Sandwichprodukt Indexpolice

„Jahresrenditen zwischen 5 und 10 Prozent“

Thomas Keßling, Analyst bei der Rating-Agentur Assekurata, über wichtige Faktoren bei der Auswahl von Indexpolicen, ihre erwirtschaftete Rendite und die Vorteile und Nachteile von Cap und Quote.

Pfefferminzia: Für welche Kunden können sich Indexpolicen eignen?

Thomas Keßling: Indexpolicen fügen sich als modernes Lebensversicherungskonzept in den Bereich zwischen klassischer und fondsgebundener Altersvorsorge ein. Sie eröffnen dem Kunden die Möglichkeit, über eine Indexbeteiligung mit seinem gesamten Guthaben an den Entwicklungen der Kapitalmärkte zu partizipieren – ohne dabei das Risiko einzugehen, sein Sparvermögen bei ungünstigen Marktentwicklungen zu verlieren.

Im Gegenzug wird die mögliche Rendite jedoch nach oben durch einen Cap oder eine Quote begrenzt. Auf diesem Weg erfüllt das Konzept den bei vielen Kunden verankerten Wunsch nach Sicherheit, bietet gleichzeitig aber auch die Aussicht auf eine höhere Rendite als bei klassischen Rentenversicherungen. Indexpolicen dürften somit besonders die eher sicherheitsbewussten Altersvorsorgesparer ansprechen, die vor einem etwas offensiveres Investment an den Kapitalmärkten nicht zurückschrecken.

Zudem beinhalten alle 15 von uns untersuchten Indexpolicen neben garantierten Rückkaufswerten eine garantierte lebenslange Mindestrente, womit das Alleinstellungsmerkmal einer Rentenversicherung erhalten bleibt. Damit unterscheiden sich diese Tarife grundlegend von ähnlich anmutenden Bank- oder Investmentprodukten.

Auf welche Faktoren müssen Kunden und Makler bei der Auswahl von Indexpolicen besonders Acht geben?

Unserer Meinung nach ist ein Blick auf die individuelle Finanz- und Deklarationskraft des Anbieters zwingend erforderlich, denn trotz der Koppelung an die Kapitalmarktentwicklung hängen Indexpolicen weiterhin von den deklarierten Überschüssen und damit der Leistungsfähigkeit des Deckungsstocks eines Anbieters ab. Die Überschussbeteiligung beeinflusst nämlich die Höhe des Caps oder der Quote ist dadurch ein wichtiger Einflussfaktor für die Rendite.

Hierbei sollte man bedenken, dass Indexpolicen nicht mit einem Direktinvestment am Kapitalmarkt vergleichbar sind. Vielmehr handelt es sich um eine Produktform mit Sicherheitsnetz. Dieses fängt den Versicherten auf, sofern am Ende eines Indexjahres ein Verlust zu Buche steht. Hier greift der im Produkt verankerte Ausschluss des Kapitalverlustrisikos, sodass stets zumindest das Sparkapital am Ende eines Indexjahres erhalten bleibt.

Das bedeutet aber nicht, dass die enthaltenen Garantieelemente grundsätzlich einheitlich gestaltet sind, wie wir in unserer aktuellen Marktstudie feststellen konnten. Viele Anbieter verzichten beispielsweise darauf, für die Berechnung der endgültigen Höhe der Rentenzahlung die heute gültigen Sterblichkeitsgrundlagen zu garantieren. Auch ein vollständiger Beitragserhalt, die sogenannte Bruttobeitragsgarantie, ist mittlerweile nicht mehr bei allen Tarifen zu finden. Ein genauer Blick auf die unterschiedlichen Garantieelemente und die genaue Ausgestaltung der Indexpartizipation ist mehr denn je erforderlich. Hier gibt es zwischen den Anbietern und Produkten große Unterschiede.

Wie oft gibt es eine 100-prozentige Beitragsgarantie noch?

Die Mehrheit der Anbieter bietet nach unseren Erkenntnissen weiterhin eine 100-prozentige Beitragsgarantie, allerdings knüpfen sie dieses Versprechen an bestimmte Voraussetzungen. Typischerweise handelt es sich dabei um eine Mindestvertragslaufzeit, die jedoch von Anbieter zu Anbieter und je nach Vertragskonstellation deutlich variieren kann. Ein Standard hat sich an dieser Stelle nicht etabliert.

