung verkaufen. Sollte nur einer der beiden Eheleute die Immobilie verkaufen wollen, der andere aber nicht, kann es zur sogenannten Teilungsversteigerung kommen. Diese kann von einem der Ehegatten beim zuständigen Amtsgericht beantragt werden. „Im Falle einer Teilungsversteigerung wird das Haus zwangsversteigert, was häufig mit finanziellen Nachteilen für beide Eheleute verbunden ist. Denn bei einer Zwangsversteigerung erhält automatisch das höchste Gebot den Zuschlag, auch wenn dieses deutlich unterhalb des Verkehrswerts der Immobilie liegt“, warnt Klauser von McMakler.
 

Haus schon im Trennungsjahr verkaufen

 
Kommt es zur Trennung, entscheiden sich die meisten Paare zunächst für eine räumliche Trennung – das bedeutet, einer der Ehepartner zieht aus der gemeinsamen Immobilie aus. Spricht der Ausgezogene innerhalb von sechs Monaten nach seinem Auszug keine ernsthaften Rückkehrabsichten aus, so nimmt der Gesetzgeber an, dass der ausgezogene Ehegatte dem verbliebenen Ehepartner das alleinige Nutzrecht überlassen hat. Da der im Objekt wohnende Partner nun einen Wohnvorteil besitzt, steht dem Ausgezogenen ein Entgelt für die Nutzungsüberlassung zu. Entscheiden sich die Ehepartner gemeinsam nach dem Scheidungsantrag oder noch im Trennungsjahr dazu, die Immobilie zu verkaufen, ist Zeit ein entscheidender Faktor. „Wenn Paare sich noch vor Ablauf des Trennungsjahres dazu entscheiden nach geeigneten Käufern zu suchen, liegt das meist daran, dass die Immobilie für den noch im Objekt wohnenden Ehegatten zu groß ist oder die Kosten für die Instandhaltung zu hoch sind. Ein Hausverkauf ohne Zeitdruck hat den Vorteil, dass der Verkaufspreis häufig deutlich höher ausfällt als bei Verkäufen, die unter Zeitdruck vollzogen werden“, weiß der Immobilienexperte von McMakler.
 

Immobilienkredite nicht außer Acht lassen

 
In den meisten Fällen wurde das gemeinsame Haus auch über einen gemeinsamen Kredit finanziert. Wichtig ist, das Darlehen muss auch nach der Scheidung weiterhin zusammen getilgt werden. Kommt es zum Streit und einer der beiden Partner zahlt seinen Anteil nicht, kann sich die Bank mit ihren Ansprüchen ausdrücklich gegen beide Kreditnehmer wenden. Bei Zahlungsverweigerung oder sollte es dem Ehepartner schlichtweg nicht möglich sein zu zahlen, darf die Bank das Objekt zwangsversteigern. Wenn einer der Ehepartner aus dem Kreditvertrag herausgelöst werden möchte, beispielsweise nach der Eigentumsübertragung an den anderen Partner, muss dies zunächst mit dem Kreditinstitut abgeklärt werden.
 

Fazit

 
Matthias Klauser von McMakler resümiert: „Auch in der aktuellen Krisenzeit, ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und Entscheidungen nicht voreilig zu treffen. Sollte eine Scheidung jedoch auch nach dem Trennungsjahr der einzige Ausweg sein, ist es wichtig, miteinander zu sprechen und einvernehmliche Lösungen zur Vermögens- und Güteraufteilung zu finden. Oft bildet eine professionelle Beratung durch einen Makler oder Gutachter eine gute Basis für weitere Entscheidungen.“
 
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