Atradius ist ein globaler Anbieter von Kreditversicherungen

Atradius-Studie: Deutsche Unternehmen sehen Handelskrieg derzeit als größtes Geschäftsrisiko

Für deutsche Unternehmen gibt es aktuell kein größeres Risiko als den Ausbruch eines internationalen Handelskrieges infolge der protektionistischen Politik der US-Regierung. Das geht aus dem aktuellen Zahlungsmoralbarometer Westeuropa von Atradius hervor. Im Rahmen der Studie hat der weltweit agierende Kreditversicherer kleine und mittelständische Firmen sowie Großunternehmen in Deutschland nach den aus ihrer Sicht aktuell größten Gefahren für ihr Geschäft befragt. Zudem wollte Atradius wissen, ob Teilnehmer Veränderungen beim Zahlungsverhalten ihrer Firmenkunden in unmittelbarer Zukunft erwarten und welche Zahlungserfahrungen sie in den vergangenen zwölf Monaten gemacht haben.

Auf die Frage, welches Risiko sie als derzeit größtes für ihr Geschäft erachten, gaben 55 % der deutschen Befragten an, dass sie eine Eskalation des internationalen Handelsstreits infolge des US-Protektionismus am meisten fürchten. Nur in Dänemark (60 %) ist die Sorge laut Studie noch größer. Als weiteren Unsicherheitsfaktor sehen die deutschen Zahlungsmoralbarometer-Teilnehmer eine fehlgeleitete Zinspolitik der US-Notenbank. Ein Abkühlen des chinesischen Wirtschaftswachstums und steigende geopolitische Risiken erachten hingegen nur wenige deutsche Befragte als Risiko.

Stagnation bei der Forderungslaufzeit erwartet

Die zunehmenden Unsicherheiten im internationalen Handel sowie verhaltene Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr dämpfen auch die Erwartungen der deutschen Unternehmen in Bezug auf das Zahlungsverhalten ihrer Abnehmer im In- und Ausland. 68 % der Befragten gaben an, dass sie keine Verbesserung ihrer Forderungslaufzeit (Days Sales Outstanding, kurz DSO) in den kommenden zwölf Monaten erwarten, 19 % gehen von einer Verschlechterung aus.

„Der Export ist der Motor der deutschen Wirtschaft, und die Handelspolitik der USA, des größten Abnehmers deutscher Waren und Dienstleister, ein wichtiger Faktor hierfür“, sagt Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius. „Angesichts der derzeit wachsenden Unsicherheiten für internationale Geschäftstätigkeiten wird Forderungsschutz immer wichtiger für den Erfolg exportorientierter Unternehmen. Mit einer Kreditversicherung können Firmen ihren Abnehmern auch in unsicheren Zeiten Zahlungsziele einräumen, ohne den Risiken eines Forderungsausfalls ausgesetzt zu sein. So verbessern Firmen ihre Verhandlungsposition im internationalen Wettbewerb und sichern langfristig ihren Erfolg.“

Jedes vierte deutsche Unternehmen: Einnahmeeinbußen wegen später Zahlungen

Nach ihren Zahlungserfahrungen in den vergangenen zwölf Monaten befragt, gaben mehr als 60 % der deutschen Unternehmen an, dass ihr Geschäft aufgrund verspäteter Rechnungsbegleichungen durch Firmenkunden beeinträchtigt war. Jedes vierte deutsche Unternehmen musste im selben Zeitraum sogar Umsatzeinbußen aufgrund zu langer Außenstände hinnehmen. Unter allen Ländern, in denen der internationale Kreditversicherer die aktuelle Umfrage durchgeführt hat, liegt dieser Wert nur bei griechischen Lieferanten und Dienstleistern höher (30 %).

Bausektor weiter mit schlechtester Zahlungsmoral

Die für deutsche Unternehmen schlechteste Zahlungsmoral weist – wie auch in den vergangenen Studien – der Bausektor auf. Im Durchschnitt wurden Rechnungen aus dieser Branche erst 16 Tage nach Fälligkeitsdatum beglichen. Als Gründe hierfür gaben die Befragten mangelnde Liquidität bei ihren Kunden an und die Nutzung von offenen Rechnungen als Finanzierungsmittel. Trotz der weiterhin guten Auftragslage im deutschen Baugewerbe bleiben die Erwartungen der Lieferanten und Dienstleister in Bezug auf die Zahlungsmoral verhalten: 62 % erwarten keine Verbesserung im Zahlungsverhalten ihrer Abnehmer aus der Baubranche, 29 % rechnen gar mit einer Verschlechterung.

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