Alternativ reduzieren einige Anbieter das Garantieversprechen auch auf unter 100 Prozent der Bruttobeitragssumme oder beziehen dieses lediglich auf die Sparanteile im Beitrag. Die Abwägung zwischen Bruttobeitragsgarantie und Renditeerwartung geht damit zunehmend zu Lasten der Garantie.

Ein Beitragsgarantieniveau unterhalb von 100 Prozent ist unter Chance-Risiko-Aspekten für einen Kunden dann attraktiv, wenn es sich überproportional positiv auf die künftige Wertentwicklung auswirkt. Vorhersagen lässt sich dies freilich nicht.

Welche Rendite bringen die Produkte im Schnitt?

Das Jahr 2017 ist für Kunden von Indexpolicen vielfach sehr gut gelaufen. So haben die von uns untersuchten Verträge aufgrund des stetigen Aufwärtstrends an den Kapitalmärkten nicht selten eine Jahresrendite zwischen 5 und 10 Prozent erzielt, vereinzelt sogar noch etwas mehr. Tarifübergreifend liegt der Durchschnitt der im vergangenen Jahr gutgeschriebenen Renditen bei nahezu 7 Prozent.

Allerdings müssen Kunden in anderen Kapitalmarktphasen auch mit Null-Renditen rechnen, wenn kurzfristige Ad-hoc-Kursrückgänge an den Kapitalmärkten die positive Entwicklung aufzehren. Dies konnten wir beispielsweise im Jahr 2016 feststellen. Die Spanne der Indexgutschriften reichte seinerzeit lediglich von 0,00 bis zu 1,75 Prozent, wobei bei allen Tarifen der produktimmanente Kapitalerhalt griff und die Kunden kein Geld verloren haben.

Was lohnt sich für den Kunden eher – Cap oder Quote?

Hierzu lässt sich keine pauschale Aussage treffen. Ein Cap erweist sich immer dann als vorteilhaft, wenn die Performance-Schwankungen eines Index relativ gering sind, sodass sich die über den Cap abgeschnittene Rendite nur in geringem Umfang limitierend auswirkt. Andererseits ist ein Kunde mit einer Quote immer dann bessergestellt, wenn der Index stark schwankt, da er über die prozentuale Beteiligung auch von höheren positiven Performance-Ausschlägen anteilig profitiert.

Cap und Quote haben eine Gültigkeitsdauer von einem Indexjahr und können von den Anbietern dann individuell neu festgelegt werden. Ihre Höhe hängt besonders davon ab, wie viel Überschussbeteiligung der Versicherer deklariert. Dementsprechend ist es sinnvoll, die Überschussentwicklung von Indexpolicen regelmäßig im Auge zu behalten und von vorneherein einen finanzstarken Anbieter zu wählen.

Indexpolicen stehen manchmal in der Kritik, weil sie den Kurs- statt des Performance-Index zugrunde legen und dem Anleger dadurch die Dividendenzahlungen entgehen. Macht sich das arg bemerkbar in der Performance?

Bei den Tarifen am Markt hält sich das Angebot von Zielinvestments in einen Kurs- oder einen Performance-Index etwa die Waage. Im Gegensatz zu einem Kursindex gehen bei einem Performance-Index die Dividendenausschüttungen rechnerisch in die Indexentwicklung ein. Dies hat für die Anleger den Vorteil, dass Dividenden keine unmittelbare Auswirkung auf die zugrunde liegenden Aktienkurse nehmen.

Im Rahmen von Indexpolicen sind jedoch die Absicherungskosten bei Performance-Indizes höher, da sich die dahinter liegenden Optionen verteuern. Demzufolge lässt sich keine allgemeingültige Aussage dazu treffen, welche Variante vorteilhafter ist, zumal letztlich immer die konkrete Kursentwicklung den Ausschlag für die Renditegutschrift gibt.

Wie hoch sind Kosten im Schnitt bei diesen Indexpolicen?

Bei den von uns untersuchten Indexpolicen liegen die Effektivkosten bei durchschnittlich 1,15 Prozent. Damit fallen sie höher aus als im Durchschnitt der Klassik – 0,79 Prozent – und der Neuen Klassik – 1,04 Prozent.

Vielen Dank an die Pfefferminzia